Shopfloor Management Selve: Mehr Effizienz in der Motorfertigung

Jeden Morgen treffen sich Produktionsmitarbeiter und Führungskräfte in der Motorfertigung bei Selve in Lüdenscheid für 15 Minuten – ohne Stühle, dafür mit klarer Agenda. Wie das Shopfloor Management die Lieferperformance des Antriebsherstellers verbessert.

Die tägliche Stehung ist zentrales Element des Shopfloor Managements mit direkter Kommunikation und gemeinsamen Entscheidungen. - © Selve

Montags bis freitags, stets zur festen Uhrzeit: Bei Selve in Lüdenscheid kommt ein abteilungsübergreifender, zumeist achtköpfiger Teilnehmerkreis in der Motorfertigung zur sogenannten täglichen Stehung zusammen. Vor mehreren Whiteboards prüfen die Beteiligten anhand von Kennzahlen und Planzahlen den Soll-Ist-Abgleich und identifizieren Handlungsbedarf.

Das Ergebnis: Tagesaktuelle Klarheit über Qualitätsprüfungen, Produktionsmengen, Material- und Personalkapazitäten sowie Aufträge und Auslieferungen. Selve hat dieses Shopfloor Management vor zirka einem Jahr eingeführt – und verzeichnet nach eigenen Angaben seither eine spürbar höhere Lieferperformance.

Zirka 2.000 Antriebe pro Tag – und alle ziehen an einem Strang

"Bei derzeit täglich rund 2.000 von uns produzierten Antrieben sorgt Shopfloor Management für mehr Transparenz bei allen relevanten Abteilungen und Schnittstellen", sagt Marc Solzbacher, Leiter Lean-Management und Kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP). Jeder Bereich wisse genau, was zu tun sei, und alle liefen in die gleiche Richtung. "Wir haben es geschafft, unsere Lieferperformance zu steigern und über Zielvorgabe zu halten", ergänzt Solzbacher.

Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sei die Auftragslage für Selve-Antriebe aus deutscher Produktion stabil. Das Unternehmen verfolge das Ziel, 90 Prozent aller Lieferungen tagesgenau auf den Weg zu bringen – nach dem Credo: heute bestellt, morgen geliefert.

Der bewusste Verzicht auf Stühle halte die Meetings kurz und fördere eine dynamische, lösungsorientierte Arbeitsweise, erläutert Solzbacher. An den täglichen Treffen nehmen der Leiter der Motorfertigung, die Schichtführung und Fertigungsplanung sowie die Bereiche Versand und Disposition/Logistik teil. Solzbacher selbst fungiert als Coach. Optional stoßen Einkauf, Qualitätssicherung, Produktionsleitung und Geschäftsführung hinzu.

Schnittstellenkommunikation und Zusammenhalt gestärkt

"Informationen werden ohne Zeitverlust weitergegeben, etwaige Problemfelder frühzeitig erkannt, direkt vor Ort vom Team gelöst oder beispielsweise weiter an die Geschäftsführung adressiert", berichtet Solzbacher. Aus der 15-minütigen Stehung entstehe so ein wirksames Instrument zur ständigen Verbesserung von Effektivität, Produktivität, Qualität und Zusammenarbeit. Nicht nur die Schnittstellenkommunikation habe sich maßgeblich verbessert, auch der Teamzusammenhalt sei deutlich stärker: "Shopfloor Management fördert den Austausch auf Augenhöhe, die gegenseitige Wertschätzung und wirkt gezielt dem Silodenken entgegen", sagt Solzbacher.

Selve plant nach eigenen Angaben, das Format auf weitere Unternehmensbereiche auszuweiten.

Lean Production und Selve Total als Strategie

Das Shopfloor Management fügt sich in eine umfassendere Strategie ein. Seit 2012 bildet die schlanke Lean Production einen festen Bestandteil der Fertigung und sorge dem Unternehmen zufolge für kürzere Reaktionszeiten und größere Flexibilität. Darüber hinaus treibt Selve seit 2020 das Großprojekt Selve Total voran: Sämtliche Abteilungen und Abläufe, die im Zusammenhang mit dem Kunden stehen – von der Bestellung bis zur Auslieferung – seien einbezogen. Das Unternehmen verfolge einen ganzheitlichen Prozessansatz und setze durch stetig angepasste Abläufe und Workflows auf nachhaltige Verbesserungen.

Wesentliche Fortschritte habe Selve zuletzt in der Kunststoffspritzerei sowie der Montage erzielt. Allein in diesem Jahr habe das Unternehmen bereits 17 Teilprojekte abgeschlossen, weitere 25 befänden sich noch in der Pipeline. "Die Prioritäten liegen aktuell verstärkt auf Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen", berichtet Solzbacher. Bei Selve arbeite man auf allen Ebenen intensiv daran, der volatilen Wirtschaftslage, steigenden Material- und Energiekosten, Versorgungsengpässen sowie dem Wettbewerbsdruck zu begegnen.

Projekt #andersmachen rückt KI in den Fokus

Zusätzlich hat Selve im Sommer ein Projekt unter dem Motto #andersmachen gestartet. In Einzelworkshops analysieren verschiedene Unternehmensbereiche – neben der Motorfertigung auch Qualitätssicherung, Administration und Logistik –, welche Abläufe sich vereinfachen lassen und wo schnellere Prozesswege möglich sind. Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie mögliche Anwendungsfälle stehen dem Unternehmen zufolge auf der Agenda.