Dynamische Fassaden passen sich Umweltbedingungen an und verbessern somit die energetische Performance von Gebäuden. Mehrere Vorträge der Advanced Building Skins Conference, die Anfang November 2025 in Bern stattfand, stellten dynamische Fassadenkonzepte vor.

Die Präsentationen von Saint-Gobain Sage Glass, Bartenbach und der University of Strathclyde (Glasgow) konzentrierten sich auf die Bewertung dynamischer Verschattungssysteme hinsichtlich Performance, Betriebs- und Investitionskosten sowie Nutzerakzeptanz. Exemplarisch für diesen Ansatz stehen zwei neue entwickelte Fassadenlösungen, die auf der Advanced Building Skins Conference vorgestellt wurden und den Nutzerkomfort und die Energieeffizienz des Gebäudes erhöhen, teilweise sogar Energie produzieren.
Flectoline verbindet Verschattung, Tageslicht und Photovoltaik
Stephan Moser von der Firma Hella und Matthias Ridder von der Universität Stuttgart stellten mit Flectoline ein adaptives Fassadensystem aus faserverstärktem Kunststoff vor. Das System kombiniert dynamische Verschattung, Tageslichtsteuerung und photovoltaische Energiegewinnung.
Die Integration von PV-Modulen in bewegliche Fassadenelemente stellt dabei besondere Anforderungen an die Gebäudeautomation, da die Steuerung mehrere, teils konkurrierende Zielgrößen gleichzeitig optimieren soll. Zu diesen zählen die Einhaltung ausreichender Tageslichtniveaus, die Vermeidung von Blendung, der Schutz vor Überhitzung sowie die Maximierung des photovoltaischen Energieertrags.
Ein integriertes Steuerungskonzept ist das Kernstück von Flectoline. Es basiert auf simulationsgestützten Analysen und erfasst unterschiedliche Öffnungswinkel der Fassadenmodule. Sensoren an der Fassade ermöglichen eine kontinuierliche Rückkopplung, so dass Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Zustand in Echtzeit korrigiert werden können. Durch die intelligente Verknüpfung von Tageslichtsteuerung, thermischem Komfort und Energieerzeugung kann der Bedarf an aktiver Kühlung reduziert und gleichzeitig Energie erzeugt werden.
Bewegung am Markt für elektrochromes Glas
Neben dynamischen Komponenten an der Außenfassade befasste sich ein weiterer Aspekt der Konferenz mit dynamischen Elementen in der Fassade. Konkret ging es um elektrochromes Glas. Dynamisches Glas für Licht- und Wärmemanagement konnte sich bisher am Markt nicht durchsetzen. So haben sich im Jahre 2024 mehrere der großen dynamischen Glashersteller vom Markt zurückgezogen, zum Beispiel Eyrise (Merck) Halio (ehemals AGC) und das amerikanische Unternehmen View.
Bei der Konferenz in Bern waren daher nur noch drei Hersteller von dynamischem Glas vertreten. Neben Saint-Gobain Sage Glass und dem amerikanischen Unternehmen Gauzy präsentierte sich ein neuer Anbieter: das schwedische Unternehmen Chromogenics. Es liefert fertiges dynamisches Glas bzw. seine elektrochromen Folien an die Glasindustrie, die diese dann zu fertigen Glaslösungen weiterverarbeitet.
Converlight ist die von Chromogenics entwickelte folienbasierte dynamische Verglasung. Durch Laminieren einer elektrochromen Folie in das Glas ist die Dreifachverglasung mit folienbasierter dynamischer Funktion in ihrer Klimabilanz nahezu gleichwertig mit einer Standardverglasung, bietet jedoch den Mehrwert eines integrierten, dynamischen Sonnenschutzes.

Die eingesetzte Converlight-Folie besteht aus mehreren extrem dünnen PET-Folien, die mit elektrochromen Materialien beschichtet werden. Die Beschichtung erfolgt in großen Roll-to-Roll-Beschichtungsanlagen, die es erlauben, bis zu 1.500 Meter PET-Folie in einem einzigen Durchgang zu verarbeiten. Funktional arbeitet die elektrochrome Folie wie eine dünne Batterie. Wird sie geladen, dunkelt sie ab. Beim Entladen wird sie wieder transparent. Der Energiebedarf ist dabei gering und liegt bei 0,05 W/m², und dies auch nur während des Umschaltvorgangs.
Elektrochrome Verglasung in Praxis bereits bewährt
Die Kombination aus hoher energetischer Performance und minimalem CO₂-Mehraufwand war ausschlaggebend dafür, dass die Firma Skanska bei der Realisierung eines ihrer Projekte Converlight eingesetzt hat. "Die architektonische Gestaltung des Gebäudes stellte eine besondere Herausforderung dar", erklärte Fredrik Fränding, CEO von Chromogenics, in Bern. "Das Gebäude hatte gebogene Eckverglasungen, was für den Einsatz einer flexiblen Folie sprach."
Die Präsentationen verdeutlichten laut den Veranstaltern der Konferenz einen klaren Paradigmenwechsel in der Fassaden- und Gebäudeplanung: Weg von statischen, eindimensional optimierten Lösungen hin zu dynamischen, nutzerzentrierten und ganzheitlich bewerteten Systemen. Solche Verschattungskonzepte reduzieren solare Spitzenlasten, wodurch HVAC-Systeme kleiner dimensioniert werden können. In bestimmten Fällen könne sogar vollständig auf aktive Kühlung verzichtet werden.
Somit bieten sie erhebliches Potenzial zur Reduktion von Energieverbrauch, verbessern gleichzeitig Komfort und Wohlbefinden und eröffnen neue architektonische Freiheiten. Voraussetzung für ihren erfolgreichen Einsatz sei jedoch eine interdisziplinäre Planung, die technologische Leistungsfähigkeit, Nutzerakzeptanz, gestalterische Qualität und Lebenszyklusbetrachtungen gleichermaßen berücksichtigt.