Nach der coronabedingten Pause fand dieses Jahr wieder ein Somfy-Expertentag statt. Rund 400 Fachpartner kamen in Berlin zusammen, um sich über die strategische Ausrichtung des Unternehmens, aktuelle Branchentrends und das Potenzial vernetzter Wohn- und Gebäudeautomationslösungen zu informieren.
In seiner Eröffnungsrede warf Francesco Franchini, Leiter des Geschäftsbereichs Somfy Zentraleuropa und Geschäftsführer Somfy Deutschland, einen Blick auf die Entwicklung der Baubranche. „Die Lage ist angespannt“, so sein Resümee. „Top-Loser ist der Neubau mit Rückgängen von 8,5 Prozent im Jahr 2023.“ Und für 2024 prognostiziere das ifo-Institut ein weiteres Minus von zwölf Prozent bei den Fertigstellungen. Einen ähnlichen Trend weist seinen Angaben zufolge der Motorenmarkt in Europa auf: Dieser sei 2022 im Segment Outdoor um 22 Prozent und 2023 um weitere 24 Prozent eingebrochen. Erst 2025 werde mit einer Erholung gerechnet. „Somfy bildet da keine Ausnahme“, konstatierte er. „Nach dem Peak im Corona-Jahr 2020 ist der deutsche Markt deutlich geschrumpft. In der Sanierung sprechen wir in diesem Jahr von Rückgängen zwischen 15 und 25 Prozent.“ Laut Franchini ist die Unsicherheit groß. „Umso mehr kommt es darauf an, flexibel auf Krisen zu reagieren, Partnerschaften auszubauen und Kundennähe in den Fokus zu stellen“, betonte er.
Grundsätzlich bestehe in Deutschland ein hoher Bedarf an neuen Wohnungen und Sanierungen. Es gelte die damit verbundenen Chancen zu nutzen. Schlüsselfaktoren für eine höhere Wertschöpfung seien die weitere Steigerung der Funkrate und die Etablierung des Branchenstandards RS100. Das betreffe auch den Ausbau intelligenter Solarlösungen und smarter Vernetzungsmöglichkeiten rund um die Tahoma Suite. Hier seien die Somfy-Experten aktive Wegbereiter für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft.
Somfy habe die Lieferkettenkrise genutzt, um 75 Produktfamilien ein Redesign zu verpassen und die Liefertreue auszubauen. „Aktuell haben wir keine Auftragsrückstände mehr“, so Franchini. Zudem plane Somfy, im Jahr 2026 in Portugal eine neue Fabrik zu errichten, um die jährlichen Kapazitäten um fünf Millionen Motoren erhöhen zu können.
Neue Ära erfordert Umdenken
„Wir stehen vor einer Zeitenwende“, betonten Oliver Rilling, Leiter Channel Management, Partnerschaften und strategische Initiativen, sowie Eva Krepstekies, Leiterin Business Unit B2B2C und Objektgeschäft, in ihrem Impulsvortrag. Der Klimawandel, der demografische Wandel und die Digitalisierung erforderten neue Strategien. Weitere Trends in den kommenden zehn Jahren seien u.a. Robotik, 3D-Druck, Künstliche Intelligenz (KI) und Gesundheit. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel bieten ihren Angaben zufolge moderne Antriebs- und Steuerungslösungen einen Mehrwert, da sie sich mit weniger Personal in Betrieb nehmen bzw. austauschen lassen.
Auf politischer Ebene müssten positive Effekte smarter Fenster- und Verschattungssysteme für die Energiebilanz von Gebäuden stärker hervorgehoben werden: „Dynamisch gesteuerter Sonnenschutz sorgt für eine natürliche Klimaregulierung der Wohnräume und ist gerade mit Blick auf die zunehmenden Hitzesommer ein wesentlicher Faktor“, so Krepstekies. Intelligent vernetzbare Lösungen ermöglichten den direkten Sprung von traditionellen zu zukunftsweisenden Geschäftsmodellen.
Laut dem Verband Bitkom nutzen bereits 3,8 Millionen Haushalte in Deutschland smarte Beschattungen. Und bis zum Jahr 2027 sollen die Marktumsätze um zehn Prozent pro Jahr steigen. „SmartHome kommt im Mainstream an“, waren sich Rilling und Krepstekies einig. Somfy unterstütze mit seinem innovativen Produktportfolio sowie digitalen Tools und Services dabei, diesen lukrativen Wachstumsmarkt zu erschließen.
