Seit fast 100 Jahren behauptet sich Büscher Sonnenschutz erfolgreich am Markt. Mit Geschäftsführerin Imke Röwer sprachen wir über den neuen Unternehmensstandort, die Partnerschaft mit der italienischen MV Line Group sowie aktuelle Produktinnovationen.

Büscher blickt auf eine fast 100-jährige Firmengeschichte zurück. Was macht den Erfolg des Unternehmens aus?
Imke Röwer: Büscher wurde im Jahr 1929 als Rollofabrik in Bielefeld gegründet und hat den Fachhandel in Deutschland mit innovativen Produkten beliefert. In den darauffolgenden Jahrzehnten sind wir kontinuierlich gewachsen – durch Zukäufe, Standortexpansionen sowie die sukzessive Erweiterung unserer Produktpalette, darunter vertikale Lamellenvorhänge, Jalousien und Markisen.
Ein weiterer Meilenstein war 1989 der Start der Plissee-Produktion in Göttingen. Zwischen 2010 und 2015 haben wir den kompletten Unternehmenssitz nach Göttingen verlagert. Heute decken wir als Vollsortimenter sämtliche Bereiche vom innen liegenden über den außen liegenden Sonnenschutz bis hin zum Insektenschutz ab. Über viele Jahre hinweg haben wir auch Produkte wie Markisen und Raffstores selbst konfektioniert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind strategische Entscheidungen jedoch unerlässlich.
Da unsere Wurzeln im innen liegenden Sonnenschutz liegen, haben wir uns darauf fokussiert, diese Systeme konsequent weiterzuentwickeln. In den Segmenten Raffstores und Markisen kooperieren wir mit Partnern, die in ihren Bereichen Profis sind. Genau diese Kombination aus traditioneller Handwerkskunst, innovativer Maschinentechnologie und Topqualität macht unseren Erfolg aus.
"Da unsere Wurzeln im innen liegenden Sonnenschutz liegen, haben wir uns darauf fokussiert, diese Systeme konsequent weiterzuentwickeln."
Imke Röwer, Büscher Sonnenschutz
Ende 2024 erfolgte erneut ein Standortwechsel, und zwar von Göttingen ins rund zehn Kilometer entfernte Dransfeld – warum?
Imke Röwer: Durch den Standortwechsel konnten wir unsere Produktionsfläche von rund 4.000 auf 8.000 Quadratmeter verdoppeln. Dafür wurden zwei Bestandsgebäude in Eigenregie umfassend saniert – ohne Produktionsunterbrechung. In Dransfeld sind die Rahmenbedingungen optimal: Die Logistik funktioniert reibungslos, und es gibt noch freie Kapazitäten für weiteres Wachstum.
Zudem haben wir nicht nur in die Gebäude investiert, sondern auch in moderne Maschinentechnik, eine zeitgemäße Ausstattung und einen neuen Showroom. Damit sind wir zukunftsfähig aufgestellt – und auf der Zielgeraden, die letzten Arbeiten am neuen Standort in Kürze erfolgreich abzuschließen.
Seit Mitte 2024 gehört Büscher zur MV Line Group. Was waren die Beweggründe für diesen strategischen Schritt?
Imke Röwer: Fast 40 Jahre lang waren wir Teil der Unternehmensgruppe Dr. Zwissler AG. Mit dem Verkauf der Gesellschaftsanteile an die MV Holding ist für Büscher eine neue Ära angebrochen – wir freuen uns sehr über diesen strategischen Schritt. Die Gruppe blickt auf eine mehr als 30-jährige erfolgreiche Entwicklung zurück und ist Marktführer in Italien – mit aktuell rund 550 Mitarbeitern an sechs Standorten in Italien und Spanien sowie einem Umsatz von rund 180 Millionen Euro im Jahr.
Zum Portfolio gehören Sonnenschutzsysteme für den Innen- und Außenbereich, darunter Markisen, Pergolasysteme und Rollläden sowie Insektenschutz. Ein Vorteil ist die hohe Fertigungstiefe – die Systeme, Profile und Komponenten werden in eigenen Werken produziert. Zudem hat MV Line eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung.
Wo sehen Sie die größten Synergieeffekte in der Zusammenarbeit?
Imke Röwer: Die Zugehörigkeit zur MV Line Group ist für uns ein großer Gewinn, weil wir mit einem Gesellschafter zusammenarbeiten, der direkt aus unserer Branche kommt. Das eröffnet uns starke Synergieeffekte. Wir wählen gezielt Topprodukte aus, die für den deutschen Markt interessant sind und die es hier in dieser Form bislang nicht gibt. Der Vorteil: Diese Systeme sind patentiert und stehen für höchste Qualität. Wir beziehen die Komponenten, Profile und Zubehör von MV Line und fertigen die Produkte in unserem Werk – so können wir unseren Fachpartnern ein erweitertes Sortiment anbieten. Zudem profitieren wir von der hohen Fertigungstiefe sowie der eigenen Forschung und Entwicklung. Aber die Partnerschaft wirkt in beide Richtungen. Denn gleichzeitig können wir unsere Produkte über die Vertriebsstrukturen von MV Line auch international platzieren. Die Gruppe ist nicht nur in Italien aktiv, sondern weltweit. Den Anfang machen wir mit Plissees, im nächsten Schritt folgen weitere Lösungen wie Duette Wabenplissees.
