Mehr Kapazitäten für die Sanierungswelle RTG-Studie: Fachkräftemangel frühzeitig begegnen

Deutschland braucht mehr Tempo bei der Gebäudesanierung. Nicht nur, um seine Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen – auch um Gebäude in Zukunft sicher und bezahlbar mit Energie zu versorgen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG).

Auch die Fachbetriebe für Sonnenschutz und Rollläden können laut der Studie Reserven mobilisieren und zusätzliche Projekte umsetzen. - © B+L Marktdaten für die RTG

Noch sind in den Branchen Fenster und Fassade, Sonnenschutz und Automation Kapazitätsreserven für mehr Sanierung vorhanden. Laut der RTG-Studie verfügen Fensterbauer – ein Schlüsselgewerk in der Sanierung – über Optimierungs- und Kapazitätsreserven, die den Einbau zusätzlicher 617.000 Fenstereinheiten pro Jahr möglich machen. Auch die Fachbetriebe für Sonnenschutz und Rollläden können Reserven mobilisieren und rund 240.000 Projekte zusätzlich umsetzen. Allerdings: Eine deutliche Steigerung der Sanierungsrate auf zwei Prozent, die für die Erreichung der Klimaziele notwendig ist, wäre nur mit einem Zuwachs an Fachkräften zu stemmen. "Das politische Ziel der Bundesregierung ist klar: Der Energieverbrauch im Gebäudesektor muss durch energetische Sanierung sinken", sagt Thomas Drinkuth, Leiter der RTG. "Unsere Branchen können das leisten – wenn die Bundesregierung zum einen verlässliche Rahmenbedingungen für die Sanierung und somit Planungssicherheit für die Unternehmen schafft und dabei hilft, für ausreichend Fachkräfte zu sorgen."

Neue Fachkräfte mobilisieren

Die RTG stellte die vom Marktforschungsinstitut B+L 2021 und 2022 erstellte Studie "Fachkräfte für die Sanierungswelle" im Oktober in Berlin vor. Neben der Erhebung aktueller Kapazitätsreserven werden darin der Bedarf an Fenstern, Sonnenschutzsystemen und smarter Steuerung bis 2030 prognostiziert und Aussagen getroffen, wie für die steigende Nachfrage ausreichend Fachkräfte zu mobilisieren sind. "Im Fensterbereich müssen bis 2030 mindestens 1.000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr eingestellt werden, damit die notwendige Sanierungsrate von zwei Prozent pro Jahr erreicht werden kann"; heißt es. In vergleichbarer Größenordnung seien zusätzliche Fachkräfte auch für Sonnenschutzprojekte notwendig, um die absehbare Nachfrage bedienen zu können. Thomas Drinkuth dazu: "Wir brauchen dringend eine Fachkräfteoffensive, die zum einen bei der Aus- und Weiterbildung ansetzt und zum anderen den Fokus auf Zuwanderung setzt: Ein praxisnahes Fachkräfteeinwanderungsgesetz und die Öffnung der Zeitarbeit für Fachkräfte aus Drittstaaten wären hier ein Ansatz."

Politik muss Rahmenbedingungen schaffen

Die RTG fordert entsprechend eine von Politik und Wirtschaft gemeinsam getragene Fachkräfteinitiative und Maßnahmen, um die Attraktivität des Bauhandwerks zu steigern. Zudem gelte es, die Betriebe zu stärken. Thomas Drinkuth: "Aus- und Fortbildungen sind im Handwerk ein echter Kostenfaktor. Um langfristig Personalkapazitäten aufzubauen, brauchen die Unternehmen die Sicherheit, dass der Sanierungsmarkt deutlich zulegen wird. Die Politik ist hier gefordert, kurzfristig durch eine Verbesserung der Förderung und mittelfristig durch ordnungsrechtliche Vorgaben die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen für eine Sanierungswelle zu schaffen." Die kürzlich vom Kabinett verabschiedete Fachkräftestrategie der Bundesregierung gehe an vielen Stellen in die richtige Richtung. "Die besondere Problematik in der Baubranche und ihre Bedeutung für zahlreiche politische Ziele wurden offenbar erkannt. Einige richtige Ansätze wurden benannt. Jetzt müssen schnell Taten folgen", so Drinkuth weiter.