Dynamischer Sonnenschutz an der Fassade Die mitdenkende Fassade: Intelligent gegen Sommerhitze

Dynamischer Sonnenschutz an der Fassade schützt Gebäude vor Überhitzung, ohne Tageslicht und Ausblick unnötig einzuschränken. Vernetzte Systeme verbinden Komfort, Energieeffizienz und Fassadengestaltung. Hersteller setzen dabei auf intelligente Steuerungen, schlanke Nachrüstlösungen und multifunktionale Bauteile.

Die im Stadtspital Triemli in Zürich installierten Lamellenstoren Lamisol 90 von Griesser sowie die integrierte KNX-Steuerung sorgen für Blendschutz, Überhitzungsschutz und eine hohe Tageslichtnutzung.
Die im Stadtspital Triemli in Zürich installierten Lamellenstoren Lamisol 90 von Griesser sowie die integrierte KNX-Steuerung sorgen für Blendschutz, Überhitzungsschutz und eine hohe Tageslichtnutzung. - © Griesser

Außen liegender Sonnenschutz an der Fassade entwickelt sich in der heutigen Zeit vom optionalen Ausstattungsdetail zum aktiven Baustein einer klimaresilienten Gebäudehülle. Seine zentrale Aufgabe bleibt zwar einfach: Die Sonnenenergie soll möglichst abgefangen werden, bevor sie durch die Verglasung in den Raum gelangt. Doch die Anforderungen an die Systeme wachsen. Sie sollen auf wechselnde Wetterbedingungen reagieren, Blendung mindern, Tageslicht nutzbar machen, die Aussicht nach draußen möglichst wenig beeinträchtigen und sich zugleich stimmig in die Architektur einfügen.

Damit verschiebt sich auch der Blick auf den Begriff „dynamisch“. Ein elektrisch betriebener Behang allein reicht dafür nicht aus. Dynamik entsteht erst, wenn Raffstoren, Rollläden, Screens, Markisen oder Schiebeläden abhängig von Sonnenstand, Fassadenausrichtung, Wetterdaten und Nutzung gesteuert werden.

Griesser: Sonnenschutz als Teil der ­Gebäudestrategie

Genau diese Sichtweise vertritt auch Griesser. Für das Unternehmen wird Sonnenschutz nicht dadurch intelligent, dass er elektrisch fährt oder per App bedient werden kann. "Entscheidend ist, dass er Teil der Gebäudestrategie wird", sagt Joël Steiger, Head of Corporate Communications & Public Affairs bei Griesser. Eine Anlage müsse Wetter, Tageslicht und Sonnenstand berücksichtigen und die Beschattung mit weiteren Gebäudefunktionen abstimmen. Im Sommer geht es darum, Wärmeeinträge frühzeitig zu begrenzen und so den Kühlbedarf zu reduzieren. In der Heizperiode kann es dagegen sinnvoll sein, solare Gewinne gezielt zuzulassen.

Besonders im Objektbau wird diese Aufgabe komplex. Nutzerkomfort, Energieeffizienz und der Schutz der Anlage – etwa bei Wind – können je nach Situation unterschiedliche Anforderungen erzeugen. "Gute Gebäudeautomation berücksichtigt diese Faktoren laufend und steuert den Sonnenschutz abhängig von Wetter, Nutzung und Fassadenausrichtung in die jeweils passende Position", betont Steiger. So werde aus dem einzelnen Fassadenprodukt ein aktiver Baustein des Energie- und Komfortmanagements.

Vom einfachen SmartHome zur komplex vernetzten Gebäudesteuerung

Griesser unterscheidet dabei klar zwischen SmartHome für den Wohnbau und Smart Building im Objektbau. Im Wohnbau stehe der einzelne Nutzer im Mittelpunkt. Die Lösung soll einfach zu bedienen sein, sich an persönliche Gewohnheiten anpassen und sich ohne unnötige Komplexität erweitern lassen. Gerade in bestehenden Wohngebäuden seien funkbasierte Systeme darum attraktiv. Die Automation unterstützt den Bewohner, er behält aber jederzeit die Möglichkeit, selbst einzugreifen.

