Schritt für Schritt für den Notfall vorsorgen So warten Sie Brandschutz-Anlagen fachgerecht

Unabdingbar – und zudem gesetzlich vorgeschrieben – ist die regelmäßige und professionelle Wartung der gesamten Rauch- und Wärmeabzugsanlagen. sicht+sonnenschutz zeigt an einem Beispiel, wie Fachleute dabei Schritt für Schritt vorgehen.

Der Fachmann prüft jede einzelne Systemkomponente. - © Essmann

Lichtkuppeln und Lichtbänder spenden Tageslicht und sind häufig mit natürlich wirkenden Rauch- und Wärmeabzuganlagen (RWA) ausgestattet. Diese tragen bei einem Feuer erheblich zum Brandschutz bei. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sind aber oftmals nicht das Feuer und die hohen Temperaturen bei einer Katastrophe ausschlaggebend, es ist vielmehr der dabei entstehende giftige Brandrauch. „RWA werden bei beginnender Rauch- und Wärmeentwicklung automatisch durch einen pneumatisch oder elektrisch angetriebenen Öffnungsmechanismus geöffnet“, sagt Andreas Meineke, Geschäftsführer von MSG und Leiter des Essmann-Service-Centers im nordrhein-westfälischen Detmold, das regelmäßig speziell geschulte Fachleute zu Wartungsarbeiten an solchen Anlagen aussendet.

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Im Brandfall sollten natürliche und maschinelle RWA die heißen und giftigen Rauch- und Brandgase aus dem Gebäude ableiten. „Sie unterstützen die Selbst- und Fremdrettung von Personen und Löschmaßnahmen der Feuerwehr.“ Die thermische Lüftung folgt physikalischen Regeln. Warme Luft steigt nach oben, verbrauchte Luft bewegt sich durch steuerbare Lüfter im Dachbereich nach außen. Zuluftöffnungen erhöhen dabei die Wirksamkeit des Luftwechsels. Exakte Hinweise zu Prüf- und Wartungsmaßnahmen finden sich in der DIN 1832, Teil 2, der VDS-Richtlinie 4020, in Paragraf 13 der Verdingungsordnung für Bauleistungen, Teil B, der VDI 3564 und der Geschäftshausverordnung (GhVo). Zu einem schlüssigen RWA-Wartungskonzept, wie es Essmann laut Meineke bundesweit praktiziert, gehört außerdem die Begutachtung des Dachs.

Wartung Schritt für Schritt

Schritt 1: An der Dachanlage ist zu überprüfen, ob Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind. Die gesamte Anlage sollte diesbezüglich in Augenschein genommen werden, gerade im Hinblick auf etwaige, zwischenzeitlich erfolgte Modifikationen.

Schritt 2: Jede einzelne Systemkomponente, wie zum Beispiel die Oberlichter samt Beschlägen, sichtet der Fachmann und überprüft sie auf Beschädigungen oder Funktionsbeeinträchtigungen.

Schritt 3: Zusätzlich kontrollieren Profis die Notauslösekästen und die Steuerungszentrale. Mithilfe von Kohlenstoffdioxid simulieren sie außerdem den Ernstfall und lösen die gesamte Anlage einmal aus. Damit sich die obere Lichtkuppel, wie im Ernstfall nötig, öffnet, ist laut Experte Andreas Meineke ein Druck von 35 bis 40 Bar notwendig. Dazu dient in den heute gängigen RWA Kohlenstoffdioxid als autarke Energiequelle.

Schritt 4: Zur Wartung zählen der Tausch von beschädigten oder verbrauchten Teilen und der Ersatz durch Originalteile. Auch die Belüftungs- und Belichtungsfunktion sollte der Fachbetrieb checken.

Schritt 5: Danach kontrollieren Profis eingebaute Personen-Absturz-Sicherungen (PAS) am Aufsetzkranz oder am Lichtband.

Schritt 6: Zum Schluss dokumentieren Wartungsfachleute alle Ergebnisse und Maßnahmen in einem Prüfbuch für den Betreiber.

Schritt 7: Ein Siegel, ähnlich der TÜV-Plakette an Fahrzeugen, zeigt dem Betreiber der Anlage genau an, wann die nächste Wartung fällig ist.