Sonnenschutztechnik -

Markt für technische Textilien Zwei Global Player gehen gemeinsame Wege

Zwei Innovations- und Technologieführer haben ihre Stärken in den Bereichen textile Architektur und modulare Strukturen gebündelt. Mit ihrer Expertise wollen sie künftig auch im Sonnenschutzmarkt neue Akzente setzen.

Um ihre globale Position im wachsenden Markt für flexible Verbundwerkstoffe zu stärken, hat die Serge Ferrari Gruppe Anfang August Verseidag-Indutex von der Jagenberg Gruppe, einer Holding für Beteiligungen in den Bereichen Maschinenbau und technische Textilien, erworben. „Durch die Akquisition werden wir zum Weltmarktführer in den zwei Kernmärkten textile Architektur und modulare Strukturen sowie zum Schlüsselakteur für nicht brennbare Lösungen“, hebt Sébastien Ferrari, Vorsitzender und CEO der Serge Ferrari Gruppe, hervor.
Vergangenes Jahr verzeichnete Serge Ferrari einen konsolidierten Umsatz von 189 Millionen Euro, wobei 75 Prozent der Produkte außerhalb Frankreichs vertrieben wurden. Die Gruppe beschäftigt aktuell 851 Mitarbeiter in mehr als 80 Ländern. Vor der Übernahme von Verseidag hatte Serge Ferrari bereits die Mehrheit am Kapital von F.I.T., einem Hersteller von nicht brennbaren Hightechmaterialien in Taiwan, erworben. Der konsolidierte Proforma-Umsatz 2019 – einschließlich F.I.T. und Verseidag – beläuft sich demnach auf 273 Millionen Euro.

KOMPLEMENTÄRE TECHNOLOGIEN, ANWENDUNGSFELDER UND MÄRKTE

Verseidag hat sich mit beschichteten Gewebemembranen aus Glas-Polytetrafluorethylen (PTFE) für die textile Architektur sowie temporäre Bauten einen Namen gemacht – in diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. Eine Vielzahl an Bauten wie Stadien, Hotels, Parkhäuser und Bahnhöfe sind mit den Hochleistungswerkstoffen ausgestattet. Auch Megaprojekte wie das Luxushotel Burj al Arab in Dubai, der Thyssenkrupp Tower in Rottweil und die Staatsbibliothek Berlin reihen sich in die Liste der Referenzen ein.
Der Ursprung von Glas-PTFE geht bis in die 1950er-Jahre zurück. „Das Hightechmaterial hat sich in der Branche etabliert – es erfreut sich bei Architekten und Planern großer Beliebtheit“, sagt Markus Simon, Vorsitzender der Geschäftsführung von Verseidag. Das sei insbesondere der ausgeprägten Temperaturbeständigkeit, der Resistenz gegen Sand- und Schneestürme, der Langlebigkeit von mehr als 30 Jahren, der hohen UV-Stabilität, dem Schutz der Fassade vor Verwitterung sowie dem guten Anschmutzverhalten - ähnlich wie bei Teflon – zu verdanken.
„Serge Ferrari und Verseidag kennen sich bereits seit vielen Jahren“, beschreibt Simon die Gemeinsamkeiten. „Beide Unternehmen haben eine ähnliche DNA und auch die Kernzielmärkte sind die gleichen.“ Die Synergien liegen laut dem Geschäftsführer vor allem im Sortiment und in der Produktion. Zudem entfalteten die komplementären Anwendungsfelder, Technologien und regionalen bzw. geografischen Märkte eine Hebelwirkung. „Verseidag hat eine starke technologische Plattform und Serge Ferrari verfügt darüber hinaus über eine sehr effektive Vertriebs- und Marketingstruktur – das passt wunderbar zusammen“, ist er überzeugt.

VERSEIDAG: EXPERTISE IM BEREICH DER NICHT BRENNBAREN MATERIALIEN

Neben den Kernmärkten textile Architektur und modulare Strukturen ist Verseidag auch in den Segmenten Transport und Logistik, Automotive, Biogas, Digitaldruck und Sonnenschutz tätig. Das Unternehmen beschäftigt zirka 250 Mitarbeiter an den vier Industriestandorten im nordrhein-westfälischen Krefeld und Umgebung und verfügt über Vertriebsniederlassungen in Europa, den Vereinigten Staaten, dem Mittleren Osten und Hongkong. 2019 erzielte es einen konsolidierten Umsatz von 72 Millionen Euro. „Unsere Expertise liegt vor allem im Bereich der nicht brennbaren (non-combustible) und wasserbasierten Materialien“, beschreibt Simon die Alleinstellungsmerkmale. „Wir bieten Polyester-PVC bis Brandschutzklasse B1 und Glas-PTFE bis Klasse A2 in Fertigwarenbreiten bis fünf Meter an.“
Die Pole-Position von Verseidag im Bereich von Glas-PTFE in Verbindung mit Serge Ferraris patentierter Précontraint Technologie ermögliche es der Gruppe künftig, ein vollständiges und diversifiziertes Produktangebot zu entwickeln. Darüber hinaus lasse sich das Portfolio in Segmenten wie Gewebe für den großformatigen Digitaldruck stärken.

SONNENSCHUTZ: NACHHALTIGKEIT IST EIN ZUKUNFTSTHEMA

Auch im Bereich der technischen Textilien für den Sonnenschutz will die Gruppe künftig ihr Know-how zusammenführen: Während Serge Ferrari mit der Premium-Marke Soltis im außen liegenden Sonnenschutz stark ist, bietet Verseidag u.a. Screens, Rollos, Bürolamellen und Plissees für den innen liegenden Sonnenschutz an. „Der außen liegende Sonnenschutz steckt bei uns noch in den Kinderschuhen“, gesteht Simon. „Auf Basis der langjährigen Erfahrung mit nicht brennbaren Fassadenmaterialien in unserem Architekturbereich wollen wir künftig gemeinsam mit Serge Ferrari innovative Akzente im Markt für außen liegende Sonnenschutzlösungen – auch in Fertigwarenbreiten bis 3,20 Meter – setzen.“ Beim innen liegenden Sonnenschutz sei vor allem die Nachhaltigkeit ein entscheidendes Zukunftsthema. Für diesen Zweck werden aktuell Produkte aus recyceltem Vinyl von Post Consumer Goods entwickelt.

Kirsten Friedrichs

© sicht-sonnenschutz.com 2020 - Alle Rechte vorbehalten