Faltscherenläden mit individuell perforierten Aluminiumfüllungen von Griesser prägen die Fassade des Kornhauses Romanshorn am Bodensee. Die motorisiert gesteuerten Elemente regulieren Tageslicht sowie Blendung und setzen zugleich einen markanten architektonischen Akzent.
Faltscherenläden mit individuell perforierten Aluminiumfüllungen von Griesser prägen die Fassade des Kornhauses Romanshorn am Bodensee. Die motorisiert gesteuerten Elemente regulieren Tageslicht sowie Blendung und setzen zugleich einen markanten architektonischen Akzent. - © Griesser

Im Objektbau geht es dagegen um viele Fassadenabschnitte, unterschiedliche Nutzungszonen und eine Vielzahl an Komponenten. Der Sonnenschutz müsse dann mit Licht, Klima und anderen Gewerken zusammenspielen und in eine übergeordnete Gebäudeautomation eingebunden werden. Dazu kämen Anforderungen an Skalierbarkeit, Betriebssicherheit, projektbezogene Programmierung und langfristige Erweiterbarkeit. "Wir arbeiten hier etwa mit KNX als offenem Standard oder mit unserem gBUS-System, das wir speziell für die Sonnenschutzsteuerung entwickelt haben", erklärt Steiger.

Modernisieren statt vorschnell ersetzen

Was den Sanierungsbereich angeht, empfiehlt Griesser nicht nach dem Baujahr zu entscheiden, ob sich eine Modernisierung der Sonnenschutzanlagen lohnt. Wichtiger seien die Substanz und das Zielbild. Eine mechanisch intakte Sonnenschutzanlage müsse nicht automatisch ersetzt werden, nur weil Motor oder Steuerung nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen. "Eine Sanierung beginnt bei uns immer mit einer Bestandsaufnahme", sagt Steiger. "Wie ist der Zustand der Behänge und Führungen? Welche Motoren und Steuerungen sind vorhanden? Welche Komponenten sind weiterhin verfügbar oder kompatibel? Und vor allem: Welche Funktionen soll das Gebäude künftig erfüllen?"

Ist die mechanische Basis intakt, spreche vieles dafür, nur Motorisierung, Steuerung oder Sensorik zu erneuern. Das spart Ressourcen und Investitionen. Bei Smart-Building-Sanierungen prüft Griesser darum ausdrücklich auch die Kompatibilität bestehender Steuerungen und Motoren und erstellt darauf aufbauend Sanierungskonzepte. Erst wenn Anlagen wiederholt störanfällig sind, ihre Nutzungsdauer erreicht haben oder die künftigen Anforderungen nicht mehr erfüllen können, wird ein Komplettaustausch zur naheliegenden Lösung.

Zwischen Integration und architektonischem Akzent

Gestalterisch kann Sonnenschutz an der Fassade entweder klar sichtbar als Gestaltungselement fungieren oder aber so unauffällig wie möglich integriert werden ­– abhängig von der architektonischen Entscheidung. Beides hat laut Griesser seine Berechtigung. Fensterläden geben einer Fassade Rhythmus, Tiefe und Identität. "Das Spannende an beweglichem Sonnenschutz ist dabei, dass sich auch das Erscheinungsbild des Gebäudes über den Tagesverlauf verändert. Eine Fassade reagiert sichtbar auf Licht und Nutzung und ist nicht statisch", führt Steiger aus. Zugleich gibt es Architekturkonzepte, in denen Führung, Befestigung und Technik der Sonnenschutzsysteme möglichst nahtlos in die Gebäudehülle eingebunden werden.

