Interview Busch: "Stadt will Uni, Land will Streifen"

Was wünschen sich Kunden beim Markisentuch? Markilux hat mit seiner Textildesignerin Annette Busch über aktuelle Farbtrends, regionale Unterschiede in den Vorlieben sowie Tipps für die Kundenberatung gesprochen. Die Fragen waren mit sicht & sonnenschutz abgestimmt.

Textildesignerin Annette Busch gibt Einblicke in die Entwicklung von Markisenstoffen bei Markilux. - © Markilux

Frau Busch, wie sind Sie zur Textil- bzw. Markisentuchgestaltung gekommen und was fasziniert Sie an diesem Segment des Sonnenschutzes?

Annette Busch: Textildesign ist mein Traumberuf. Nach vielen Jahren im Bereich der Möbelstoffe bin ich 2004 zu den Schmitz-Werken gewechselt und habe dort meine Faszination für Markisenstoffe entdeckt. Diese Stoffe sind technisch hochanspruchsvoll und passen perfekt zu meinem beruflichen Hintergrund: Neben meinem Textildesign-Studium habe ich auch ein technisches Ingenieurstudium für Textilien abgeschlossen. Im Markisenstoffdesign kann ich beide Kompetenzen sehr gut miteinander kombinieren.

Wo holen Sie sich Inspiration und Ideen für neue Designs und Farben?

Ich besuche nationale und internationale Messen – nicht nur aus der Sonnenschutzbranche, sondern auch Möbel- und Interieurmessen. Gerade auch im Segment Gartenmöbel bekomme ich wertvolle Einblicke in aktuelle Trends. Darüber hinaus halte ich in vielen Bereichen die Augen offen, lasse mich u.a. in Museen, Ausstellungen und über verschiedene Social-Media-Kanäle inspirieren. Besonders wichtig ist mir auch der persönliche Austausch mit unseren Fachpartnern und Endverbrauchern in unseren Schauräumen, um Trends und Kundenwünsche direkt zu erleben.

Wie fließen Fassadenfarbe, Architekturstil und Außenraumgestaltung in die Tuchauswahl? Können Sie uns hierfür ein besonders gelungenes Beispiel geben?

Ein perfektes Beispiel hierfür ist die neue Fineline-Kollektion von Markilux. Dafür habe ich Fassadenmaterialien und Terrassenbeläge angeschaut, deren Strukturen, Texturen und Farben erforscht, und diese in textile Optiken umgesetzt. Auch Trends von Gartenmöbeln sind eingeflossen. So entstanden beispielsweise die Farbwelten Traube & Beere sowie Pistazie & Salbei.

Wie hat sich der Geschmack an Tuchfarben und -mustern im Lauf der vergangenen Jahrzehnte geändert?

Ich bin nun schon viele Jahre in der Branche tätig und erinnere mich daran, dass es früher undenkbar war, Markisenstoffe in den Farben Grau oder Schwarz zu weben. Heute sind das die Bestseller. Die Trendfarbforschung zeigt, dass sich die Farbvorlieben der Verbraucher oft gegenläufig zur wirtschaftlichen Entwicklung verhalten. Einfach gesagt: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wächst das Bedürfnis der Menschen, sich den Alltag mit Farbe zu verschönern und eine positive Atmosphäre zu schaffen.

Früher war es undenkbar, Markisenstoffe in den Farben Grau oder Schwarz zu weben."

Annette Busch

Was liegt aktuell im Trend?

Trends entwickeln sich in unserem Markt naturgemäß sehr langsam, da Markisen langlebig sind und viele Jahre am Gebäude bleiben. Entsprechend zurückhaltend agieren Verbraucher bei der Farbwahl und sind meist nicht so experimentierfreudig. Dennoch gibt es immer wieder Veränderungen. Aktuell sehe ich den Wandel von kühlen Grautönen hin zu mehr warmen Beige-, Sand- und Erdfarben. Gleichzeitig wächst das Interesse an sanften, weichen Farbtönen.

Wenn es um neue Designs und Farben geht: Wer bestimmt eigentlich, was im Trend liegt?

Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle. Viele Entwicklungen lassen sich schlicht an den Umsatzzahlen der einzelnen Farbgruppen ablesen. Festgelegte Trends, wie man sie früher kannte, gibt es heute kaum mehr, auch nicht in der Mode. Verbraucher entscheiden sich heute deutlich individueller. Dennoch orientieren sich manche nach wie vor primär an ihrem Umfeld, etwa daran, was der Nachbar gewählt hat. Auch aus dieser Mischung entstehen meine Ideen für produktspezifische Trends. Wichtig ist, dass eine Kollektion marktgerecht bleibt und nicht zu abstrakt internationalen Trendbewegungen folgt.

Beobachten Sie bei Tuchfarben und -mustern regionale Unterschiede in der Nachfrage?

Oh ja, sehr stark. Ich habe eine Marktforschungstour quer durch Deutschland gemacht und war überrascht, wie groß die Unterschiede oft sind. Im Norden werden beispielsweise andere Dessins und Farben gekauft als im Süden. In Städten werden häufig unifarbene Tücher bevorzugt, oft auch in Schwarz. In ländlicheren Gegenden sind nach wie vor Streifen beliebt, heute jedoch moderner interpretiert: Ton-in-Ton, etwas lebendiger, aber dennoch harmonisch ausbalanciert. Das macht es für die Kollektionsgestaltung nicht gerade einfach. Schließlich möchten wir am liebsten eine Kollektion erstellen, die in allen Regionen und auch international funktioniert.

