Aluminium, PVC und Holz Auf diese Stärken kommt es an

Ob aus Aluminium, PVC oder Holz – der Rollladen behauptet seine Position als klassisches Verschattungselement. sicht+sonnenschutz hat bei Herstellern nachgefragt, wie die Materialarten ihre Stärken ausspielen und welche Trends den Markt bestimmen.

Rollläden waren im Jahr 2019 das umsatzstärkste Bauprodukt im R+S-Handwerk. - © Warema

Rollläden sind seit mehr als 30 Jahren die meistverkaufte Verschlussart auf dem europäischen Markt. „Allein in Frankreich liegt der Marktanteil mit 4,7 Millionen abgesetzten Rollläden bei etwa 74 Prozent“, konstatiert Elle Steinbrecher, Head of Corporate Communications der Schweizer Griesser Gruppe. Nach Angaben des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz (BVRS) erwirtschaftete das Fachhandwerk in Deutschland im Jahr 2019 mit den Rollläden einen Umsatzanteil von 23,1 Prozent – gefolgt von den Markisen (19,9 Prozent) und Raffstores (15 Prozent). Damit eroberten sich die Rollläden nach einem Rückgang im Jahr 2018 auf 19,9 Prozent ihre Spitzenposition zurück und verdrängten die Markisen (2018: 21,8 Prozent) auf Platz zwei. Den multifunktionalen Eigenschaften wie perfekte Abdunkelung, optimaler Sicht- und Blendschutz sowie Hitze- und Kälteschutz ist es zu verdanken, dass sich das Bauprodukt zum Alleskönner entwickelt hat. So sorgt die zusätzliche Dämmebene vor dem Fenster für eine Reduzierung der Heizkosten im Winter und einen effektiven Wärmeschutz im Sommer.
Rollläden bieten den Herstellern zufolge ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, steigern die Privatsphäre und sind leicht zu motorisieren bzw. automatisieren. Zudem lassen sie sich optimal in bestehende Schächte und Nischen einsetzen und sind damit so wohl für den Neubau als auch für die Sanierung geeignet. Ein weiterer Vorteil: Die Systeme erfreuen sich vor allem im Wohnbereich großer Beliebtheit, finden aber auch in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern und Schulen Verwendung.Bei den Stäben haben die Panzerarten PVC und Aluminium die Nase vorn. Nach Einschätzung von Griesser verbucht PVC auf dem französischen Markt einen Anteil von 55 Prozent für sich, während die übrigen 45 Prozent auf Aluminium entfallen.

PANZER: PVC UND ALU MACHEN DAS RENNEN


„PVC kommt als weniger motorisierter Verkaufsbereich vor allem bei Anreihlösungen und im kollektiven Wohnungsbau zum Einsatz“, erklärt Steinbrecher. In Deutschland hielten sich laut einer Studie von Interconnection Consulting die Absatzmengen von PVC- und Alu-Rollläden im Jahr 2018 mit jeweils knapp 49 Prozent die Waage – mit prognostiziertem Wachstum um jeweils ca. zwei Prozent bis 2021.
Der Sonnenschutzspezialist Hella bestätigt, dass Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern nach wie vor eine hohe Nachfrage nach Rollladenpanzern aus PVC verbucht, wobei der Anteil an Aluminium in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. „Das hat u.a. mit der höheren Hitze beständigkeit im Sommer zu tun“, stellt Florian Faust, Produktmanagement Rollladen, fest. Zudem seien Alu-Rollläden windstabil, tragen dem Trend nach sehr großen Fensterflächen im Wohn- und Objektbau Rechnung und halten das Tageslicht dank dem ruhigen Lauf in Führungsschienen komfortabel ab. „Auch eine gesteigerte Einbruchhemmung bis Widerstandsklasse RC 3 bzw. RC 4 in Kombination mit Heroal Fenstersystemen ist möglich“, beschreibt Marcel Delius, Produktmanager für Rollladensysteme bei Heroal, den Mehrwert. Darüber hinaus lassen sie sich im Aufsatz- bzw. Dämmkasten oder als Nachrüstlösung im Vorbaukasten integrieren und bieten Gestaltungsmöglichkeiten bei Farbtonstabilität und Farbechtheit – auch bei langjähriger Nutzung.

Warema bekräftigt die Führungsrolle der Materialart Aluminium. „Die Panzer sind im Vergleich zu Kunststoff unempfindlich gegen Witterungseinflüsse, UV-beständig und langlebig“,
versichert Thomas Wiesmann, Geschäftsleitung Business Unit Window Systems. Kunststoffpanzer punkten vor allem beim Preis, da sie kostengünstiger sind als Alu-Rollläden. Deshalb stellen sie eine Alternative für preissensible Bauvorhaben dar. Eine weitere Anwendung von PVC-Rollläden ist der vermehrte Einsatz in Küstenregionen mit erhöhtem Salzgehalt in der Luft.

