Blick in die Zukunft der Sonnenschutzbranche Worauf sich R+S-Betriebe einstellen sollten

Zukunftsforschung ist eigentlich Gegenwartsforschung. sicht+sonnenschutz hat bei dem Trendbeobachter Mathias Haas nachgefragt, worauf sich R+S-Fachbetriebe einstellen sollten, wenn es um die Themen Outdoor Living, SmartHome, Nachhaltigkeit und Kundenkontakt geht.

Das Arbeiten mit Datenbrillen dürfte in Zukunft an Bedeutung gewinnen – auch für Handwerksbetriebe. - © Mathias Haas – DER TRENDBEOBACHTER.

Über mangelnde Arbeit können sich R+S-Fachbetriebe derzeit nicht beschweren. Immer mehr Menschen wollen ihren Garten als verlängerten Wohnraum nutzen und brauchen dafür passende Sonnenschutzanlagen. "Die Menschen möchten draußen ein weiteres Zimmer haben, und das darf durchaus Geld kosten", bewertet der Stuttgarter Trendbeobachter und Zukunftsforscher Mathias Haas diese Entwicklung. Verschiedene Faktoren halten die Nachfrage nach Outdoor Living-Lösungen seiner Einschätzung nach auch in Zukunft lebendig. 

Mehrere Treiber: Outdoor Living bleibt im Trend

Mathias Haas ist Zukunftsforscher und Trendbeobachter. - © Mathias Haas – Der Trendbeobachter.

Ein Treiber für die Sonnenschutzbranche ist der Klimawandel, der Investitionen in Markisen, Terrassendächer oder Sonnensegel zwangsläufig erforderlich macht. "Um die Hitze auf der Terrasse auszuhalten, sind entsprechende Lösungen gefragt – der eine investiert mehr, der andere weniger", sagt Haas. Der sozusagen natürliche Bedarf an Sonnenschutzlösungen ist im Zusammenspiel mit zwei Punkten zu sehen, die den Outdoor-Trend befeuern und die Menschen mehr Zeit im Garten verbringen lassen. Das ist zum einen ein gewisses Naturdefizit, gerade bei Menschen in der Stadt. 

BU2: Arbeitnehmer verbringen immer mehr Zeit im Homeoffice. Dort möchten sie mitunter auch im Freien arbeiten – und investieren daher in Outdoor Living-Lösungen. - © Rymden – stock.adobe.com

Hinzu kommt der Megatrend New Work. Laut Haas werden Unternehmen – auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der sich durch Corona verstärkt habe – akzeptieren müssen, dass Arbeitnehmer mehr Zeit im Homeoffice verbringen. Dort möchten diese mitunter auch im Freien arbeiten. "Gerade diese Personen werden noch mehr in den Outdoor-Bereich investieren. Prioritäten werden verschoben – und das schafft Budget", sagt Haas. Wie er betont, wird der Trend, im Freien zu arbeiten, gar so weit gehen, dass Arbeitgeber, vorrangig aus dem hochpreisigen Segment, diese Möglichkeit auch an ihrem Firmensitz selbst schaffen. Für R+S-Betriebe bietet das zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten. 

SmartHome kommt massiv

Wie der Trendbeobachter erläutert, wird die Verbreitung von SmartHome-Lösungen künftig massiv zunehmen. "Es braucht zehn bis 15 Jahre, bis solche Produkte bezahlbar, optisch ansprechend und benutzerfreundlich werden", sagt Haas. Erst dann setze sich der Trend durch und die Nachfrage steige. Treiber sei die Bequemlichkeit der Nutzer. In Zukunft könnten zudem Versicherungen den Einsatz entsprechender Lösungen fordern, z.B. zur Einbruchprävention oder zum Schutz der Sonnenschutzanlagen (Windwächter, Regensensor).

Usability steht im Vordergrund

Die Verbreitung von SmartHome-Lösungen wird künftig massiv zunehmen. Um sich als Premiumanbieter zu positionieren, könnten Betriebe ihr Angebot mit neuartigen Produkten wie einer flugfähigen Indoor Cam zur Hausüberwachung abrunden. - © Ring

Um am SmartHome-Trend zu partizipieren, gelte es für Fachbetriebe, sich als Premiumanbieter und Innovationsträger in ihrer Region positionieren, sagt Haas. Dafür brauchten diese nicht nur kompetente Mitarbeiter, sondern auch Produkte, die durch ihre Usability und einfache Programmierung überzeugen. "Bei der Frage, welche Produkte ich dem Kunden anbiete, wäre das für mich als Fachbetrieb das Kriterium Nummer eins", sagt Haas. "Es muss einfach sein." Fachhändler würden in dieser Hinsicht vielfach auf die falschen Produkte setzen. Haas rät, das eigene Portfolio zu überprüfen: "Vielleicht muss ich mich von meinem Lieblingsanbieter trennen."

