Sonnenschutz ist Klimavorsorge BVRS: Außen schützen statt innen kühlen

Steigende Temperaturen machen Gebäude in Deutschland zunehmend zu Hitzefallen. Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz (BVRS) sieht in außen liegendem Sonnenschutz einen zentralen Baustein, um Wohnräume auch ohne energieintensive Klimatechnik bewohnbar zu halten.

Ergebnis einer Fallstudie: Außenliegender Sonnenschutz reduziert vor allem den Kühlbedarf deutlich und senkt den Gesamtenergieverbrauch im Jahresverlauf um rund die Hälfte.
Ergebnis einer Fallstudie: Außenliegender Sonnenschutz reduziert vor allem den Kühlbedarf deutlich und senkt den Gesamtenergieverbrauch im Jahresverlauf um rund die Hälfte. - © Grafik: BVRS

"Viele Menschen warten auf effektive, politische Maßnahmen gegen den Klimawandel. Doch jeder kann im eigenen Zuhause vorsorgen und einen Beitrag für die Umwelt und das eigene Wohlbefinden leisten", sagt Simon Schmid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Rollladen + Sonnenschutz (BVRS). Wer die Gebäudehülle frühzeitig und vorausschauend an die Folgen des Klimawandels anpasst, sorge dafür, dass sein Heim auch in Zukunft nicht überhitzt und bewohnbar bleibt.

Klimavorsorge beginne außen. Statt der nachträglichen Kühlung von Innenräumen stehe die gezielte Vermeidung von Wärmeeinträgen im Vordergrund. Das gelingt laut dem BVRS am besten mit passiven Lösungen am Gebäude. Der fachgerechte Einbau von Markisen, Rollläden, Raffstoren oder anderen außenliegenden Sonnenschutzprodukten sei dabei ein zentraler Schritt: "Er verbindet Hitzeschutz, Gesundheit und Wohlbefinden und senkt gleichzeitig den Energiebedarf", so Schmid.

Klimawandel erhöht den Handlungsdruck

Die Zahlen sind eindeutig: Sonnenschutz ist keine Frage des Komforts, sondern eine Notwendigkeit. Der Klimawandel hat bereits in den vergangenen Jahrzehnten zu Temperaturveränderungen in Deutschland geführt. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist die durchschnittliche Lufttemperatur in Deutschland seit 1881 um 1,6 Grad Celsius gestiegen. Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl der heißen Tage mit über 30 Grad Celsius von etwa drei auf rund neun Tage pro Jahr verdreifacht.[1]

Hitzeperioden haben direkte Auswirkungen auf die Gesundheit: Sie belasten den menschlichen Organismus und können bestehende Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege oder der Nieren verstärken.[2] In den Jahren 2023 und 2024 kam es jeweils zu rund 3.000 hitzebedingten Todesfällen.[3]

Überhitzte Gebäude und steigender Energiebedarf

Die Analyse der European Environment Agency (EEA) zeigt, dass bereits jetzt zwischen neun und 20 Prozent der europäischen Bevölkerung von überhitzten Gebäuden betroffen sind. Als kurzfristige Lösung kommt häufig energieintensive Kühltechnik, beispielsweise in Form von Klimaanlagen, in Betracht. Aber die lassen sich ohne komplizierte bauliche Maßnahmen kaum im Bestand realisieren und führen dazu zu hohen Energiekosten.

Prognose nach zwei Klimaszenarien: Sowohl bei konsequentem Klimaschutz als auch im "Weiter wie bisher"-Szenario nimmt die Zahl heißer Tage bis zum Ende des 21. Jahrhunderts deutlich zu.
Prognose nach zwei Klimaszenarien: Sowohl bei konsequentem Klimaschutz als auch im "Weiter wie bisher"-Szenario nimmt die Zahl heißer Tage bis zum Ende des 21. Jahrhunderts deutlich zu. - © Grafik: BVRS

Klimavorsorge: Sonnenschutz als unterschätzter Schlüssel

Der BVRS setzt auf Maßnahmen, die ohne zusätzlichen Energieaufwand auskommen und eine Alternative zu energieintensiver Klimatechnik darstellen. "Außen liegender Sonnenschutz schützt wirkungsvoll vor den Folgen steigender Temperaturen", betont der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes. Eine Fallstudie, die Forschende in der Universität Alicante in einer mediterranen Region Spaniens durchgeführt haben, zeige das Potenzial: Bewegliche, außen liegende Systeme wie Lamellen oder Jalousien halten die Hitze draußen und können den Kühlbedarf im Sommer um mehr als 60 Prozent reduzieren – und den Gesamtenergieverbrauch über das Jahr hinweg um rund die Hälfte.[4]

"Sonnenschutz können Fachbetriebe des Rollladen- und Sonnenschutzhandwerks auch im Gebäudebestand meist problemlos nachrüsten", sagt Schmid. Er sei damit kein Zusatz, sondern ein notwendiger Bestandteil zukunftsfähiger Architektur und ein zentraler Baustein der Klimavorsorge: "Wir wollen gemeinsam mit unseren Fachbetrieben die Umsetzung dieser Maßnahmen aktiv vorantreiben, um Gebäude in Deutschland langfristig widerstandsfähiger zu machen." Mit zunehmender Hitze werden Lösungen wie Rollläden, Jalousien oder Markisen in Planung und Umsetzung unverzichtbar.


[1] Deutscher Wetterdienst (2026). Klimawandel Überblick. Link: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/ueberblick/ueberblick_node.html

[2] RKI (2023). Hitze in Deutschland: Gesundheitliche Risiken und Maßnahmen zur Prävention. Link: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/11262/JHealthMonit_2023_S4_Hitze_Sachstandsbericht_Klimawandel_Gesundheit.pdf

[3] RKI (2025). Hitzebedingte Mortalität in Deutschland 2023 und 2024. Link: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12682/EB-19-2025_10-25646-13135.pdf

[4] Buildings (2024). Influence of Sun Shading Device on Energy Efficiency, Thermal Comfort and Lighting Comfort in a Warm Semi-Arid Dry Mediterranean Climate. Link: https://www.mdpi.com/2075-5309/14/2/556