Terrassenwelten Merz aus Papenburg an der Ems hat den Ausbildungspreis 2025 des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz (BVRS) gewonnen. Im Interview sagt Inhaber Frank Merz, was hinter dem Erfolgskonzept steckt – und wie Fachbetriebe eine starke Arbeitsgebermarke aufbauen.
siso: Herr Merz, Sie haben den Ausbildungspreis 2025 des BVRS gewonnen, was zeichnet Ihr Konzept aus?
Frank Merz: Wir haben kein Konzept aus dem Lehrbuch. Wir leben Ausbildung. Und das seit Jahren. Bei uns beginnt Ausbildung nicht mit einem Händedruck am ersten Tag, sondern mit echter Einbindung ins Team. Unsere Azubis gehören vom Start an zum Team M – mit allem, was dazugehört: Verantwortung, Rückhalt, handfester Förderung und natürlich auch einem Platz bei jeder Teamfeier. Nähe ist bei uns kein Schlagwort, sondern Alltag: Unsere Ausbilderinnen und Ausbilder begleiten die jungen Leute persönlich, ehrlich, und manchmal auch mit einem lockeren Spruch auf den Lippen, denn Humor gehört im Handwerk genauso dazu wie Genauigkeit. Wir schauen hin, hören zu und lassen niemanden allein vor einer Herausforderung stehen.
Gleichzeitig nehmen wir auch die Lebensrealität der Jugendlichen ernst: Wir übernehmen die Handykosten, unterstützen beim Führerschein, zahlen die Unterbringung an der Berufsschule. Nicht, weil wir spendabel sein wollen – sondern weil wir wissen: Wer sich keine Sorgen um Nebenschauplätze machen muss, kann sich aufs Wesentliche konzentrieren – lernen, wachsen, mitgestalten. Und ja, manchmal fragen wir uns selbst, wie wir das alles unter einen Hut kriegen. Aber irgendwie klappt es. Vielleicht, weil wir einfach Spaß an der Sache haben.
siso: Was empfehlen Sie Ihren Berufskollegen im Bundesgebiet in Sachen Employer Branding?
Employer Branding ist ja so ein schönes Buzzword. Klingt nach Hochglanzbroschüre, Agentur und Karriere bei XY im Instagram-Feed. Kann man alles machen – hilft aber wenig, wenn es innen nicht zu dem passt, was man außen verspricht. Unsere Empfehlung? Bleibt authentisch. Redet mit Euren Auszubildenden. Nehmt sie ernst. Keiner erwartet, dass jeder Betrieb aussieht wie Google.
Aber wenn das Betriebsklima stimmt, die Aufgaben Sinn machen, und die jungen Leute spüren, dass sie nicht nur irgendein Azubi sind, dann habt ihr schon halb gewonnen. Bei uns steht Teamgeist über Titel, Verantwortung über Hierarchie. Wir versuchen nicht, jugendlich zu wirken – wir hören ihnen lieber zu. Wir reden Klartext, fördern Stärken, akzeptieren Fehler und feiern Erfolge gemeinsam. Kurz gesagt: Gutes Employer Branding beginnt nicht mit einem Logo, sondern mit Haltung. Und die darf man ruhig sehen – auch ohne Filter.
siso: Ihre Auszubildenden haben mehrfach Preise gewonnen – wie gelingt es Ihnen, immer so gute Absolventen hervorzubringen?
Wir sind natürlich stolz wie Bolle – aber wir sehen die Preise eher als Nebeneffekt. Denn: Wir erziehen keine Pokaljäger, sondern gute Handwerkerinnen und Handwerker. Das fängt bei den Grundlagen an: Unsere Azubis kriegen bei uns nicht nur einen Werkzeugkoffer, sondern vor allem Vertrauen, Struktur und Nähe. Wir sind immer im Austausch, reflektieren gemeinsam, geben Freiraum, wo es passt und Unterstützung, wo es nötig ist. Und dann passiert es manchmal ganz von selbst: Alina Koszla schließt in nur 18 Monaten als Landesbeste ab, macht den Meistertitel und kehrt zu uns zurück, heute steht sie kurz vor der Geschäftsleitung. Hauke Bunger wird erst Landessieger, dann Bundessieger – der beste Rollladen- und Sonnenschutztechniker Deutschlands. Und Tim Jaeschke liefert 2024 das beste Gesellenstück in Iserlohn ab.

