Hella hat im Geschäftsjahr 2025 einen Konzernumsatz von rund 173 Millionen Euro erzielt – das niedrigste Ergebnis der jüngeren Unternehmensgeschichte. Dahinter stecke eine bewusste strategische Entscheidung, die den Weg für neues Wachstum freimachen soll.

Werne ab April 2026. - © Hella
Hella´s Konzernumsatz von rund 173 Millionen Euro liegt deutlich unter den Spitzenwerten der Jahre 2022 und 2023 und ist nach Unternehmensangaben das Resultat zweier paralleler Entwicklungen: eines verhaltenen Marktumfelds in der Baubranche sowie tiefgreifender strategischer Entscheidungen im Bereich Sortiment und Vertrieb.
Im Zuge einer Material- und Sortimentsfokussierung stellte Hella die Produktion von Artikeln für Kundensegmente mit geringen Margen ein. Besonders ins Gewicht fiel dabei die Schließung des Produktionsstandorts Duisburg, der im Jahr 2024 noch zirka 20 Millionen Euro zum Gesamtumsatz beigetragen hatte. Der Standort lieferte Systemwaren, Komponenten und Aufsatzkästen an die internationale Kunststofffensterindustrie.
"Die Entscheidungen 2025 waren alternativlos und eine logische Konsequenz unserer strategischen Organisationsentwicklung. Der niedrigste Umsatz der jüngeren Unternehmensgeschichte muss in Kauf genommen werden, um neues Wachstum zu ermöglichen", sagt Andreas Kraler, geschäftsführender Gesellschafter der Hella Gruppe. Die Kompensation durch andere Vertriebskanäle, Zielgruppen und Produkte sei angelaufen, schlage sich jedoch noch nicht in vollem Umfang in den aktuellen Zahlen nieder. Das Geschäftsjahr 2025 habe als
notwendiges Übergangsjahr der Konsolidierung fungiert.
Wachstumsmarkt Outdoor Living im Fokus
Trotz der aktuellen Marktlage setze Hella auf Investitionen in Produktion und Infrastruktur. Ein zentraler Pfeiler dieser Strategie sei die Fokussierung auf den Wachstumsmarkt Outdoor Living. Während die Baubranche weiter vor Herausforderungen steht, prognostizieren Studien von IMARC und Marketgrowthreports für den Bereich des zusätzlichen Wohnraums im Freien ein Wachstum zwischen vier und 13 Prozent. Als Premiumhersteller möchte Hella sich in diesem Segment gezielt positionieren.
Als Innovationstreiber fungiere hierbei eine neue Generation eines Lamellendachs, das das Unternehmen im April 2026 erstmals auf einem Launch-Event in Stuttgart präsentiert. Die modulare Lösung setze auf Langlebigkeit sowie Reparaturfreundlichkeit und bietee zusätzliche Funktionalitäten wie integrierte Glas- oder Photovoltaik-Elemente.
Fließfertigung am Standort Werne
Ein weiterer Schritt in der Neuausrichtung ist die Umstellung auf Fließfertigung am deutschen Standort Werne. Diese Produktionsweise soll Durchlaufzeiten deutlich verkürzen und Einarbeitungszeiten für neue Mitarbeiter reduzieren. Die Basis dafür legte Hella bereits im Dezember 2025 durch die Anmietung zusätzlicher Fertigungshallen. Die Produktions- und Logistikfläche wuchs dabei um knapp 35 Prozent; das Unternehmen investierte zirka eine Million Euro. Der Umbau fand bei laufendem Betrieb statt und schuf nach eigenen Angaben zusätzliche Kapazitäten für Terrassendächer und Senkrecht-Markisen. Zudem ermögliche eine verbesserte logistische Anbindung eine deutlich schnellere Auslieferung.

Energieautarkie und Investitionen in Nachhaltigkeit
Parallel zur Produktions- und Sortimentsstrategie treibt Hella seine Nachhaltigkeitsziele voran. Die Konzernzentrale in Abfaltersbach produziert nach eigenen Angaben bereits heute mehr Energie, als sie verbraucht. Um diesen Zustand zu sichern, plant das Unternehmen für 2026 weitere Investitionen in die Energieinfrastruktur am Hauptstandort.
Dazu kommen Investitionen am deutschen Standort Geislingen. Dort investiert der Sonnenschutzspezialist rund 1,5 Millionen Euro in eine Dachsanierung und in Energieeffizienz. Eine neue Photovoltaik-Anlage soll dort künftig mehr als ein Drittel des Energiebedarfs abdecken. Das am Hauptstandort entwickelte Energiekonzept "Energie sparen, erzeugen und speichern" rollt Hella nach eigenen Angaben laufend auf weitere Standorte aus.
Umsatzziel: 200 Millionen Euro in zwei Jahren
Mit der Kombination aus Produktentwicklung, Kapazitätserweiterung und Energieoptimierung verfolgt Hella das Ziel, innerhalb der nächsten zwei Jahre die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro wieder zu überschreiten. „Das klare Ziel, wieder auf das Umsatzniveau unserer stärksten Jahre 2022 und 2023 zu kommen, ist gesetzt. Neues Wachstum gilt als Voraussetzung, um die Unternehmensstrukturen langfristig zu erhalten und weiterhin eine führende Rolle bei Innovationen und Marktanteilen im internationalen Wettbewerb zu spielen", sagt Kraler.