Am Fenster treffen verschiedene Gewerke aufeinander – mit entsprechendem Schadenspotenzial. Erstmals haben die Bereiche Fensterbau, Fassade und Sonnenschutztechnik gemeinsam an einer Lösung gearbeitet. Entstanden ist ein gewerkeübergreifendes Regelwerk, das der Bundesverband Sonnenschutztechnik (BVST) beim Fenster-Türen-Treff 2026 präsentiert.
Wo Wärmedämmverbundsysteme, Fensterbänke, Fenster und außen liegender Sonnenschutz zusammentreffen, entstanden bisher häufig Probleme: undichte Anschlüsse, Wärmebrücken und Feuchtigkeitsschäden. Der Grund dafür liegt nach Angaben des BVST in der fehlenden Abstimmung zwischen den beteiligten Gewerken. Jede Branche arbeitete nach eigenen Vorgaben – eine einheitliche Vorgehensweise fehlte.
Der neue Leitfaden "Dicht ums Fenster" soll diese Lücke schließen. Das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte Projekt vereint dem Verband zufolge erstmals alle betroffenen Branchen: Fensterbau, Fassade, Sonnenschutztechnik und weitere Gewerke. Unter der Federführung der Holzforschung Austria erarbeiteten Fachleute gemeinsam ein Regelwerk mit klaren Vorgaben für die Planung und Ausführung dichter, schadensfreier Anschlüsse.
Einheitliche Standards für neuralgische Schnittstellen
"Wo verschiedene Gewerke aufeinandertreffen, entstanden bisher oft Unstimmigkeiten und in der Folge Bauschäden. Der neue Leitfaden ist ein Fortschritt für die gesamte Branche", sagt Fuad Salic, Sprecher des BVST. "Das praxistaugliches Werk ist ab dem ersten Quartal 2026 gültig."
Die Schnittstellen rund um das Fenster gelten schon lange als neuralgischer Punkt im Bauwesen. Wenn Rollläden, Raffstoren oder Fassadenmarkisen auf Wärmedämmverbundsysteme und Fensterbänke treffen, ist höchste Präzision gefragt. Der Leitfaden soll nicht nur Planungssicherheit schaffen, sondern auch die Lebensdauer von Gebäuden verlängern und deren Energieeffizienz verbessern, wie Salic ausführt.
Premiere beim Fenster-Türen-Treff
Die offizielle Vorstellung des Leitfadens erfolgt am 5. und 6. März 2026 beim Fenster-Türen-Treff im Congress Salzburg. Die Veranstaltung feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Der BVST richtet sie als Kooperationspartner gemeinsam mit dem Verein Plattform Fenster Österreich und der Bundesinnung Tischler und Holzbauer aus.
Das Programm widmet sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Baubranche. Besonders relevant für die Thematik dichter Anschlüsse ist dem Verband zufolge der Vortrag "Rundum dicht? Wenn Wärmedämmverbundsystem, Fensterbank und Sonnenschutz zusammentreffen". Im Anschluss stellen die beteiligten Verbände den Leitfaden vor. Die Veranstaltung biete damit eine Plattform für den fachlichen Austausch und die Vernetzung aller Beteiligten.
Die Partnerschaft mit der Holzforschung Austria besteht seit dem Jahr 2023. "Die wissenschaftliche Begleitung durch die Holzforschung Austria ermöglicht es uns, den Wirkungsgrad moderner Sonnenschutzlösungen mit aktuellen Forschungsergebnissen zu belegen und kontinuierlich weiterzuentwickeln", betont Salic.
Know-how in die Praxis tragen
Nach dem Fenster-Türen-Treff sollen umfassende Schulungen das Know-how aus dem Leitfaden in die Praxis tragen. "Wir wollen sicherstellen, dass das Know-how aus dem Leitfaden flächendeckend bei allen Gewerken ankommt", erläutert Salic. Nur wenn alle Beteiligten nach denselben Standards arbeiteten, lasse sich die gewünschte Qualität erreichen.
Der BVST lenkt den Blick außerdem auf den Global Shading Day am 21. März 2026. Dieser weltweite Aktionstag rückt die Bedeutung von außen liegendem Sonnenschutz für Klimaschutz, Energieeffizienz und Wohnkomfort in den Mittelpunkt. "Dynamischer Sonnenschutz an Gebäuden ist ein wesentlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus hinweg", unterstreicht Salic.
