Innen liegender Sonnenschutz ViS-Tagung in Jena: Umsätze sinken, Zuversicht bleibt

Mehr als 90 Teilnehmer trafen sich am 24. und 25. September zur Jahrestagung des Verbands innen liegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) in Jena. Bei der Tagung präsentierte Geschäftsführer Martin Auerbach durchwachsene Branchenzahlen – doch eine Produktgruppe trotzt dem Abwärtstrend.

Mehr als 90 Teilnehmer nahmen an der ViS-Tagung in Jena teil. - © ViS

Der Tagungsort Jena war bewusst gewählt: Die Stadt, in der Carl Zeiss und seine Mitstreiter den Grundstein für weltweit maßstabsetzende Technologien legten, steht wie kaum eine andere für den Mut, neue Wege zu gehen. Für den ViS der passende Rahmen, um die Weichen für die Zukunft des innen liegenden Sicht- und Sonnenschutzes zu stellen.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein außergewöhnliches Abendprogramm im Zeiss-Planetarium mit einem Dinner unter Sternen.

Erstes Halbjahr 2026: Umsatzrückgang um 7,4 Prozent

Bei der Tagung am Folgetag warf Auerbach zunächst einen Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August 2026 auf 88,8 Punkte – ein Plus von 2,1 Punkten im Vergleich zum Juli und der höchste Wert seit dem Frühjahr. Trotz der leichten Stabilisierung in der Gesamtwirtschaft sei bei den Branchenunternehmen bisher keine Entspannung spürbar.

Die Umsätze mit maßkonfektioniertem Sicht- und Sonnenschutz sanken im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent. Besonders hart traf es Auerbach zufolge Rollos mit einem Minus von 19,5 Prozent, Doppelrollos mit minus 16,7 Prozent und Flächenvorhänge mit minus 11,9 Prozent. Auch Plissees (minus fünf Prozent), Wabenplissees (minus 2,2 Prozent), Horizontaljalousien (minus 3,9 Prozent), Vertikallamellen (minus 5,8 Prozent) und Insektenschutz (minus 8,3 Prozent) verzeichneten Rückgänge. Einzig Raff- und Faltrollos legten mit einem Plus von 13,1 Prozent deutlich zu.

Plissees dominieren, Insektenschutz stagniert

Bei den Marktanteilen der einzelnen Produktgruppen gab es nach Verbandsangaben keine auffälligen Verschiebungen. Mit fast 37 Prozent Umsatzanteil bleiben Plissees die stärkste Fraktion, büßten allerdings 0,75 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr ein. Wabenplissees gewannen wie schon im Vorjahr leicht hinzu (plus 1,1 Prozentpunkte). Insektenschutz behauptete sich als zweitgrößtes Marktsegment vor den Wabenplissees, verlor jedoch 0,7 Prozentpunkte – der bisherige Wachstumskurs dieser Produktgruppe scheint dem ViS zufolge vorerst beendet.

Umsatz: Veränderungen der Produktgruppen - © ViS

Die Rückgänge bei den Neubauten, Umzügen und Renovierungen beeinträchtigten offensichtlich auch die Nachfrage nach innen liegendem Sicht- und Sonnenschutz, so Auerbach.

Jahresumfrage: Steigende Kosten als größte Belastung

An der ViS-Jahresumfrage 2026 nahmen 31 Mitgliedsunternehmen teil – zirka 60 Prozent davon Hersteller, 40 Prozent Zulieferer von Bauteilen, Materialien oder Systemen. Die Teilnehmerstruktur spiegelt vor allem kleine und mittlere Unternehmen wider: 45 Prozent beschäftigen 50 bis 249 Mitarbeiter, 29 Prozent haben zehn bis 49 Beschäftigte.

Bei der Umsatzlage ergibt sich ein geteiltes Bild. Zwar bewerten 61,3 Prozent der Befragten ihre Umsätze als gut oder eher gut. Zugleich stufen jedoch 36 Prozent ihre Lage als eher schlecht und drei Prozent als schlecht ein – ein erheblicher Teil der Branche steht demnach wirtschaftlich unter Druck. Ähnlich sieht es bei der Beschäftigung aus: 58 Prozent beurteilen ihre Beschäftigungssituation positiv, während 42 Prozent sie negativ einschätzen.

Als mit Abstand größtes Problem nannten 87 Prozent der Unternehmen steigende Kosten. An zweiter Stelle folgt das verhaltene Konsumverhalten (61 Prozent). Jeweils 45 Prozent sehen Bürokratie und Vorschriften sowie den Arbeitskräftemangel als zentrale Herausforderung. Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung belasten 39 Prozent der Befragten.

Investitionen: Knappe Mehrheit agiert vorsichtiger

Die Verunsicherung spiegelt sich auch in den Investitionsabsichten wider. Zwar halten 48 Prozent der Unternehmen an ihren geplanten Investitionen fest. Fast ebenso viele – 45 Prozent – gehen ihre Investitionen jedoch vorsichtiger an, weitere 6,5 Prozent stellen geplante Vorhaben voraussichtlich zurück. Die Unternehmen fordern nach Verbandsangaben vor allem Bürokratieabbau, Kostenentlastung durch sinkende Energiepreise sowie steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Erleichterungen, Impulse für Wohnungsbau und Renovierung, Planungssicherheit und eine Stärkung von Investitionen und Arbeitsmarkt.

Urgestein aus dem Vorstand verabschiedet

"Ein Urgestein verlässt die Branche", mit diesen Worten verabschiedete Auerbach Heiko Ziffer aus dem ViS-Vorstand. Ziffer war zirka 35 Jahre lang in verschiedenen Funktionen tätig, zunächst bei Benthin, seit dem Jahr 2008 bei Teba, zuletzt als Leiter Produktmanagement. Seine Expertise in technischen und regulatorischen Fragestellungen werde weit über die Grenzen seines Unternehmens hinaus fehlen, so Auerbach.

Die Verbandsreferenten Pelin Ülker (Recht), Gerhard Sperling (Technik) und Matthias Reuter (Kreislaufwirtschaft) informierten über laufende Projekte. Hervorgehoben hat der Verband die Datenbank Refiberhub des Kompetenz-Zentrums Textil + Sonnenschutz: Anbieter aus der textilen Kreislaufwirtschaft registrieren sich dort mit Recyclingtechnologien oder -materialien und vernetzen sich mit den zirka 150 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Heimtextilien, Matratzen sowie Sicht- und Sonnenschutz. Zudem stößt das vor zirka einem Jahr vollständig überarbeitete Fachbuch Sicht- und Sonnenschutz nach Verbandsangaben auf rege Nachfrage und habe sich als Standardwerk für Fachleute sowie für die Aus- und Weiterbildung etabliert.

Den Schlusspunkt setzte die Zukunftsforscherin Oona Horx Strathern mit einer Keynote über gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen, die das Wohnen und Leben von morgen prägen.

Die nächste ViS-Jahrestagung findet am 23. und 24. September 2027 statt; den Veranstaltungsort gibt der Verband noch bekannt.

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    Bewertung der aktuellen Umsatzlage
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    Aktuell größte Herausforderungen der Branche
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    Drängendste Forderungen bzw. Aufgaben