Gibt es technische Grenzen, die Ihre Kreativität bremsen?

Beim Entwerfen von Markisenstoffen stehen technische Anforderungen klar im Vordergrund: Die Materialien müssen wetterbeständig sein und sich gut verarbeiten lassen. Genau darin liegt die große Herausforderung: Innerhalb der engen technischen Grenzen aus Stoffen, Farben und Materialien das Beste herauszuholen, macht für mich den besonderen Reiz aus.

Wie häufig und auf welchem Weg erhalten Sie Rückmeldung von Ihren Fachpartnern zu Wünschen und Trends der Endverwender?

Ich tausche mich so oft wie möglich mit unseren Fachpartnern aus. Einige kenne ich bereits seit vielen Jahren. Ihr Feedback ist für mich sehr wertvoll, auch wenn es mal kritisch ausfällt. Genau durch diese konstruktive Auseinandersetzung und dadurch, dass bestehende Stoffe immer wieder auf den Prüfstand gestellt und diskutiert werden, kann Neues entstehen.

Wenn ich in unseren Schauräumen in Berlin, Hamburg, Köln oder Lörrach bin, nutze ich außerdem sehr gerne die Gelegenheit, Interessierte selbst zu beraten. Dabei bekomme ich Rückmeldung aus erster Hand, das ist unschätzbar wichtiger Input für mich.

Wie eng arbeiten Sie mit dem Fachhandwerk zusammen, wenn neue Kollektionen entstehen?

Mit unseren Fachpartnern stehe ich in engem Austausch und schätze ihr Feedback sehr. Doch die konkrete Kollektionsarbeit erfolgt bei Markilux und bleibt bis zur Markteinführung intern und vertraulich.

Welche Fehler werden aus Ihrer Sicht bei der Tuchauswahl durch Endkunden am häufigsten gemacht? Wie kann das Fachhandwerk dem vorbeugen?

Ich würde in diesem Zusammenhang nicht von Fehlern sprechen. Entscheidend ist, dass Kunden sich darüber im Klaren sind, welchen Effekt das Tuch, die Tuchfarbe und die Lichtdurchlässigkeit für die Terrasse und den angrenzenden Wohnbereich haben. Beim Kauf sollte das Markisentuch daher unbedingt im Durchlicht betrachtet und gegen das Licht gehalten werden. Viele stellen sich ihre Markise zunächst nur aus der Distanz vor. Im Alltag verbringen sie jedoch die meiste Zeit darunter. Gerade deshalb ist die Farbwahl relevant: Sie beeinflusst die Stimmung und die Atmosphäre auf der Terrasse. Ein graues Tuch kann an sonnigen Tagen beispielsweise eine eher kühle oder gedämpfte Wirkung erzeugen. Letztlich zählt jedoch der persönliche Geschmack: Eine qualifizierte Beratung kann hier viel bewirken.

Beim Kauf sollte das Markisentuch unbedingt im Durchlicht betrachtet und gegen das Licht gehalten werden."

Annette Busch

Wie läuft bei Ihnen ein typischer Designprozess ab?

Der Designprozess verläuft in mehreren Phasen: von der Ideenfindung bis zum finalen Kollektionstuch. Die konzeptionelle Entwicklung beginnt mit einer intensiven Recherchephase. Ich entwickle Moodboards, digital und physisch, um meine Farbideen zu visualisieren. Dabei sind neben der optischen Wirkung auch Haptik und Struktur zentrale Gestaltungskriterien. Für die Fineline-Kollektion etwa lag der Fokus auf Baumaterialien, Farbtönen und Oberflächenstrukturen.

In der Umsetzungsphase entstehen mithilfe spezialisierter Textildesign-Software Gewebeentwürfe, in denen jeder einzelne Faden, jede Kreuzung und alle gewebespezifischen Eigenschaften exakt definiert werden. Diese digitalen Vorlagen bilden die Grundlage für Papierausdrucke und erste Designbewertungen. Nach einer ersten Auswahl werden Mustergewebe gefertigt. Das ist ein entscheidender Schritt, da sich der Farbeindruck und die Lichtwirkung von Markisentüchern nur im Originalmaterial realistisch beurteilen lassen. Die finale Auswahl trifft schließlich ein Gremium aus Design, Vertrieb und Technik. Anschließend wird das Tuch für die Produktion vorbereitet.

Was ist Ihr persönliches Lieblingstuchdessin? Und welches aus der neuen Kollektion?

Ein regelrechtes Lieblingsdessin habe ich nicht, ich mag aber farblich frische, strukturierte Unis. Auch aus der neuen Fineline Kollektion gefällt mir am besten das helle, salbeigrüne Strukturuni. Das ist eine Farbe, die Natürlichkeit, Frische und Freundlichkeit ausstrahlt. Durch die Gewebestruktur erhält der Stoff zusätzliche Tiefe und eine schöne Lebendigkeit.

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    © Markilux
    Die Farbwelt Sand & Toffee spiegelt den aktuellen Trend zu warmen Beige-, Sand- und Erdtönen wider.
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    © Markilux
    Haptik und Struktur prägen die Gestaltung: Die Farbpalette Sand & Toffee orientiert sich an warmen Tönen der Erde, goldenen Sandstränden und den sanften Farbschattierungen von Steinen und Hölzern.
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    © Markilux
    In die Farbwelt Pistazie & Salbei fließen aktuelle Trends von Gartenmöbeln ein. Frische Kräuter, Topfpflanzen und dezente Accessoires in Terrakotta oder Naturtönen runden das Bild ab.