Welche Produktinnovationen konnten Sie unter dem Dach von MV Line realisieren?
Imke Röwer: Mit der Büscher Line haben wir eine innovative Produktlinie eingeführt, die es so am deutschen Markt noch nicht gibt. Dazu zählt das Rollladensystem Orienta, das die Vorteile eines klassischen Rollladens mit der variablen Lichtlenkung einer Jalousie vereint. Jede Lamelle öffnet sich nach außen und bietet Sichtschutz sowie Belüftung, ohne Einblicke von außen zu gewähren. Dank drehbarer Lamellen lässt sich das Tageslicht flexibel dosieren.
"Mit der Büscher Line haben wir eine innovative Produktlinie eingeführt, die es so am deutschen Markt noch nicht gibt."
Imke Röwer, Büscher Sonnenschutz
Neue Maßstäbe im Insektenschutz setzt die Modellreihe Bora. Die patentierte Insektenschutztür bietet zuverlässigen Schutz vor Insekten, einen Federmechanismus zum seitlichen Aufrollen und hohe Windbeständigkeit. Der Bajonettverschluss ermöglicht zudem die einfache Montage und Demontage des Behangs, um das System einfach während der Winterzeit einzulagern. Weiteres Topprodukt ist das Rollladensystem Sekurclim mit mikroperforierten Lamellen, das die Helligkeit im Raum reguliert, eine optimale Belüftung gewährleistet und zertifizierten Einbruchschutz nach Klasse 2 bietet. Zudem verhindert die Mikroperforierung das Eindringen von Insekten.
Wie ist das Geschäftsjahr 2025 bislang für Ihr Unternehmen verlaufen?
Imke Röwer: 2025 konnten wir im Vergleich zum Vorjahr bei Produktgruppen wie Plissees, Rollos, Insektenschutz und Jalousien wieder Umsatzzuwächse verzeichnen. Diese positive Entwicklung deutet darauf hin, dass der Abwärtstrend der vergangenen Jahre gestoppt ist und eine schrittweise Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage einsetzt. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Gesamtnachfrage in Deutschland verhalten. Insbesondere der private Konsum und die Bauwirtschaft entwickeln sich nach wie vor schwach und dämpfen die wirtschaftliche Dynamik. Die Erholung ist damit zwar erkennbar, verläuft jedoch noch auf einem niedrigen Niveau und bleibt von strukturellen Herausforderungen begleitet. Im Außensonnenschutz ist der Absatz weiterhin verhalten. Die Markisenumsätze bewegen sich auf Vorjahresniveau. Deutlich schwächer zeigt sich dagegen das Raffstore-Geschäft.
Wann rechnen Sie mit einer Erholung der Baukonjunktur? Wo sehen Sie Büscher Sonnenschutz mittelfristig?
Imke Röwer: Wir rechnen damit, dass sich die Baukonjunktur ab 2026 allmählich erholt. Denn Wohnungen werden dringend gebraucht – sowohl im Neubau als auch im Bestand. Zwar haben hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und fehlende Förderprogramme in den vergangenen Jahren viele Projekte gebremst, aber der Nachholbedarf ist groß. Wenn geplante Förderpakete der Bundesregierung greifen, wenn Sanierungsstaus bei öffentlichen Gebäuden und im Wohnungsbau konsequent angegangen werden und die Menschen wieder mehr Zuversicht gewinnen, kommt auch wieder Bewegung in den Markt.
"Wir rechnen damit, dass sich die Baukonjunktur ab 2026 allmählich erholt."
Imke Röwer, Büscher Sonnenschutz
Für die Sonnenschutzbranche bedeutet das: Kurzfristig stehen Bestandsgebäude im Mittelpunkt – vor allem auch unter dem Aspekt der Energieeffizienz. Mittel- bis langfristig erwarten wir aber eine deutliche Belebung in allen Segmenten, denn das Sparvermögen in Deutschland ist hoch, es fehlt aktuell nur die Investitionssicherheit. Sobald sich die Rahmenbedingungen stabilisieren, wird wieder mehr gebaut und modernisiert, und davon wird die gesamte Bauwirtschaft profitieren.
Wir bei Büscher sind weiterhin mit Herzblut bei der Sache und sehen uns mittelfristig gut positioniert. Auf unsere Produktneuheiten gab es bereits sehr positives Feedback – ein klares Signal, dass der eingeschlagene Kurs richtig ist. Wir bleiben flexibel, investieren in neue Produkte und Vertriebskanäle und begleiten unsere Fachpartner aktiv durch diese Phase, damit wir gemeinsam vom Aufschwung profitieren.
Das vollständige Interview lesen Sie in der sicht & sonnenschutz 9-10/2025.