Wichtiger als die Frage "sichtbar oder unsichtbar?" ist für den Leiter der Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, ob der Sonnenschutz von Anfang an im architektonischen Konzept mitgedacht war. Ein bewusst sichtbarer Fensterladen könne genauso präzise Architektur sein wie eine vollständig integrierte Fassadenmarkise. Problematisch werde es eher, wenn Sonnenschutz erst am Ende der Planung als technischer Zusatz an eine bereits fertig gedachte Fassade angehängt wird.

Schiebeläden mit integrierter Photovoltaik

Mit dem Entwicklungsprojekt Power Slide blickt das Unternehmen zudem auf eine mögliche nächste Entwicklungsstufe: Ein motorisierter Schiebeladen mit integrierten Photovoltaikmodulen soll Verschattung, Fassadengestaltung und Stromerzeugung verbinden. Gerade vertikale Photovoltaik ergänzt Dachanlagen gut, weil sie auch bei tief stehender Sonne, also in den ertragsschwächeren Monaten, relevante Erträge liefert und dafür keine zusätzliche Fläche beansprucht. "Die Fassade der Zukunft wird mehr leisten müssen als Wetterschutz und Gestaltung", sagt Steiger. Wenn ein Bauteil sommerliche Wärmeeinträge reduziere, Tageslicht beeinflusse und zugleich Energie produziere, werde Sonnenschutz zu einem aktiven Teil der energetischen Gebäudehülle.

Beim Erweiterungsbau des Amtsgerichts Freiburg sorgen Basis-Raffstoren vom Typ E 60 A2 S von Warema – vollautomatisch gesteuert – für blendfreies Tageslicht und wirksamen sommerlichen Wärmeschutz.
Beim Erweiterungsbau des Amtsgerichts Freiburg sorgen Basis-Raffstoren vom Typ E 60 A2 S von Warema – vollautomatisch gesteuert – für blendfreies Tageslicht und wirksamen sommerlichen Wärmeschutz. - © Warema/Roland Halbe

Warema: Automatisierung muss rechtzeitig reagieren

Warema definiert dynamischen Sonnenschutz über den Unterschied zwischen einem einfachen Antrieb und intelligenter Steuerung. "Ein Motor ersetzt lediglich die Handbedienung. Eine Steuerung macht den Sonnenschutz intelligent", erklärt Markus Schwab, Business Development Architekten bei Warema. Dynamisch werde ein System erst dann, wenn es auf wechselnde Umweltbedingungen selbstständig reagiere und seine Position sowie Lamellenstellung kontinuierlich anpasse. Sonnenschutz an der Fassade soll nicht nur Schatten erzeugen, sondern zur Energieeffizienz des Gebäudes und zum Wohlbefinden der Nutzer beitragen.

Schwab verweist hier auf intelligente Sonnenschutzsysteme wie Omnexo oder KNX-Lösungen, die Sonnenstand, Wetterlage und die Anforderungen im Gebäude berücksichtigen. Sie reduzieren Wärmeeinträge und direkte Blendung, ohne Tageslicht oder die Sicht nach draußen unnötig einzuschränken. Je nach System lassen sich zusätzlich auch Beleuchtung, Lüftung oder Klimatechnik mit dem Sonnenschutz automatisiert abstimmen.

Automatische Steuerung schützt, bevor sich Räume aufheizen

Für den sommerlichen Wärmeschutz ist vor allem eine automatische Steuerung entscheidend. Denn außen liegender Sonnenschutz kann seine Wirkung laut Warema nur zuverlässig entfalten, wenn er rechtzeitig geschlossen wird, bevor sich Räume aufheizen. Genau hier stoße die rein manuelle Bedienung an ihre Grenzen: Bewohner oder Beschäftigte sind nicht immer anwesend oder reagieren erst dann, wenn die Wärme bereits im Raum angekommen ist. "Für einen wirksamen sommerlichen Wärmeschutz braucht es deshalb mindestens eine automatische Steuerung", so Schwab. Diese reagiere frühzeitig auf veränderte Bedingungen – unabhängig von der Anwesenheit der Nutzer.

