Staatsanwaltschaft ermittelt Verdacht auf Datendiebstahl bei Weinor

Der Verdacht auf die Verletzung von Geschäftsgeheimnissen bei Weinor beschäftigt die Staatsanwaltschaft Köln. Öffentlich wurde der Fall zunächst durch eine Mitteilung des Kölner Sonnenschutzherstellers – inzwischen hat auch Wettbewerber Schenker Storen dazu Stellung genommen.

Tim Füldner, Geschäftsführer von Weinor.
"Wir sind betroffen, mit welchem Aufwand unsere hohen und umfassenden Schutzmechanismen bewusst umgangen wurden", kommentiert Tim Füldner, Geschäftsführer von Weinor. - © Weinor

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen fünf ehemalige Mitarbeiter von Weinor wegen des Verdachts der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamen Mitteilung öffentlich machten, durchsuchten Ermittler Ende Juli fünf Wohnungen in Köln, Kerpen und Mönchengladbach sowie eine Geschäftsanschrift in Köln und stellten Datenträger, Laptops, Mobiltelefone und Unterlagen sicher. Den Beschuldigten im Alter von 36, 45, 56, 56 und 59 Jahren wird vorgeworfen, Anfang 2025 betriebsinterne Unterlagen insbesondere zu Produktentwicklungen mittels technischer Ausrüstung kopiert zu haben.

Mitarbeiter gezielt abgeworben

Weinor selbst veröffentlichte eine eigene Pressemitteilung zu den Ermittlungen und machte so publik, an welcher Kölner Geschäftsadresse die Hausdurchsuchung stattfand: nämlich bei einem – in direkter Nähe zu Weinor neu gegründeten – Unternehmen aus dem Firmennetz der Schweizer Schenker Storen AG, eines direkten Wettbewerbers der Weinor-Muttergesellschaft Griesser Group. Doch warum kam es ausgerechnet dort zu einer Durchsuchung?

Laut Weinor muss man dazu wissen, dass es ausgehend von Schenker Storen eine "lang vorbereitete und gezielte Abwerbung" mehrerer Personen aus der Weinor-Entwicklungsabteilung gegeben habe. Damit sei das Ziel verfolgt worden, unweit von Weinor ein Wettbewerbsunternehmen zu errichten, um so den Kölner Hersteller „gezielt anzugreifen“. Und in diesem Zusammenhang seien von einigen der abgeworbenen Mitarbeiter, die nach derzeitigem Kenntnisstand aus eigenem Antrieb gehandelt haben sollen, Daten im Umfang von mehr als 1,3 Millionen Dateien und in der Größe von mehr als einem Terabyte kopiert worden. „Wir sind betroffen, mit welchem Aufwand unsere hohen und umfassenden Schutzmechanismen bewusst umgangen wurden“, sagt Weinor-Geschäftsführer Tim Füldner.

So reagiert Schenker Storen

Schenker Storen hat nach eigenen Angaben Kenntnis davon, dass drei der sieben Mitarbeiter, die bei Weinor beschäftigt waren und jetzt für Schenker arbeiten, tatsächlich Daten heruntergeladen hatten. Gemacht hätten sie dies "aus unterschiedlichen, aber erklärbaren Gründen und teilweise aus betrieblicher Veranlassung. Auf jeden Fall aber nie mit der Absicht, diese bei Schenker zu verwenden", sagt Doris Winnewisser, Head of Group Marketing Communications and Product Management, auf Anfrage von sicht & sonnenschutz. Von diesen Mitarbeitern existieren nach ihren Angaben eidesstattliche Erklärungen, dass sie diese Daten bereits wieder gelöscht hatten, bevor sie ihre Stelle bei Schenker antraten. Bei einer Untersuchung durch einen unabhängigen Dienstleister seien keine Daten des Mitbewerbers auf dem Unternehmensserver gefunden worden.

Und wie stellt sich Schenker zu dem Vorwurf, die Weinor Mitarbeiter wettbewerbswidrig abgeworben zu haben? "Richtig ist, dass Schenker Storen mehrere Mitarbeiter des Kölner Mitbewerbers übernommen hat, die um ihren Arbeitsplatz bangen mussten", sagt Winnewisser. Drei Mitarbeiter hatten demnach bereits eine Auflösungsvereinbarung mit Weinor unterschrieben, weil das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen Angestellte habe "loswerden" wollen. Zwei weitere Mitarbeiter wollten den bisherigen Arbeitgeber aus eigenen Stücken verlassen. Zudem hätte der ehemalige Entwicklungsleiter den Auftrag der Geschäftsleitung gehabt, Mitarbeiter zu motivieren, das Unternehmen zu verlassen. Unterlagen würden diese Darstellung belegen, sagt Winnewisser.

Weinor wiederum argumentiert, dass der zeitliche Ablauf der Ereignisse den Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs stütze, und beruft sich ebenfalls auf vorliegende Unterlagen. Neben einer IT-forensischen Auswertunug soll das Unternehmen über zahlreiche weitere Belege verfügen, die alle erhobenen Vorwürfe gerichtsfest beweisen sollen. "Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache", heißt es von einer Quelle im Unternehmen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.