Die Raffstores an der Pfosten-Riegel-Fassade eines neu gebauten Autohauses machten Probleme. Bereits nach kurzer Zeit waren zwei Anlagen so beschädigt, dass sie ausgebaut werden mussten. Ein Sachverständiger sollte die Ursache für die Schäden klären.

Der repräsentative Neubau eines Autohauses lässt durch seine Pfosten-Riegel-Fassade viel Tageslicht in den Ausstellungsraum. Für den notwendigen Sonnenschutz sorgen Außenraffstores. Bereits nach kurzer Zeit traten jedoch Schäden an den Anlagen auf. Der Bauherr mutmaßte, dass das Problem an der Aluminium-Verkleidung liegt, mit der die Fassade versehen ist. Diese sei nicht passgenau ausgeführt, rage in den Laufweg der Raffstores und beschädige so die Anlagen.
Das für die Verkleidung zuständige Unternehmen wies die Schuld von sich. Die Verantwortlichen waren sich sicher, bei Planung und Ausführung keine Fehler begangen zu haben – und beauftragten einen Sachverständigen, die Ursache für die Schäden zu ermitteln.
Ungleiches Spiel und ausgebaute Lamellen
Beim Ortstermin stellte der Sachverständige mehrere Auffälligkeiten an den eingebauten Raffstores fest. So wiesen die Lamellen unterschiedliche Abstände zu den seitlichen Führungsschienen auf: Auf der linken Seite lagen die Lamellen direkt an den Schienen an, während der Abstand auf der rechten Seite zehn Millimeter betrug.
Davon abgesehen, waren ab einer Höhe von 2.250 Millimeter die Lamellen nach oben hin aus den bis zu 5.790 Millimeter hohen Raffstores ausgebaut und die Aufzugsbänder in diesem Bereich abwechselnd durch die Leiterbänder gefädelt. Wenn die Raffstores fuhren, rieben die Bänder aneinander. So entstanden Knickfalten und Beschädigungen an den Aufzugsbändern, was wiederum dazu führte, dass sich die Bänder ungleich auf die im Kopfprofil befindlichen Rollen aufwickelten. Ein Schräglauf der Anlagen war die Folge.
Unkontrollierte Lüftungsfenster
Ebenfalls in den Fokus des Sachverständigen gerieten die in der Pfosten-Riegel-Fassade integrierten Lüftungsfenster. Beim Herunterfahren blieben Raffstores an Fenstern hängen, die sich nicht vollständig geschlossen hatten. Mitunter bewegten sich auch Fenster nach außen, obwohl die Raffstores geschlossen waren. Alle drei Faktoren trugen dem Sachverständigen zufolge dazu bei, dass es zu Schäden und Zerstörungen an den Raffstores kam – zwei Anlagen waren aufgrund ihres Zustands bereits ausgebaut worden.
Die montierte Aluminium-Verkleidung erwies sich hingegen als nicht relevant für den Schadensfall. Sie ragt nicht in den Laufweg der Raffstores: Der Abstand zwischen der Mitte der seitlichen Führungsschienen und der Fassade beträgt 55 Millimeter. Zwischen den 80 Millimeter breiten Lamellen und der Fassade besteht noch ein Abstand von 15 Millimeter. Bei keiner Fahrt blieben die Lamellen an der Fassade hängen. Auch ließen sich keine Abriebspuren an den Lamellen feststellen.
Zusammenfassung: Wie kam es zu den Schäden an den Raffstores?
Der Sachverständige kommt in seinem Gutachten zum Schluss, dass die Raffstores Mängel aufweisen aufgrund der fehlenden oberen Lamellen, des unterschiedlichen Abstands zwischen den Führungsschienen und der unkontrollierten Fensterbewegungen. Die Aluminium-Verkleidung verursacht hingegen keine Schäden an den Anlagen – das hat das ausführende Fachunternehmen nun schwarz auf weiß.
Einschätzung des Sachverständigen
Marc Hochmuth ist ö.b.u.v. Sachverständiger der HWK Mannheim für das Rollladen- und Jalousiebauerhandwerk.
Neben den technischen Problemen der montierten Raffstores verdeutlicht dieser Fall, wie wichtig ein – mit Blick auf die Steuerung – abgestimmtes Gesamtsystem ist.
Die Lüftungsfenster und der Sonnenschutz müssen sich koordiniert öffnen und schließen, so dass Beschädigungen der Anlagen ausgeschlossen sind. Hierzu muss die Steuerung entsprechend programmiert werden.