Die dafür notwendige Grundlage liefern Wetterstationen und Sensoren. Sie erfassen kontinuierlich Daten zu Helligkeit, Wind, Temperatur oder Niederschlag. Zusammen mit berechneten Sonnenstandsdaten ermöglichen sie eine vorausschauende statt nur einer reaktiven Steuerung. Windsensoren dienen zugleich dem Schutz der Anlage. Helligkeits- und Sonnenstandsinformationen helfen dabei, Wärmeeinträge, Blendung und Tageslichtnutzung aufeinander abzustimmen. "Dabei ist das Ziel nicht nur die Verschattung, sondern die bestmögliche Balance aller Funktionen", unterstreicht Schwab. Je komplexer ein Gebäude und seine Nutzunganforderungen, desto wichtiger werde diese abgestimmte Steuerung.

Eine in die Warema-Steuerung integrierte Jahresverschattung berücksichtigt bei diesem Gebäude den Sonnenstand im Jahresverlauf und berechnet auf dieser Basis, welche Fensterflächen zu welcher Tages- und Jahreszeit von der umliegenden Bebauung verschattet werden.
Eine in die Warema-Steuerung integrierte Jahresverschattung berücksichtigt bei diesem Gebäude den Sonnenstand im Jahresverlauf und berechnet auf dieser Basis, welche Fensterflächen zu welcher Tages- und Jahreszeit von der umliegenden Bebauung verschattet werden. - © Warema/Schnepp Renou

Frühe Planung erleichtert harmonische Integration

Wie Griesser plädiert auch Warema im Planungsprozess für eine frühe architektonische Einbindung. Eine gute Fassadenplanung betrachte Sonnenschutz nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als integralen Bestandteil der Architektur. "Je früher der Sonnenschutz eingeplant wird, desto besser lassen sich Funktion und Gestaltung miteinander verbinden. Sonnenschutz sollte kein Kompromiss für die Fassadengestaltung sein", sagt Schwab.

Ob eine Lösung möglichst unsichtbar bleiben oder bewusst sichtbar auftreten soll, hängt aus Sicht von Warema vom Architekturkonzept ab. "Unsichtbar, wenn die Architektur wirken soll. Sichtbar, wenn der Sonnenschutz Teil der Architektur sein darf", fasst Schwab zusammen. Bei klarer, reduzierter Architektur stehe häufig die möglichst unauffällige Integration im Vordergrund. Erreichen lasse sich dies durch in die Fassade eingebundene Systeme und farblich abgestimmte Komponenten. Wo Beschattung hingegen bewusst sichtbar sein soll, können Lamellen oder textile Behänge Struktur, Tiefe und Dynamik schaffen.

Für Sanierungen und Nachrüstungen verweist Warema auf funkgesteuerte Systeme. Sie benötigen keine zusätzlichen Steuerleitungen; eine 230-Volt-Stromversorgung genügt, um den Sonnenschutz in ein SmartHome einzubinden. Damit lassen sich Komfort und sommerlicher Wärmeschutz verbessern, ohne umfangreich in Fassade oder Elektroinstallation einzugreifen.

Renson: Automatik auch ohne komplexe Gebäudeleittechnik

Aus Sicht von Renson muss sich eine dynamische Beschattung an der Fassade flexibel an die Bedürfnisse der Bewohner und an die verschiedenen Jahreszeiten anpassen können. Senkrechtmarkisen etwa können im Sommer herunterfahren, sobald die Sonne direkt auf die Fenster zu scheinen droht, und im Winter wieder hochgezogen werden, um solare Wärme zu nutzen. Darüber hinaus lassen sie sich zur Reduzierung von Bildschirmreflexionen oder für mehr Privatsphäre einsetzen.

