Mentale Gesundheit für Führungskräfte Sich selbst richtig managen

Neben klassischen Themen wie Digitalisierung, Vertrieb, Organisation und Human Resource Management gewinnt vor allem das Thema mentale Gesundheit an Bedeutung. Mariam Tanno, Expertin im Bereich Mitarbeitergesundheit, erklärt in einer neuen Artikelreihe, worauf Führungskräfte achten sollten, um körperlich wie geistig gesund zu bleiben.

Als Führungskraft ist es wichtig, einen klaren Fokus zu setzen und herausfordernde Situationen zu reflektieren. - © leungchopan/Adobe Stock

Mariam Tanno beschäftigt sich mit Themen rund um die Gesundheit in Führungspositionen. Gemeinsam mit sicht & sonnenschutz beleuchtet sie in einer Artikelreihe verschiede Aspekte des Themengebiets. „Die Zeiten sind vorbei, in denen es ausreichte, Führungskräften etwas vom Pflegen eines gesunden Lifestyles vorzubeten“, sagt die Expertin im Bereich Mitarbeitergesundheit. Diese Folge behandelt das Thema Selbstmanagement in Führungspositionen.

Selbstmanagement wird immer wichtiger

Laut dem Institut für Führungskultur ist der Fokus auf Selbstmanagement im digitalen Zeitalter relevant, um erfolgreich am Markt agieren zu können. Das Führungsverhalten werde sich in den nächsten Jahren massiv verändern müssen, da Strukturen, Abläufe, aber auch Ansprüche seitens der Mitarbeitenden komplexer geworden seien. „Der Arbeitsdschungel bietet viele neue Möglichkeiten für innerbetriebliche Maßnahmen zur mentalen Gesunderhaltung“, sagt Tanno. Doch wie kann das bisherige Wissen eine realistische und umsetzbare Praxis im Arbeitsalltag einer Führungskraft finden?

Die Herausforderungen sind tieferliegend und gewinnen, vor dem Hintergrund stetig steigender Burn-out-Zahlen, auch im wissenschaftlichen Kontext immer mehr an Bedeutung.

Stressmanagement in der Führungsebene

Grundsätzlich steht bei Stressmanagement in der Führungsebene der Aspekt der Selbstführung an allererster Stelle. Zu den Aufgaben einer Führungskraft gehört es, Mitarbeiter anzuleiten, zu managen, zu kommunizieren, als Vorbild zu agieren und Probleme zu lösen. Auch eigene Sorgen und Befürchtungen können das Handeln in der Rolle als Führungskraft beeinflussen. „Daher muss auch die Führung unweigerlich mit den eigenen Stärken und Schwächen vertraut sein, um daraus resultierende Ressourcen bewusst in eine moderne Unternehmensführung einbinden zu können. Dieser Schritt erfordert Mut und nicht jeder Teamleiter hat die Kraft, diesen Schritt zu gehen“, sagt Tanno.

Stressmanagement am Praxisbeispiel

Ein Beispiel aus der Praxis: R. M. hat vor vielen Jahren den Betrieb seines Vaters in dritter Generation übernommen und führt 29 Mitarbeiter. Die technologische Entwicklung und agilen Möglichkeiten brachten viele Chancen, sich auf dem Markt zu positionieren und Wettbewerbsvorteile zu nutzen. R. M. merkt auch, dass die betriebliche Gesundheit einen Bereich darstellt, bei dem zunehmend Handlungsbedarf besteht. Das Wohl seiner Mitarbeiter ist ihm sehr wichtig und er versucht stets ein gesundes Bewusstsein dafür zu pflegen – was ihm Jahr für Jahr schwererzufallen scheint.

Grund dafür ist, dass Lebenswelten der Mitarbeiter komplexer werden, sich interpersonale Konflikte mehren und persönliche Ressourcen zu schwinden scheinen. R. M. möchte folglich das Thema Gesundheitsförderung angehen und bei sich anfangen, nur wie? „Der wichtigste Faktor ist zunächst die Selbstbeobachtung. Diese Wahrnehmung zu schulen, achtsam zu sein, mit den eigenen Bedürfnissen und den damit zusammenhängenden Grenzen umzugehen, kann anfangs schwer sein“, betont Tanno. „Alte Verhaltensmuster müssen dafür aufgebrochen werden, damit neue Gewohnheiten ihren Platz im Alltag finden können.“ Das Gehirn brauche eine intrinsische Motivation, um Maßnahmen zur Stressreduktion nicht nur zu kennen, sondern auch anzuwenden und zu etablieren.

Gesundheitsmanagement Schritt für Schritt

Den wichtigsten Schritt habe R. M. bereits getan. „Er sieht die Notwendigkeit seiner psychischen Gesunderhaltung und die eigene Vorbildfunktion. Wenn die Bereitschaft zur Selbstreflexion und der Mut zur Veränderung gegeben sind, lassen sich als Nächstes ein konkretes Nah- und ein Fernziel formulieren“, sagt Tanno. Das könnte z.B. so aussehen:

  • Stressor: Ich habe beruflich Schwierigkeiten, emotional unbefangen Entscheidungen zu treffen, und fühle mich dadurch gestresst.
  • Nahziel: Ich möchte in den kommenden drei Monaten lernen, eine professionelle Distanz in meiner Führungsbeziehung zu pflegen. Wodurch schwierige Entscheidungen für mich weniger Stress auslösen.
  • Fernziel: Ich habe zu einer gesunden Führungskompetenz gefunden, in der sich eine gute Beziehungsqualität und Effektivität nicht ausschließen und in der ich stressfrei sowie fokussiert führen kann. Ich habe meine Schwächen und Ressourcen besser kennengelernt und kann diese optimal in die Unternehmensführung einbinden.

„Lediglich drei von zehn Menschen schreiben ihre Ziele auf. Die Verschriftlichung ist aber essenziell für die Ordnung der Gedanken und das Training des Gehirns“, sagt Tanno. Ob als kleiner Notizblock to go oder Tagebuch für zu Hause – der Ballast müsse heraus aus dem Kopf.

Weitere Methoden zur Stressreduktion

Dieses Niederschreiben lasse sich auch für andere Bereiche der Selbstführung nutzen. So können z.B. Tagespläne dabei helfen, realistische Tagesziele zu setzen, um diese rückblickend abzuhaken. Das unterstützt die Selbstwirksamkeit. Daneben können auch akute Methoden zur Stressreduktion notwendig sein, wie Entspannungstechniken, Kommunikationstechniken und Know-how über Frühwarnzeichen von Überlastungszuständen.

www.mariamtanno-gesundefuehrung.de

Über die Autorin

Mariam Tanno, Expertin im Bereich Mitarbeitergesundheit

Mariam Tanno vereint Praxis und Theorie. Nach jahrelanger Kommunikationserfahrung in verschiedenen Bereichen wie Projektleitung in der Klinik für Psychiatrie Bonn, Moderation ethischer Fallbesprechungen und Dozententätigkeit bietet die Expertin Führungskräfteseminare mit dem Schwerpunkt Stressmanagement und Burnoutprävention durch gesunde Kommunikation an.

E-Mail: info@mariamtanno.de

Homepage: www.mariamtanno-gesundefuehrung.de

Instagram: https://instagram.com/mariam­_tanno

Nachfolgende Artikel:

Folge 2: Burn-out

Folge 3: Achtsamkeit & Meditation

Folge 4: Lifestyle (Brainfood, Bewegung, Schlafhygiene)