Hilbra hat einen motorisierten Fensterladen samt Futter entwickelt, der mehr CO2 bindet als in der gesamten Wertschöpfungskette freigesetzt wird. Um die Funktionen in der Praxis zu testen, hat sich das Unternehmen an einem Forschungsprojekt beteiligt.

Der Klimaladen leistet laut Hersteller einen wichtigen bauphysikalischen Beitrag bei der Gebäudeklimatisierung, indem er eine thermische Phasenverschiebung im Bereich der Fensterflächen schaffe. Bei hohen Außentemperaturen im Sommer halte der Laden die Wärme draußen, sodass im Innenraum tagsüber moderate Temperaturen herrschten. Kühlt die Außenluft nachts ab, gebe der Laden die aufgenommene Hitzefracht langsam wieder ab.
Im Winter kehre sich der Effekt um: Der Laden halte die Wärmeenergie im Innenraum, die andernfalls über die Fensterflächen verloren ginge. Das senke nach Unternehmensangaben den Wärmeenergieverbrauch und entlaste sowohl Heizkostenrechnung als auch Klimabilanz.
Forschungsprojekt Paul & Rosa als Praxistest
Um die Eigenschaften unter realen Bedingungen zu prüfen, engagierte sich Hilbra im Forschungsprojekt Paul & Rosa. Am Forschungsgebäude Rosa der Firmengruppe Riedel Bau in Schweinfurt setzte sich das Architekturbüro Asap Inka mit den gestalterischen Möglichkeiten von Drehläden auseinander. Das Ziel war es, Fensterläden in einer puristischen Fassadengestaltung als zentrales Gestaltungselement zu etablieren.
Das Team verband die Läden über ein Futter aus Stahl mit dem jeweiligen Fenster. Eine Schattenfuge an der Grenze zur Putzfläche grenzt das Futter optisch von der Fassade ab. Während Futter für Fensterläden im Mittelmeerraum verbreitet sind und dort vor allem die Ladenmontage vereinfachen sollen, kommt ihnen im Projekt Rosa eine gestalterische Rolle zu. Hilbra setzte die vorgegebene Formensprache technisch um und hob in Abstimmung mit dem Bauherrenvertreter zusätzliche Ressourceneffizienzpotenziale.
Vorteile bei Montage und Putzarbeiten
Das Futter bietet nach Angaben des Unternehmens systemische Vorteile gegenüber der Fenstermontage in einer stumpfen Laibung. Während dort in der Regel zwei Monteure nötig seien, reiche bei der Montage am Anschlag des Futters ein Monteur aus – mit entsprechender Zeitersparnis.
Auch die Verputzarbeiten vereinfachen sich Hilbra zufolge: Eckwinkel entfallen, Laibungen müssen nicht mehr verputzt werden. Die umlaufende Schattenfuge fungiere zudem als ideale Abzugskante für die Putzfläche.
Hinzu kommt ein veränderter Bauablauf. Üblicherweise schließen Fensterläden als letztes Gewerk den Neubau ab. Mit dem Futter lassen sich die Läden bereits direkt nach Fertigstellung des Rohbaus montieren. Das ist nach Unternehmensangaben besonders relevant, weil Fensterläden eine exakte Montage erfordern: Steht eine Laibung nicht im Lot und sind die Klobenabstände einheitlich, wird die Schrägstellung am Laden sofort sichtbar. Gleicht der Monteur die Schiefstellung an den Bändern aus, verdoppelt sie sich in der entgegengesetzten Endlage. Setzt er die Läden ins Lot, verlaufen Ladenkante und Laibungskante nicht parallel. Solche Irritationen vermeidet ein rechtzeitig montiertes Futter.
Selbst entwickelter Dämmstoff
Der Klimaladen reduziert den Wärmedurchtritt durch die Fensterflächen. Hilbra weist darauf hin, dass die Anschlussfugen des Fensters zum Baukörper dabei nicht vernachlässigt werden dürfen, da Thermografie-Analysen hier häufig erhebliche Schwachstellen aufzeigen. Eine bauphysikalisch saubere Ausführung spare nicht nur Energie, sondern verhindere auch Schimmelbildung zwischen Fensterrahmen und Innenlaibung. Das Futter erleichtere eine fachgerechte RAL-Montage.
Wer den Bereich zwischen Futter und Baukörper zusätzlich dämmt, erhöht nach Unternehmensangaben die Klimapositivität und verschiebt den Taupunkt weiter nach außen. Zum Einsatz kommt dort dasselbe Material wie in den Füllungen der Fensterläden: der Dämmstoff biodiversity char, eine Eigenentwicklung von Hilbra. Das Material lässt sich auf die jeweilige Anwendung hin anpassen – im Forschungsprojekt liegt der Fokus auf Wärmedämmung, durch physikalische und chemische Modifikation eignet es sich auch für Schalldämmung.
Automatisierung und Einbindung in die Gebäudeleittechnik
Sein gesamtes Potenzial entfaltet der Klimaladen Hilbra zufolge in der automatisierten Variante. In die Wand integrierte Motoren steuern die Läden auch in Abwesenheit der Bewohner. Die Bedienung erfolgt über Taster, interne Benutzeroberflächen oder Smartphone. Programmierbare Fassadenstimmungen sollen das Gebäude bewohnt wirken lassen, während die Bewohner verreist sind. Nach der Rückkehr seien weder Stoffe durch Sonneneinstrahlung ausgebleicht noch die Energiekosten für die Temperierung gestiegen. Die Antriebstechnik lässt sich nach Angaben des Unternehmens einfach in die Gebäudeleittechnik einbinden.
Vom handwerklichen Prototyp zum Industrieprodukt
Nach einem Jahr Praxiserfahrung im Forschungsprojekt Paul & Rosa zieht Hilbra eine positive Bilanz. Aus den eher handwerklich gefertigten Anlagen leitete das Unternehmen Erkenntnisse für ein industrielles Produkt ab, das künftig auf die Baustellen kommen soll. Die Montage soll vergleichbar mit der von Fertigzimmertüren ablaufen: Die Futter werden vor Ort zusammengebaut und in die Rohbauöffnungen gesetzt. Anschließend hängen die Monteure die fertig angeschlagenen Fensterläden ein. Damit ist die Gesamtmontage abgeschlossen – unabhängig davon, ob die Anlagen motorisch oder manuell bedient werden, denn alle erforderlichen Baugruppen sind am Futter vormontiert.
Das Grundmodell besteht aus zwei an einem Futter angeschlagenen Fensterläden – diese Konfiguration bildet auch die Grundlage für die Berechnung der Klimapositivität. Über vorgesehene Befestigungspunkte lassen sich weitere Komponenten ergänzen, etwa französische Balkone, Fliegengitter oder spezielle Einbruchschutzlösungen.
Der Klimaladen wird im DGNB-Navigator unter dem Registrierungscode 9070LU geführt.