In Europas Gebäuden können die Temperaturen im Sommer auf 30 Grad Celsius und mehr steigen – mit Folgen für Gesundheit und Produktivität. Außen liegender Sonnenschutz gilt als eine der wirksamsten Gegenmaßnahmen, fristet aber in Bauvorschriften ein Nischendasein. Der Sonnenschutzhersteller Hella fordert deshalb verbindliche Standards für Hitzeschutz in Neubau und Sanierung.

Europa verzeichnet seit Jahren deutlich mehr Hitzetage pro Saison. Innenräume bleiben wochenlang aufgeheizt und kühlen auch nachts kaum ab. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Konzentrationsprobleme, schlechter Schlaf und Erschöpfung gehören für zahlreiche Menschen und Unternehmen inzwischen zur sommerlichen Normalität. Der Sonnenschutzspezialist Hella drängt nun auf ein Umdenken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer heute baue oder saniere, müsse nicht nur den Winter, sondern auch die Sommer von morgen mitdenken.
"Die Gefahren von Hitzewellen werden immer noch unterschätzt", sagt Andreas Kraler, geschäftsführender Gesellschafter der Hella-Gruppe. "Hitzeschutz ist keine Frage des Budgets, sondern von Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit. Deshalb soll das Thema nicht zum parteipolitischen Spielball gemacht werden. Bund, Länder und Gemeinden stehen in der Verantwortung, öffentliche Gebäude rasch hitzefit zu machen und die Bevölkerung wirksam vor den Folgen zunehmender Hitzewellen zu schützen."
Gebäudequalität bestimmt die Hitzebelastung
Ob Wohnung, Büro, Schule, Kindergarten, Krankenhaus oder Pflegeheim – wie stark Menschen unter Hitze leiden, hängt dem Osttiroler Unternehmen zufolge wesentlich von der Qualität der Gebäude ab, in denen sie sich aufhalten. Große unbeschattete Glasflächen, fehlender außen liegender Sonnenschutz sowie unzureichend gedämmte Fassaden und Dächer führen dazu, dass sich Innenräume massiv aufheizen und die Wärme über Stunden speichern. Besonders betroffen sind Dachgeschosse, ältere Bestandsgebäude und moderne Glasfassaden.
Dabei sei sommerlicher Hitzeschutz vor allem eine Frage der Planung: Dort, wo Gebäude konsequent verschattet und mit wirksamen Sonnenschutzlösungen ausgestattet seien, blieben Innenräume um bis zu zehn Grad Celsius kühler. Das verbessere nicht nur den Wohnkomfort, sondern schaffe auch gesündere Arbeitsplätze, bessere Lernbedingungen und ein angenehmeres Umfeld für Kinder, Patienten oder pflegebedürftige Menschen.
Hitze als wirtschaftliches und soziales Risiko
Hohe Temperaturen in Innenräumen wirken sich nach Angaben von Hella unmittelbar auf die Gesundheit aus. In Büros und Betrieben steige die Belastung für Beschäftigte, in Schulen und Kindergärten erschwere die Hitze das Lernen, während Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen besonders vulnerable Gruppen schützen müssen. Fehlende Kühlung und mangelnder Sonnenschutz verursachen zudem höhere Krankenstandsquoten, Produktivitätsverluste und steigende Energiekosten durch den verstärkten Einsatz von Klimageräten.

Die Folgen von Hitzewellen treffen die Bevölkerung dabei unterschiedlich stark. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke sowie Menschen mit geringem Einkommen. Wer in schlecht sanierten Wohnungen lebt oder an Arbeitsplätzen ohne ausreichenden Sonnenschutz tätig ist, sei der Hitze oft schutzlos ausgeliefert. Gleichzeitig können sich zahlreiche Haushalte energieintensive Klimaanlagen nicht leisten oder möchten deren Betrieb aus Kosten- und Klimaschutzgründen vermeiden.
"Außen liegender Sonnenschutz schützt die Gesundheit, verbessert die Lebensqualität und reduziert gleichzeitig den Energiebedarf für Kühlung", sagt Kraler. "Was fehlt, sind verbindliche Standards und flächendeckende Förderungen, damit wirksamer Hitzeschutz für alle zugänglich wird."
Verbindliche Baustandards statt freiwilliger Komfortmaßnahme
Trotz steigender Temperaturen wird der sommerlichen Wärmeschutz beim Bauen und Sanieren dem Hersteller zufolge vielfach noch als Komfortmerkmal behandelt. Während Wärmedämmung, Heizsysteme und Energieeffizienz längst verbindliche Bestandteile der Bauplanung seien, fehlten vergleichbare Vorgaben für den Schutz vor sommerlicher Überhitzung. Hella fordert deshalb, Hitzeschutz konsequent in Bauvorschriften, Förderprogramme und Sanierungsstrategien zu integrieren – nicht nur im Wohnbau, sondern ebenso bei Bürogebäuden, Produktionsstätten, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und anderen öffentlichen Gebäuden. Innenräume müssten auch während Hitzewellen nutzbar bleiben.
Außen liegender Sonnenschutz setzt an der Ursache an
Wirksamer Hitzeschutz beginnt nach der Meinung von Hella an der Gebäudehülle. Außen liegender Sonnenschutz in Form von Rollläden, Raffstores, Jalousien oder Markisen stoppt die Sonnenenergie bereits vor der Fensterscheibe und verhindert, dass sich Glasflächen und Innenräume aufheizen. Im Unterschied zu Ventilatoren oder innen liegenden Vorhängen setze diese Lösung direkt an der Ursache an und reduziere den Wärmeeintrag nachhaltig.
Mit einem Anteil von durchschnittlich nur ein bis drei Prozent der gesamten Baukosten – je nach Immobilie – falle die Investition im Vergleich zum Nutzen gering aus. Ein weiterer Vorteil: Außen liegender Sonnenschutz lasse sich in zahlreichen Gebäuden ohne aufwendige Umbauten nachrüsten. Dadurch sinke der Bedarf an energieintensiver Kühlung, während sich gleichzeitig Komfort, Gesundheit und Energieeffizienz verbessere. Mit Blick auf zunehmende Hitzewellen werde außen liegender Sonnenschutz zu einer zentralen Infrastrukturmaßnahme für klimaresiliente Gebäude.
"Außen liegender Sonnenschutz ist bauphysikalisch die wirksamste Maßnahme im Hitzeschutz und kann binnen weniger Wochen nachgerüstet werden", sagt Kraler. Die Lösungen seien längst verfügbar. "Was es jetzt braucht, ist technisches Verständnis der Entscheider, klare Standards und Förderprogramme, die neben der Wärmeversorgung auch den Hitzeschutz als Grundversorgung garantieren. Für mehr Gesundheit, mehr Lebensqualität und mehr Gerechtigkeit."