Wachstumsmarkt SmartHome
2010 wurde auf dem Somfy-Expertentag in Leipzig die erste SmartHome-Zentrale Tahoma Connect vorgestellt. Mit der Tahoma Suite hat der Antriebsspezialist mittlerweile die dritte Generation für Fachpartner und Privatkunden auf den Weg gebracht. Der Dreiklang aus SmartHome-Zentrale Tahoma Switch, Bedien-App Tahoma 3.0 und digitalem Fernwartungstool Serv-e-go erleichtert laut Peter Kirn, Vertriebsleiter Fachhandwerk bei Somfy, nicht nur den Verkauf smarter Produkte, sondern auch deren Inbetriebnahme und Wartung. Den einfachen Einstieg ins vernetzte Wohnen ermögliche die SmartHome-ready-Produktfamilie RS100 für funkmotorisierte Rollläden. Das kann Andreas Neumann, Inhaber von Rolladen Freber aus Mainz, bestätigen: „Der RS100 io ist sehr leise. Er wird bei uns mittlerweile als Standard verbaut.“
Aktuell hat Somfy die Serie um die Variante RS100 Solar io ergänzt. Laut Firmenchef Neumann ist die Nachfrage bei Solar derzeit noch verhalten. „Im Zuge von Megatrends wie erneuerbaren Energien und Senkung der Energiekosten sehen wir aber einen großen Markt für stromautarke Lösungen“, bekräftigte er. Und Eva Krepstekies ergänzte: „Damit erschließen sich Fachbetriebe den unkomplizierten Zugang zu einem nachhaltigen und schnell wachsenden Marktsegment.“ So werde im DACH-Raum mit einem Plus von 30 bis 40 Prozent pro Jahr bei Solarantrieben gerechnet. Und in Frankreich sei die Technologie bei Vorbaukästen bereits auf dem Weg zum Standard.
R+T 2024: Was gibt es Neues?
Mit einem Ausblick auf die R+T 2024 weckte Marketingleiter Joachim Wallenstein das Interesse an der bevorstehenden Weltleitmesse. „Die Themen thermischer Komfort und Energieeffizienz stehen bei Somfy im Mittelpunkt“, sagte er. „Funkmotorisierte und automatisierte Sonnenschutzlösungen haben enormes Potenzial und können laut aktuellen Studien bis zu 30 Prozent Energiekosten einsparen.“
Zu den Neuheiten gehört z.B. Amy, ein Funkwandsender, der dabei hilft, das Zuhause auf Wohlfühltemperatur zu halten. Das gelingt mithilfe einer eingebauten Intelligenz, die dafür sorgt, eine sommerliche Überhitzung zu vermeiden. Der Sender lässt sich mit Tahoma Switch verbinden. „Amy sendet Temperaturdaten an die SmartHome-Zentrale, um optimale Klimaszenarien zu starten“, so Wallenstein. Weitere Highlights von Somfy seien eine neue Antriebsgeneration für Raffstores, eine Verbindung aus Tahoma Pro und Zigbee für Indoor sowie neue Licht- und Steuerungslösungen für den außen liegenden Sonnenschutz.
Gebäude brauchen Sonnenschutz
Um intelligenten Sonnenschutz drehte sich auch der Impulsvortrag von Thomas Drinkuth, dem Leiter der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG). Dieser sei unverzichtbar, um den Anforderungen des Klimawandels gerecht zu werden. Andernfalls würden Gebäude in den Sommermonaten künftig schlechter nutzbar sein oder aber die Kosten für Klimaanlagen liefen aus dem Ruder.
Um seine Aussagen zu untermauern, präsentierte er die Ergebnisse einer Studie, die das Ingenieurbüro Hauser (IBH) im Auftrag der RTG erstellt hat. Sein Fazit: „Die Normberechnungen basieren auf veralteten Klimadaten von 1988 bis 2007. Hier müssen dringend neuere Prognosedaten her.“ Es gebe viele Lösungen, die quasi keine Energie verbrauchen, z.B. Sonnenschutzglas oder innen und außen liegender Sonnenschutz. Klimaanlagen sollten Sonnenschutz ergänzen, aber niemals ersetzen. „Mittelfristig darf Sonnenschutz kein reines Komfortthema sein“, forderte Drinkuth. Im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sollten Überlegungen angestellt werden, eine Anforderungsgröße für durch Sonnenschutz eingesparte Kühlungsenergie zu definieren.
Überraschungsgast Béla Réthy
Neben dem informativen Teil lebt ein Somfy-Expertentag auch vom geselligen Austausch und der Unterhaltung. Als Überraschungsgast entführte Béla Réthy die Anwesenden mit abwechslungsreichen Anekdoten aus 40 Jahren Sportkommentatoren-Tätigkeit in die bewegte Welt des Profi-Fußballs.