Die Sonnenschutzsteuerung im Erweiterungsbau des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) in Karlsruhe fiel nach 18 Jahren komplett aus. Somfy entwickelte eine Lösung, die sich ohne großen Planungs- und Installationsaufwand realisieren ließ.

Der Erweiterungsbau des BVerfG in Karlsruhe stammt aus dem Jahr 2007. Architekt Michael Schrölkamp konzipierte die Gebäudehülle von Anfang an als aktives Klimasystem: eine zweischalige Fassade, pergolaartige Begrünungen als Sicht- und Sonnenschutz, automatisch gesteuerte Raffstoren sowie eine abgestimmte Tageslichtführung.
Nach zirka 18 Jahren Betrieb fiel die ursprüngliche Steuerungsanlage im Jahr 2025 jedoch irreparabel aus. Die Verantwortlichen standen vor einer typischen Aufgabe im Gebäudebetrieb: Sie suchten nach einer Lösung, die sich ohne großen Planungs- und Installationsaufwand realisieren ließ. Die Wahl fiel auf das System Animeo IB+ Touch Buco von Somfy, das die spezifischen Anforderungen des Bürobaus erfüllt.
Nachrüstung ohne Neuverkabelung
Die Kernanforderung des Projekts bestand darin, die vorhandene Infrastruktur weitgehend zu erhalten. Die zweiadrige IB+-Steuerleitung ermöglichte die Nachrüstung ohne tiefgreifende Eingriffe in die Bestandsinstallation. Das Projektteam tauschte lediglich die zentrale Touch Buco-Steuereinheit und die erforderlichen Output Converter als Schnittstelle zu den vorhandenen Komponenten aus. Auf diese Weise habe sich die Anlage mit geringem Aufwand und überschaubaren Kosten technisch modernisieren und nachhaltig weiterbetreiben lassen.
Steuerungsarchitektur mit zweigliedrigem Prinzip
Die Sonnenschutzzentrale steuert die Raffstoren in Verbindung mit einer Wetterstation auf dem Dach und dezentralen Vierfach-Motorcontrollern. Die Regelung basiert auf Sonnenstand, Außentemperatur, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie Niederschlag. Die Steuerungsarchitektur folgt einem zweigliedrigen Prinzip: In Aufenthaltsräumen, der Kantine und im Treppenhaus regeln der Schaltschrank und Achtfach-Taster die Raffstoren zentral.
Die Büros hingegen erhielten eine dezentrale Lösung mit Aufputz-Wandtastern, die jeweils vier Behänge bedienen. So lässt sich der Sonnenschutz in den Arbeitsräumen individuell anpassen, während die Gemeinschaftsflächen zuverlässig und ohne manuellen Eingriff beschattet werden. Das Touch-Display der Zentrale bietet eine intuitive Bedienung und Übersicht über alle Zonen. Steuerung und Instandhaltung erfordern laut Somfy keine Spezialkenntnisse und lassen sich effizient in die Abläufe des Facility Managements integrieren.

Kunst am Bau verlangt gezielte Lichtführung
Eine besondere Rolle spielt das Treppenhaus des Erweiterungsbaus. Ein Kunst-am-Bau-Beitrag der Karlsruher Künstlerin Stefanie Lampert prägt den Raum mit einem lichtabhängigen Farbrelief – rechteckige Farbfelder in Gelb, Grau und Grün, die ihre Wirkung mit dem einfallenden Tageslicht verändern. Per Funksender lassen sich Lichteinfall und Beschattung manuell steuern und gezielt auf die Wirkung des Reliefs abstimmen.
Alle vierzig Büros der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind in zwei Obergeschossen zum Botanischen Garten hin ausgerichtet. Das markanteste Gestaltungselement bildet ein pergolaähnliches Stahlgerüst an der Nordwest-Fassade, bepflanzt unter anderem mit Zwergkiefern, Weißdorn und Bambus als vertikaler Schutz vor direkter Einsicht und Sonneneinstrahlung. Architektur und Somfy-Steuerung greifen nach Unternehmensangaben so ineinander, dass der Bestand auch unter veränderten Klimabedingungen funktioniert. Wenn Gebäudehülle, Verschattung und Lichtführung zusammen gedacht werden, seien Arbeitsatmosphäre, Nutzungskomfort und Energieeffizienz dauerhaft stimmig.