Clever haushalten Wie Handwerksbetriebe bares Geld sparen können

Die Zeiten sind herausfordernd: Ständig steigende Preise und Energiekosten machen allen zu schaffen. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Betriebe fragen sich, wie sie den Gürtel enger schnallen sollen. Klar ist: Die Kosten müssen runter. Ein Experte sagt, wie Handwerker Einsparmöglichkeiten entdecken.

Es lohnt sich, als Betrieb detektivisch vorzugehen und die eigenen Kostenfresser zu ermitteln. - © Pormezz/stock.adobe.com

"Was manchem nicht bewusst ist: Tatsächlich bilden die Materialkosten einen viel größeren Anteil an den Gesamtkosten als die Energiekosten", sagt Marius Stäcker, Gründer und CEO von Tooltime, dem digitalen Betriebssystem für Handwerksbetriebe. "Hier ist es sinnvoll, Preise zu vergleichen und womöglich den Lieferanten zu wechseln." Zudem helfe es, den Lagerbestand auszudünnen und z.B. auf weniger Arten von Materialien umzustellen. Niemandem nütze es, wenn ungenutzte Materialien wichtigen Lagerplatz blockieren, nur um irgendwann schlichtweg in den Müll zu wandern. Zudem sei, wenn von weniger Sorten mehr Stücke bestellt werden, die Chance groß, dass Rabatte in Anspruch genommen werden könnten.

Steuern: Investitionsabzugsbetrag geltend machen

Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe haben laut Stäcker die Möglichkeit, den Investitionsabzugsbetrag geltend zu machen. So könnten sie einen Teil der erwarteten Ausgaben der nächsten drei Jahre bereits im laufenden Wirtschaftsjahr abrechnen. Dies sei bei allen abnutzbaren beweglichen Gütern möglich, wie z.B. bei Möbeln, Maschinen und Fahrzeugen. Die Unternehmen dürften gemäß § 7g Abs. 1 EStG hier bis zu 50 Prozent ihrer Investitionskosten abziehen. Eine Senkung der Steuerbelastung sei mit dieser gewinnmindernden Berücksichtigung in den Betrieben tatsächlich sofort möglich – ohne unmittelbar Geld auszugeben. Die Steuerlast werde in Vermögen umgewandelt.

Investitionszulagen beantragen

Manche Betriebe von produktionsnahen Dienstleistungen können dem Experten zufolge eine Investitionszulage beantragen. "Nicht alle Bundesländer bieten diese Förderung an, es lohnt sich aber, das für das eigene Bundesland herauszufinden", sagt er. "Gefördert werden können Erstinvestitionen in die Anschaffung und Herstellung von neuen, abnutzbaren und beweglichen Gütern, sowie Erstinvestitionen in Gebäuden bei der Neuerrichtung oder Erweiterung einer Betriebsstätte." Der Antrag könne beim zuständigen Finanzamt gestellt werden.

Sich digital aufstellen mit einer Software

Eine große Erleichterung bietet laut dem CEO eine Softwarelösung für Handwerksbetriebe. Besonders, wenn sie cloud-basiert und benutzerfreundlich sei, also alle Informationen an einem Ort gesammelt würden. Hier könne vom Erstellen des Auftrags über die genauen Informationen dazu (inklusive Anfahrtsweg) für den Experten vor Ort bis hin zur elektronischen Kundenunterschrift, Rechnungsstellung und Arbeitszeiterfassung alles zusammengefasst erfolgen. "Die Daten werden in Echtzeit gespeichert, so sind sowohl Disposition als auch Baustelle immer auf dem aktuellen Stand", erklärt Stäcker. "Die Folge: bis zu 30 Prozent Zeitersparnis. Weniger Überstunden, weniger unnötige Telefonate und Fahrten."

Für Kostentransparenz sorgen und Sparziele festlegen

Die Kosten im Unternehmen beträfen alle. Warum also nicht auch alle mit ins Boot holen, um sie zu senken? Kostentransparenz helfe nicht nur dabei, wirtschaftlicher zu arbeiten – sie schaffe auch Vertrauen. "Wer gemeinsam die verschiedenen Kostenstellen durchgeht und feststellt, was die größten Kostenverursacher sind, kann wiederum auch gemeinsam beratschlagen, wie man diese Kosten angeht", erklärt er. "Wenn geklärt ist, was konkret realistische Einsparungsmöglichkeiten wären, können realistische Sparziele vereinbart werden." Und es könne in festgelegten Zeitabständen immer wieder überprüft werden, ob diese Ziele erreicht wurden. Gegebenenfalls könnten sie auch nochmal angepasst werden.

Fazit: Auch kleine Einsparmöglichkeiten machen auf Dauer viel aus

Einsparungen sind kein Thema, mit dem man sich gern beschäftigt. "Wenn es aber nötig wird, lohnt es sich, als Betrieb detektivisch vorzugehen und die eigenen Kostenfresser zu ermitteln", so Stäcker. "Das muss eben nicht heißen, dass mit dem Rotstift an die großen Posten gegangen wird." Auch kleine Einsparmöglichkeiten wie Lieferantenwechsel, Steuervorteile oder die Anschaffung einer praktischen Software könnten in der Summe und auf lange Sicht viel ausmachen.