174 Faltschiebeladenanlagen von Ehret verschwinden in einer goldschimmernden Photovoltaikfassade – flächenbündig und farblich exakt abgestimmt. Was einfach klingt, erforderte bei dem Neubauprojekt in Mannheim erhebliche Abstimmungsarbeit.

Auf dem Gelände des ehemaligen Benjamin Franklin Village in Mannheim wächst der Stadtteil Franklin. Seit dem Abzug der US-Streitkräfte im Jahr 2011 entsteht dort ein neues Quartier. Das niederländische Architekturbüro MVRDV hat dafür das Nahversorgungszentrum Grüne Mitte entworfen, das sich als begrünter, öffentlich zugänglicher Hügel auf einer Fläche von zirka 100 mal 100 Meter erstreckt und am höchsten Punkt zirka 20 Meter erreicht. Im Inneren liegen auf zirka 5.500 Quadratmeter Gewerbefläche ein Supermarkt, eine Drogerie, eine Apotheke, Gastronomie, Büros und eine Tiefgarage. Bauherrin ist Franklin Grüne Mitte, eine Projektgesellschaft der GBG Unternehmensgruppe und des Mannheimer Projektentwicklers 3iPro.
"Man wollte mit der Grünen Mitte einen identitätsstiftenden Ort für das Quartier schaffen, an dem nicht nur eingekauft, sondern auch gewohnt, gearbeitet und das Quartiersleben gestaltet wird", sagt Projektarchitekt Mark Delle-Bühler vom ausführenden Büro schneider+schumacher. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, die Nahversorgung am Rand des Stadtteils anzusiedeln. Die sogenannte Europa-Achse, die Franklin mit dem Käfertaler Wald verbindet, durchschneidet das Bauwerk in zwei Hälften. Entlang dieser Passage öffnen sich die verglasten Eingänge zu den Geschäften.
Holzkonstruktion unter begrünter Dachlandschaft
Die komplex geformte Dachlandschaft ruht auf einer Holzkonstruktion mit Brettschichtholzträgern und Brettsperrholzplatten. Ihre Geometrie basiert auf einem triangulären Netz, das die Oberfläche in regelmäßige Dreiecke teilt. Drei gerade Balken bilden jeweils ein Dreieck, sodass die Hülle ebene, begehbare Flächen erhält. Schubbohlen und Schubbleche in der Dachkonstruktion verhindern, dass die Begrünung auf den steilen Flächen abrutscht. Darüber sichern Georasterelemente den Pflanzenbewuchs.
Über dem begrünten Hügel scheint ein viergeschossiges Wohngebäude mit 34 Mietwohnungen zu schweben. Mit seiner langgestreckten Form, dem flach geneigten Dach und markanten Gauben nimmt es Bezug auf die frühere Kasernenbebauung. Konstruktiv beschreitet es allerdings andere Wege: „Das Wohnhaus ist wie eine Art Brücke konstruiert", erläutert Delle-Bühler. Die viergeschossige Stahlverbundkonstruktion überspannt die Europa-Achse, hängt an zwei Treppentürmen und kragt an beiden Enden jeweils zirka 13 Meter aus. Hu-holzunion mit Sitz in Rotenburg (Wümme) stellte die vorgefertigten Wand- und Dachelemente in Holzbauweise her und montierte sie.
Photovoltaikfassade im KfW-55-Standard
Das Ensemble erreicht den KfW-55-Standard. Goldschimmernde Photovoltaikmodule übernehmen als gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) zugleich die Funktion der Fassadenbekleidung. Ihre Farbigkeit setzt einen Kontrast zur historischen Formensprache des Baukörpers und macht die Energiegewinnung zum prägenden Gestaltungselement.
Der niederländische Hersteller Pixasolar lieferte zirka 2.000 Quadratmeter goldfarbene Photovoltaikmodule der Produktlinie Pixacolour, die von Konvortec Glasfassaden montiert wurden. Optisch abgestimmte Blindpaneele ergänzen die aktiven Module auf Fassadenflächen mit ungünstiger Ausrichtung oder Verschattung und stellen so ein durchgängiges goldenes Fassadenbild sicher. Die Photovoltaikanlage verfügt über eine installierte Leistung von 115 kWp.
