Angetrieben von dem Bedarf, Auftragsrückstände schnellstmöglich abzuarbeiten, überstürzen viele Fachbetriebe den Einstellungsprozess. Ein Recruiting-Experte sagt, warum eine sorgfältige Überprüfung von Bewerbern langfristig die bessere Strategie ist.

Wenn ein Mitarbeiter nicht ins Unternehmen passt, verschärfen sich die Probleme nur und können sogar weitere Kündigungen nach sich ziehen."Die meisten Handwerksbetriebe konzentrieren sich bei Bewerbern nur auf deren Qualifikationen", sagt Julian Jehn, Recruitingexperte für Bau-, Handwerks- und Industrieunternehmen. "Vor einer Einstellung sollten jedoch auch Charaktermerkmale des Interessenten analysiert werden."
Viele verschiedene Arbeitgeber im Lebenslauf könnten z.B. ein Zeichen für geringe Loyalität gegenüber dem Unternehmen sein. Spricht ein Kandidat öfter von einer potenziellen Selbständigkeit, sei ebenso Vorsicht geboten. Schlimmstenfalls bleibe er nur für kurze Zeit und gehe dann seinen eigenen Weg. "Wichtig ist auch der erste Eindruck im Vorstellungsgespräch. Meist ist dieser ein Hinweis, ob der Bewerber ins Team passen könnte", ergänzt er.
Recruiting-Vorgänge automatisieren
Um die beanspruchten Kapazitäten zu schonen, sollten seinen Angaben zufolge Recruiting-Prozesse weitestgehend automatisiert werden. So könnten Programme in verschiedenen Situationen Standardschreiben automatisch an die Bewerber senden, etwa Absagen oder Einladungen zum Vorstellungsgespräch. Auch die Überprüfung ausgewählter Kriterien sei durch einen Algorithmus möglich. Dadurch könne der Betrieb sicherstellen, dass nur diejenigen Bewerber in die engere Auswahl gezogen werden, die den Qualitätsansprüchen genügen. Jehn: "Betriebe, die ihren Recruiting-Prozess automatisieren, können wieder mehr Kapazitäten für Kerntätigkeiten freisetzen."
Digitale Einarbeitung
Wurde ein neuer Mitarbeiter gefunden, ist es laut dem Experten wichtig, dessen Unternehmensbindung zu stärken. Dafür eigne sich eine mitarbeiterfreundliche Einarbeitung, die die neue Fachkraft mit allen Gepflogenheiten im Betrieb vertraut mache, sei es in Bezug auf Abläufe, Dokumente oder Gewohnheiten im Unternehmen. Das lasse sich gut mit einer digitalen Lernplattform realisieren, die dank Videos, Bildern und anderen Formaten durch die Einarbeitung führe. Je umfangreicher die Informationen auf der Plattform seien, desto selbständiger könne der neue Mitarbeiter auch agieren. "Wichtig ist, die Inhalte regelmäßig zu aktualisieren und aufkommende Fragen von neuen Mitarbeitern aufzugreifen", so Jehn weiter.