Die Tür- und Torbranche steht unter großem Druck: Automatisierung, neue Bauproduktenverordnung (BauPVO) und angespannte Konjunktur fordern die Hersteller gleichzeitig. Wie sich diese Herausforderungen in Marktchancen verwandeln lassen, zeigten die Rosenheimer Tür- und Tortage 2026 am 11. und 12. Juni 2026 in Münster.

Die Rosenheimer Tür- und Tortage fanden erstmals in Münster statt. Ausgerichtet vom ift Rosenheim in Kooperation mit dem Prüfinstitut Schlösser und Beschläge Velbert (PIV) brachte die Veranstaltung Referenten aus Forschung, Normung und Praxis mit Fachteilnehmern zusammen. Der Standortwechsel verkürzte für zahlreiche Hersteller aus dem Westen Deutschlands die Anreise spürbar. Neben dem fachlichen Programm bot der Branchentreff Raum für Networking in den Pausen und bei einer Abendveranstaltung.
Eröffnung: Resilienz als Marktchance
Unter dem Motto Mit Wissen und Erfahrung in die Zukunft feiert das ift Rosenheim sein 60-jähriges Bestehen. Institutsleiter Prof. Dr. Winfried Heusler spannte in seinem Eröffnungsvortrag den Bogen von sechs Jahrzehnten Branchengeschichte zu den Weichenstellungen der kommenden Jahre. Wachsende Resilienzanforderungen durch den Klimawandel und den Schutz kritischer Infrastrukturen über das KRITIS-Dachgesetz seien nicht nur Herausforderung, sondern auch konkreter Marktvorteil und Chance für die Branche.
Die Ziele der neuen Bauproduktenverordnung (BauPVO) sowie der kommenden Normungsarbeit – mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung – begrüßte Heusler grundsätzlich. Er warnte jedoch vor einer bürokratischen Überforderung kleiner und mittelständischer Unternehmen. „Wir wollen Fenster, Türen und Tore herstellen und nicht Dokumente ausfüllen“, sagte der Institutsleiter.
Sicherheit aus mehreren Blickwinkeln
Dass Sicherheit für Türen und Tore kein Randthema ist, machte die Vielzahl der Vorträge deutlich. Neben Einblicken in die polizeiliche Beratungspraxis zur Einbruchhemmung standen der Schutz vor Vandalismus, Cybersicherheit sowie die Schutzwirkung elektronischer Komponenten auf dem Programm.
Einen regulatorischen Rahmen setzt das seit März 2026 in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz. Türen und Tore in sicherheitskritischen Sektoren gelten darin als kritische physische Schnittstellen und stehen unter verschärfter rechtlicher Beobachtung. Für Hersteller bedeutet das zusätzliche Anforderungen an Nachweise und Produktentwicklung.
Digitalisierung, Normung und Nachhaltigkeit
Weitere Schwerpunkte des Programms waren Digitalisierung, Normung und Nachhaltigkeit. KI-Anwendungen sorgen nach Angaben des ift Rosenheim bereits heute für mehr Sicherheit und Energieeinsparung und verdeutlichen, wie weit die Digitalisierung in der Branche fortgeschritten ist.
Auf der Normungsseite rückten die laufende Zusammenlegung der Produktnormen für Innen-, Außen- und Automatiktüren sowie die Auswirkungen der BauPVO in den Fokus. Vorträge zu Klimaresilienz, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeitsnachweisen zeigten den wachsenden Stellenwert des Themas. Für die Gebäudezertifizierung nach DGNB seien künftig die Daten aller verwendeten Komponenten erforderlich. Hersteller von Türen und Toren müssten sich damit befassen, wie ihre Daten in Planung und Bewertung von Gebäuden einfließen.
Konjunktur, Praxis und Vergaberecht
Einen konjunkturellen Ausblick gab Marktforscher Martin Langen. Hinzu kamen Impulse zu Praxisthemen wie Barrierefreiheit und Brandschutz. Prof. Christian Niemöller rundete das Fachprogramm mit einem Überblick zu den wesentlichen Neuerungen im Vergaberecht ab.
Am Abend des ersten Veranstaltungstags trafen sich die Teilnehmer in den Ufer Studios am Emskanal. Bei mediterranem Flair bot sich Gelegenheit, das Gehörte im direkten Gespräch weiterzudenken und Kontakte zu vertiefen.