Klimafreundliches Bauen als Lifestyle

Was Fachbetriebe laut Haas ebenfalls in ihr Programm aufnehmen sollten, sind Produkte, die durch Upcycling entstanden sind, wie z.B. Markisenstoffe aus PET-Flaschen oder Gewebe aus Meeresplastik. "Nachhaltigkeit ist ein unheimlicher Treiber. Wer Premium verkaufen will, sollte solche Produkte, die der Kreislaufwirtschaft entspringen, heute im Programm haben", sagt Haas. Mitunter könne es für Fachbetriebe in diesem Kontext auch Sinn machen, sich als Manufaktur zu positionieren, die bestehende Bauelemente im Altbau wie z.B. Rollläden restauriert. Klimafreundliches Bauen und Wohnen ist dabei laut Haas ein Stück weit Ausdruck eines Lifestyles, der im zahlungskräftigen Kundensegment angesiedelt ist. 

Aber auch darüber hinaus gewinne Umweltschutz an Bedeutung in der Baubranche. "Die Kreislaufwirtschaft rollt langsam an. Nicht nur aus ökologischen, sondern immer mehr auch aus Kostengründen lohnt es sich, Baumaterial wiederzuverwenden", sagt Haas. Seiner Meinung nach ist es gut möglich, dass die Baubranche durch Maßnahmen des Gesetzgebers weiter unter Zugzwang geraten wird, Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren. Endkunden wiederum könnten durch staatliche Fördermaßnahmen stärker gelockt werden, in klimafreundliche und energieeinsparende Technologien, zu denen auch der Einsatz intelligent gesteuerter Sonnenschutzanlagen gehört, zu investieren. "Das ist ein möglicher Hebel", sagt Haas. 

Kundenorientiert handeln

Die Zeichen für die Sonnenschutzbranche stehen insgesamt also günstig. Aber: Jeder Boom hat ein Ende, dessen sollten sich R+S-Betriebe bewusst sein. Sie sollten daher ihr Verhalten gegenüber dem Endkunden prüfen, das schließt Transparenz in der Preisgestaltung und Servicekultur ein. Nur weil der Kunde froh sei, dass überhaupt ein Handwerker komme, bedeute das nicht, dass er auch zufrieden ist, sagt Haas. "Man weiß nicht, wie nachtragend der Kunde sein wird – auch wenn er heute bezahlt." Im schlimmsten Fall ruft er nie wieder an und empfiehlt einen auch nicht weiter. Vor diesem Hintergrund sollten Fachbetriebe überlegen, mit welchen Werten sie am Markt agieren wollen. 

Vertrauen gewinnen

Um dem Kunden das Gesamterlebnis Einkauf eines Sonnenschutzprodukts so angenehm wie möglich zu machen, können Fachbetriebe bereits heute verschiedene digitale Tools einsetzen. Mit der Navigationsapp Waze teilen Betriebe z.B. via WhatsApp Echtzeitinformationen zu ihrem Standort. So weiß der Kunde genau, wann die Monteure bei ihm eintreffen. "Das ist ein moderner Umgang mit dem Kunden und folgt dem Zeitgeist", sagt Haas. In diesem Sinne sei es auch empfehlenswert, dem Kunden Fotos des Baufortschritts zu schicken, sollte dieser selbst nicht zu Hause sein. "Man gewinnt so das Vertrauen des Kunden."

Erweiterte Realität nutzen

Die entsprechenden Tools und Apps sind kostenlos erhältlich, im Gegensatz zu VR(Virtual Reality)-, AR(Augmented Reality)- oder MR(Mixed Reality)-Brillen. Diese werden dem Trendbeobachter zufolge aber immer kostengünstiger sowie benutzerfreundlicher und allein schon daher in Zukunft eine größere Rolle spielen. "Wer als Betrieb mit der Zeit gehen will, sollte sich mit diesen Technologien auseinandersetzen", sagt Haas. R+S-Betriebe könnten damit z.B. dem Kunden während des Beratungsgesprächs vor Ort das Sonnenschutzprodukt und den Schatten erlebbar machen. "Das ist äquivalent zur Testfahrt im neuen Auto zu sehen", sagt Haas.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist insbesondere, aber nicht nur vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und fehlender ausreichend qualifizierter Mitarbeiter zu sehen. "Der Monteur auf der Baustelle kann seinen Chef sich über die Schulter schauen lassen, wenn er nicht weiterkommt", sagt Haas. Ferne Zukunftsmusik ist das alles nicht, die Möglichkeiten sind vorhanden und warten nur darauf, genutzt zu werden.