Bei diesem Wohnhaus nutzt der Fixscreen Minimal von Renson den begrenzten Bauraum und fügt sich harmonisch in die Gebäude­öffnung an den großzügig bemessenen Fensterelementen ein.
Bei diesem Wohnhaus nutzt der Fixscreen Minimal von Renson den begrenzten Bauraum und fügt sich harmonisch in die Gebäude­öffnung an den großzügig bemessenen Fensterelementen ein. - © Renson

"Ganz einfach wird es, wenn Nutzer ihre Senkrechtmarkisen automatisch steuern lassen", betont Roel Berlaen, Press & Communication Officer bei Renson. Für eine einfache Automatisierung kann nach seiner Einschätzung bereits ein Sonnensensor genügen. Damit lassen sich Markisen automatisch herunterfahren, sobald die Sonne auf die Fenster scheint. Weitergehende Möglichkeiten entstehen durch die Einbindung in ein Gebäudemanagementsystem oder durch intelligente Steuerungen wie Renson Solmate. Über eine App können Bewohner die Anlagen so auch aus der Ferne bedienen, falls sie das Schließen an einem sonnigen Tag vergessen haben.

Mit der Steuerung Solmate positioniert Renson eine Lösung für automatisierte Screens, die laut Unternehmen ohne zusätzliche Sensoren oder ein separates Gebäudeautomationssystem auskommen soll. Präferenzen der Bewohner und Cloud-Daten werden dabei über die Renson-Connect-App und Somfy TaHoma zusammengeführt. Damit adressiert das Unternehmen vor allem einen Wunsch, der bei Sanierungen häufig entscheidend ist: Automatisierung soll nicht zwangsläufig ein komplexes Technikprojekt werden.

Dezente Screens oder bewusste Akzente

Was den Gestaltungsaspekt angeht, verweist Renson auf den persönlichen Geschmack des jeweiligen Bauherrn. "Screens lassen sich heutzutage fast unsichtbar in die Fassade integrieren, insbesondere mit einem eingebauten Tuchkasten und Seitenführungen, die in derselben Farbe wie die Fenster und Türen ausgeführt sind", erklärt Berlaen. Voraussetzung sei allerdings, dass dies bei Neubauten oder umfassenden Umbauten bereits frühzeitig in der Planung berücksichtigt wird. Aber auch für die nachträgliche Montage seien Screens heutzutage so schlank und elegant, dass sie sich auch an bestehenden Fenstern unauffällig anbringen lassen, ohne dass der Tuchkasten oder die Seitenführungen vor die Scheibe ragen.

Wer hingegen einen bewussten Akzent an der Fassade setzen will, sollte sich für eine Markise, Lamellen oder Schiebepaneele entscheiden. Lamellen verhindern beispielsweise, dass die hochstehende Sonne an warmen Tagen direkt auf die Fenster scheint, lassen aber auch im Winter und in den Übergangszeiten die kostenlose Sonnenwärme herein. "Diese Art von Außenbeschattung sehen wir oft als bewussten architektonischen Akzent in einer Fassade, während Screens häufiger gewählt werden, wenn die Beschattung möglichst dezent integriert werden soll", schildert Berlaen.

Als wesentlichstes Kundenargument für Sonnenschutz an der Fassade sieht Renson jedoch weiterhin die Wirkung gegen Überhitzung. "Die Wärme, die man nicht hereinlässt, muss man auch nicht kühlen. Daher ist es absolut unerlässlich, zu verhindern, dass die Sonne direkt auf große Glasflächen scheinen kann", fasst Berlaen zusammen. Gestaltung und Wertsteigerung spielen bei der Kaufentscheidung häufig eine nachgeordnete Rolle, seien aber dennoch wichtig, damit Sonnenschutz nicht allein funktional, sondern auch als ästhetischer Mehrwert wahrgenommen werde.

