Selve verbessert Motorfertigung Solzbacher: "Für unsere Kunden sind wir noch besser aufgestellt."

Mit Selve Total hat der Antriebsspezialist Selve ein Projekt initiiert, bei dem alle Prozessabläufe optimiert werden. Am weitesten fortgeschritten ist der Bereich Produktion – davon zeugt die jüngst umgebaute Motorfertigung in Lüdenscheid, die eine Kapazitätssteigerung um mehr als 30 Prozent ermöglicht.

Selve prozessoptimierter Fertigungsablauf
Selve Projektleiter Marc Solzbacher (re.) und Björn Langer (Leiter Motorfertigung) setzten mit dem interdisziplinären Projektteam großflächige Veränderungen und einen prozessoptimierten Fertigungsablauf um. - © Selve

Selve Total widmet sich den vier Teilprojektbereichen Administration, Produktion, Bestandsmanagement und Logistik. Das Projekt beleuchtet sämtliche Prozesse und Teilaspekte – von der Bestellung bis zur Anlieferung der Ware beim Kunden. Entlang der Wertschöpfungskette macht sich der Antriebsspezialist somit fit für die Herausforderungen von morgen. Die damit verbundenen Veränderungen und Maßnahmen werden das Unternehmen noch die nächsten Jahre begleiten. Die Lean-Produktion wurde bereits vor mehr als einem Jahrzehnt eingeführt. Heutzutage fertigt Selve aber mehr Antriebe und noch mehr unterschiedliche Varianten als je zuvor – Tendenz steigend.

Investition in neue Anlagen und Maschinen

"Das neue Konzept und Design der Motorfertigung war ein enormer Kraftakt", sagt Projektleiter Marc Solzbacher, der bei Selve für KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) und Lean-Management verantwortlich ist. Dafür galt es, in der Fertigungshalle bei laufendem Betrieb die Arbeitsabfolgen und jeden Arbeitsschritt auf neue Füße zu stellen. Zugleich hat das Unternehmen bisher allein rund 700.000 Euro in zusätzliche Anlagen und Maschinen für die Motorfertigung investiert. „Unsere Maßnahmen zielten auf eine deutliche Erhöhung der Kapazität und Flexibilität ab, um Kundenanforderungen und unserem weiteren Wachstum gerecht zu werden“, erläutert der Projektleiter. Mit einer Kapazitätssteigerung von mehr als 30 Prozent sei das gelungen.

Zykluszeit um die Hälfte reduziert

Mehr noch: „Jetzt sind wir in der Lage, in jeder Fertigungslinie schneller einen Antrieb zu produzieren – die Zykluszeit wurde um die Hälfte reduziert“, hebt Solzbacher hervor. Ermöglicht wird dies durch ein neu konzipiertes Line Design sowie ein überarbeitetes Hallenlayout. Dem Lean-Ansatz folgend, wurden auch Verschwendungen aller Art, z.B. bei zu langen Arbeitswegen, vermieden. Anhand eines Musterarbeitsplatzes spielte das Projektteam im Vorfeld alle Arbeitsabläufe im Detail durch. So wuchs ein neues Bild der Motorfertigung heran. Das Resultat seien heute vier Fertigungslinien mit insgesamt acht Prüfständen – bei signifikanter Flächenreduzierung.

Zwei Mitarbeiter arbeiten nun taktoptimiert in einer solchen Linie. Um hier effektiver agieren zu können, wurde zuvor auch jeder Antrieb in Einzeloperationen zerlegt und mit Zeitwerten belegt. „Danach wurden die Arbeitsfolgen aufgrund der erforderlichen Kundentaktzeiten optimiert und Arbeitsinhalte neu verteilt, sodass als Ergebnis ein prozessoptimierter Fertigungsablauf pro Antriebsvariante entstanden ist“, erklärt der Projektleiter. Dabei werde auch jeder Prüfzyklus live verfolgt. Die Ergebnisse werden artikel- sowie linienbezogen abgespeichert, um die Fertigungsprozesse besser austakten und planen zu können. "Über Shopfloor Boards können wir jederzeit sehen, wo wir im täglichen Produktionsverlauf stehen und was die Prioritäten sind“, beschreibt er.

Neuer Platz für weitere Projektierungen

Seit vergangenem Jahr sind zwei zusätzliche Prüfstände, ein neuer halbautomatischer Getriebeautomat sowie ein Bremsenautomat im Serieneinsatz. Ende 2022 gesellt sich zusätzlich ein neuer Bremsenautomat hinzu. Auf der gleichen Produktionsfläche wurde zudem Raum für einen neuen Ausweich- bzw. Sondergetriebe-Arbeitsplatz geschaffen. „Insgesamt konnten wir durch die Umstellung der Anlagen und ihre Integration in die Motorfertigung über 160 Quadratmeter für angrenzende Fertigungsbereiche frei machen“, so Solzbacher. Das schaffe in der Produktionshalle neuen Platz für weitere Projektierungen und zusätzliche Veränderungen.

Mit dem Umbau der Bremsenfertigung wurde in Lüdenscheid bereits begonnen, ebenso wird der Sonderbereich, wo spezielle Antriebe für Kunden sowie Motoren der Baureihe 3 produziert werden, umstrukturiert. Darüber hinaus soll auch der Versandbereich der Motorfertigung bis Mitte dieses Jahres optimiert werden. Aufsetzend auf all diesen Veränderungen stehen in den anderen Teilprojekten von Selve Total noch weitere Themen und Aktivitäten an: In den Bereichen Administration, Logistik und Bestandsmanagement werden Verbesserungspotenziale im Sinne der Kunden identifiziert und in konkrete Maßnahmen überführt.