Faltschiebeläden sorgen für flächenbündige Optik
Versetzte Fensteröffnungen und zurückgesetzte Loggien durchbrechen die goldene Fassadenfläche. Damit sich Fenster und Faltschiebeläden optisch in die Photovoltaikfassade einfügen, erhielten die Kunststofffenster außen liegende Aluminiumschalen. Diese beschichtete der Verarbeiter ebenso wie die Absturzsicherungen und die Ehret-Faltschiebeläden mit der Farbe Interpon D2525 Metallic Matt Y2209I. Der fein abgestimmte Goldton verbindet die unterschiedlichen Bauteile mit den Solarmodulen zu einem einheitlichen Fassadenbild. "Auch bei den Beschlägen durfte es keine farblichen Abweichungen geben. Deshalb war es ein Vorteil, dass wir diese im passenden Sonderfarbton inhouse beschichten konnten", sagt Klaus Wipfler, Vertriebsleiter bei Ehret.
Die Entscheidung für Faltschiebeläden hatte vor allem konstruktive Gründe: Geschlossen sollten die Elemente flächenbündig in der Photovoltaikfassade liegen und geöffnet keine Solarmodule verdecken. Herkömmliche Klapp- und Schiebeläden hätten eine vorgelagerte Anordnung und seitliche Flächen zum Öffnen erfordert. Die Ehret-Faltschiebeläden erfüllen dem Hersteller zufolge beide Anforderungen: Beim Öffnen falten sie sich aus der Fassadenebene heraus zu schmalen Paketen, die rechtwinklig von ihr abstehen und die angrenzenden Modulflächen freihalten. Auch die Befestigung erforderte eine Abstimmung auf die Fassadenkonstruktion: In enger Zusammenarbeit mit dem Fensterbauer und dem Schlossergewerk band Ehret die obere Laufschiene direkt an die Fensterkonstruktion und die untere Führungsschiene an die Absturzsicherung an.
Insgesamt kamen 174 Faltschiebeladenanlagen mit 576 Flügeln und einer Gesamtfläche von 934 Quadratmeter zum Einsatz. Die Anlagenbreiten reichen von 960 bis 2.980 Millimeter, die Anlagenhöhe beträgt einheitlich 2.550 Millimeter. Um die Installationszeit auf der Baustelle zu verkürzen, integrierte HU-Holzunion die Anlagen bereits im Werk in die Wandelemente. Der hohe Vorfertigungsgrad bei Ehret machte dies möglich: Der Hersteller lieferte unter anderem sämtliche Beschläge komplett vormontiert.
Solarslide verbindet drei Funktionen
"Die Idee, Photovoltaik und Sonnenschutz auch bei Fensterläden miteinander zu verbinden, verfolgen wir schon seit vielen Jahren", sagt Wipfler. Bereits 2012 habe Ehret erstmals einen Schiebeladen mit integrierter Solartechnologie vorgestellt. Mit Solarslide stehe inzwischen ein industriell gefertigtes Standardprodukt zur Verfügung. "Mit definierten technischen Eigenschaften bieten wir Architekten und Planern sowohl Planungs- als auch Kostensicherheit und können im Vergleich zu individuellen Sonderlösungen den Designprozess erheblich beschleunigen", ergänzt Philippe Gertz, Marketing- und Kommunikationschef bei Ehret.
Solarslide vereint laut Hersteller drei Funktionen: Stromerzeugung, Sicht- und Sonnenschutz sowie gestalterische Einbindung in die Gebäudehülle. Die gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) entwickelten Photovoltaik-Schiebeläden verfügen über Glas-Glas-Module, deren Solarzellenstruktur eine spezielle Siebdruckbeschichtung verdeckt. Verschiedene Modulfarben – darunter Gold – und darauf abgestimmte Aluminiumrahmen ermöglichen die Einbindung in unterschiedliche Farbkonzepte.
Für die elektrische Anbindung stehen zwei Varianten zur Verfügung: Solarslide schließt der Verarbeiter an einen bauseitigen Wechselrichter an. Solarslide Pro verfügt dagegen über einen integrierten Mikrowechselrichter und kommt einschließlich aller erforderlichen Anschlusskomponenten als steckerfertige Solaranlage auf die Baustelle. Damit lässt sich die Pro-Variante direkt an ein 230-Volt-Netz anschließen.