HOLZ – IN DER NISCHE ERFOLGREICH


Eine Nischenstellung nehmen dagegen Rollläden aus Holz ein. „Die Lösungen sind überwiegend für denkmalgeschützte Bauten und Renovierungen sowie bei ökologisch denkenden und umweltbewussten Bauherren und Architekten gefragt“, erklärt Franz Bätker, Inhaber von Rollladen Bätker im nordrhein-westfälischen Ochtrup. Die R+S-Manufaktur stellt selbst Holzrollläden her, vertreibt und montiert aber auch Rollläden aus anderen Materialarten. „Leider hat die Qualität von PVC-Rollläden nachgelassen“, stellt der Firmenchef fest. „Deshalb biete ich für Behänge mit breiteren Maßen zurzeit nur die Alu-Ausführung an, falls Holzrollläden nicht infrage kommen.“ Im Vergleich zu PVC oder Alu seien Holzrollläden um ein Vielfaches stabiler, wertiger und wohnlicher. Für besonders hohe Ansprüche sei die Holzart Accoya prädestiniert. Das modifizierte Holz setze neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich der im Jahr 1929 gegründete Betrieb auf die Holzrollläden-Produktion, was sich im Nachhinein als Erfolgsrezept herausstellte. Der Bedarf verringerte sich jedoch mit der Markteinführung von PVC-Rollläden. In der Zeit um 1970 lief die Produktion schließlich aus. Franz Bätker, Enkel des Unternehmensgründers, griff die Sparte nach seiner Meisterprüfung im Tischler- sowie im R+S-Handwerk erneut auf. Seitdem legt die Nachfrage in dem Bereich kontinuierlich zu. Auch die Investition in Maschinen hat sich ausgezahlt: Sie ermöglichen es, kurzfristig auf Kundenwünsche einzugehen, denn Holzart, Profil, Farbbehandlung sowie die Maße variieren je nach Auftrag und das Ketten der einzelnen Rollladen-Lamellen mit Edelstahl-Kettengliedern erfolgt in Handarbeit. Ein Wermutstropfen ist laut Bätker der Fachkräftemangel: Dieser sorge dafür, dass das Auftragsvolumen begrenzt sei.

NACHHALTIGKEITSBEWUSSTSEIN ALS TREIBER


Auch Rolladen Mumme in Düsseldorf stellt Holzrollläden her. Diese kommen vornehmlich bei Sanierungen und denkmalgeschützten Gebäuden, bei weiterverarbeitenden Betrieben, aber auch für Neubauten zum Einsatz. „Wir arbeiten zu 80 Prozent für den Denkmalschutz“, erklärt Inhaber Sven Cöllen. „Die Bauherren legen Wert darauf, dass die Fachbetriebe die Holzrollläden selbst herstellen und montieren, da manchmal spezielle Details bei den Profilen beachtet werden müssen, die ein reines Montageunternehmen so nicht umsetzen kann
– da liegt unsere Stärke in dem Segment.“ Über den klassischen Holzrollladen hinaus deckt das Unternehmen das gesamte Spektrum der R+S-Branche ab. Der Absatz im Roll -
ladenbereich erschließt sich aus 80 Prozent Aluminiumsowie jeweils fünf Prozent Kunststoff- und Holzrollläden, die restlichen zehn Prozent entfallen auf an derweitige Erlöse.
Die Nachfrage nach Holzrollläden hat laut Cöllen zuletzt deutlich zugenommen. „Früher waren es ein bis zwei Holzrollläden im Bestand, die erneuert werden mussten“, sagt der R+S-Meister. „Aktuell tauschen wir auf einmal alle Holzroll läden im Kahlschlag aus.“ Ob diese Entwicklung nach Corona anhält, bleibe abzuwarten. Als starker Treiber erweise sich das zunehmende Nachhaltigkeits bewusstsein in der Gesellschaft. „Häufig fragen die Kunden, ob ein Produkt nachhaltig hergestellt ist“, beschreibt er. „Die Holzrollläden rücken dabei in den Fokus – aufgrund des hohen Preises greifen Endkunden allerdings nicht immer dazu.“ Bei den weiterverarbeitenden Betrieben lasse sich dagegen eine Entwicklung hin zu mehr verbauten Holzrollläden erkennen. Auch im Hinblick auf die Optik sei ein Wandel feststellbar. „Während deckende Lackierungen in den vergangenen drei Jahren im Trend lagen, ist momentan wieder der reine Naturton des Holzes im Kommen“, hebt er hervor. Alu-Rollläden müssen laut Cöllen alle 15 bis 20 Jahre repariert oder ersetzt werden. Das treffe für Holzrollläden teilweise erst nach ca. 100 Jahren zu – prinzipiell sei deswegen kein Rollladen günstiger als der hölzerne. Lediglich die Anschaffung sei teuer, die Instand hal tung hingegen
gering. „Der Holzrollladen ist ein Produkt, das lebenslange Freude bereitet. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich der Markt wei terhin stark entwickelt und das Bewusst sein für nachhaltige Produkte anhält“, resümiert der R+S-Meister.

SMARTHOME: TREND ZUR AUTOMATISIERUNG HÄLT AN


Der Rollladen hat weiterhin seine Daseinsberechtigung und spielt neben anderen Lösungen eine wichtige Rolle, da er die klassischste Form des Sonnenschutzes in der Gebäudehülle darstellt – darin sind sich die Anbieter von Sonnenschutz systemen einig. „Insbesondere wo Verdunkelung, Sichtschutz und ein erhöhter Sicherheitsanspruch im Fokus stehen, wird auch künftig auf einen Rollladen zurückgegriffen, z.B. in Schlafräumen oder im Souterrain“, ergänzt Hella-Produktmanager Faust. In den Wohnräumen ermöglichen alternative Produkte eine flexiblere Lichtsteuerung.
In der ersten Hälfte dieses Jahres hat der Markt für Rollläden stark angezogen und die Lieferanten haben angesichts von Rohstoff engpässen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von
Materialien. „Was die Trends angeht, gehen wir davon aus, dass die Bereiche SmartHome und Solarantriebe weiter wachsen“, prognostiziert Steinbrecher von Griesser. „Letztere machen nur etwa zehn Prozent der aktuellen Antriebe aus, dürften aber unter dem Druck der Umweltauflagen weiter zulegen.“ Mit rund 68 Prozent sei ein Großteil der Rollläden
bereits motorisiert. Um den Komfort und die Wärmeregulierung zu steigern, setze sich die Tendenz zur Automatisierung der Produkte fort.