Senkrecht-Markisen von Hella stoppen die Hitze, bevor sie in den Raum eindringt. Dadurch wird der Wärmeeintrag über die Fenster deutlich reduziert und Wohnräume bleiben spürbar kühler.
Senkrecht-Markisen von Hella stoppen die Hitze, bevor sie in den Raum eindringt. Dadurch wird der Wärmeeintrag über die Fenster deutlich reduziert und Wohnräume bleiben spürbar kühler. - © Hella

Hella: Hitzeschutz als gesundheitliche und soziale Aufgabe

Auch Hella sieht Hitzeschutz als wichtigsten Faktor von außen liegendem Sonnenschutz an der Fassade und fordert deshalb verbindliche Standards für Neubau und Sanierung. Sommerlicher Wärmeschutz dürfe nicht länger nur als Komfortmerkmal betrachtet werden, sondern müsse bei Bauvorschriften, Förderprogrammen und Sanierungsstrategien einen ähnlichen Stellenwert erhalten wie Wärmeversorgung und Dämmung im Winter.

Hella verweist auf die Folgen aufgeheizter Innenräume für Gesundheit, Schlaf, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Betroffen seien nicht nur private Wohnungen, sondern ebenso Büros, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Besonders verletzlich sind ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke und Menschen mit geringem Einkommen, die in schlecht sanierten oder unzureichend beschatteten Gebäuden leben oder sich eine energieintensive Klimatisierung nicht leisten können.

Der außen liegende Sonnenschutz setze an der Ursache an, weil er die Sonnenenergie bereits vor der Scheibe stoppe. Rollläden, Raffstores, Jalousien und Markisen können damit helfen, den Kühlbedarf zu reduzieren. Hella beziffert den Investitionsanteil für außen liegenden Sonnenschutz je nach Immobilie auf durchschnittlich ein bis drei Prozent der gesamten Baukosten und betont zugleich die Nachrüstbarkeit vieler Systeme. Die Botschaft ist eindeutig: Hitzeschutz soll als grundlegende Infrastruktur für belastbare Gebäude verstanden werden – nicht als Zusatz für besonders komfortorientierte Bauherren.

Fazit: Früh planen, gezielt steuern, dauerhaft nutzen

Die Lösungen der Hersteller unterscheiden sich in Produktfokus und Steuerungsansatz, doch der gemeinsame Nenner ist deutlich: Außen liegender Sonnenschutz muss frühzeitig, bedarfsgerecht und als Teil der Fassade geplant werden. Im Neubau geht es um eine integrierte Architektur, klare Schnittstellen und die Verbindung von Tageslicht, Ausblick und Wärmeschutz. Im Bestand sind nachrüstbare, funk- oder solarbetriebene Systeme gefragt, die mit überschaubarem Aufwand wirksam werden.

Dynamik entsteht dabei durch das Zusammenspiel von Mechanik, Sensorik, Steuerung und Nutzung. Je besser Anlagen Sonnenstand, Wetter und Raumanforderungen berücksichtigen, desto eher können sie Überhitzung verhindern, ohne Räume pauschal abzudunkeln. Gleichzeitig eröffnet die bewegliche Fassade gestalterische Spielräume – von nahezu unsichtbar integrierten Screens bis zu prägenden Lamellen, Fensterläden oder Schiebepaneelen. Sonnenschutz wird damit nicht nur zum Schutz vor der Sonne, sondern zu einem aktiven Werkzeug für Architektur, Energieeffizienz und sommerlichen Komfort.

Alexander Schiller - © Heroal

Schwerpunkt Meinung

Wie intelligent/automatisiert muss Sonnenschutz an der Fassade heute wirklich sein? Kann es zu viel Technik an der Fassade geben?

Alexander Schiller, Produktmanager Sonnenschutzsysteme bei Heroal: "Intelligenz im Sonnenschutz sollte immer einem klaren Ziel dienen: mehr Komfort, weniger Energieverbrauch und einer besseren Gebäudeperformance. Moderne Automatisierung bietet dafür heute viele Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass die Funktionsweise verständlich bleibt und die Systeme im täglichen Betrieb zuverlässig arbeiten. Eine „Übertechnisierung“ kann die Komplexität und den Wartungsaufwand erhöhen, ohne einen entsprechenden Zusatznutzen zu liefern. Deshalb ist die richtige Balance zwischen Funktionalität und Einfachheit entscheidend."