Die Bauen Immobilien Garten, kurz B.I.G., ist eine der großen norddeutschen Regionalmessen rund um die Immobilie, die vor allem von angehenden Bauherren und Sanierern gern für einen Besuch genutzt wird. Zirka 250 Aussteller nutzten Ende Januar die Plattform, um ihre Produkte und Leistungen zu präsentieren. Doch die Tendenz ist stark rückläufig.
Zu den Ausstellern zählten Fensterbaubetriebe, Handwerksunternehmen, Sonnenschutzhersteller, das Landeskriminalamt und andere mehr. Das Produktspektrum reichte von energieeffizienten Dachfenstern bis zu speziell geschweißten Regenrinnen für Wintergärten über Energieberatungen und Sicherheitstechnik.
Bauelemente-Hersteller Biffar, dessen Vertrieb bundesweit über regionale Niederlassungen abgewickelt wird, sieht für sich eine steigende Nachfrage vor allem bei digitalen und SmartHome-fähigen Lösungen. Seit zirka zwei Jahren habe dieses Thema bei den Verbrauchern eine eigene Dynamik entwickelt. Vor allem in der Altersgruppe zwischen 30 und 40 würden Kunden auf digitale Türspione oder Fingerprint-Sensoren an der Haustür setzen; beim älteren Kundenkreis stünden solche Lösungen aber noch lange nicht im Fokus.
Rollläden individuell bedrucken
Unter dem Motto "Schluss mit Grau" zeigte der Langenhagener Hausausbau-Betrieb Heuer von innen und außen bedruckbare Rollläden – eine Eigenentwicklung mit Namen Art Roll. "Wir bedrucken Rollläden mit jedem möglichen Motiv – Urlaubsfotos, Panoramabilder oder aber mit Werbemotiven für gewerbliche Kunden", erklärt Mitarbeiter Lars Scharnhorst. So müsse man abends, wenn die Rollläden heruntergelassen seien, nicht mehr auf die triste graue Fläche des Behangs schauen, "ein Anblick wie ein Panzerschrank", und könne sich stilvoller und individueller umgeben. Von außen empfiehlt er Privatleuten, die Rollläden beispielsweise farblich auf die Fassade abzustimmen. Eine weitere Eigenentwicklung der Langenhagener stellt der KlimaSafe-Rollladen dar, der als thermische Barriere bis zu 20 Prozent Energie einspare und zugleich als stabile Hochschiebesicherung zur Einbruchshemmung agiere. Auch hier sei die Nachfrage sehr hoch.
Kleine Betriebe profitieren
Tolga Spang vom Bauelemente-Montageservice Troja aus Pattensen ist mit der Messe als Vertriebsform hochzufrieden: "Der Zeitpunkt der Messe zu Jahresbeginn ist perfekt – wir gehen hier jedes Jahr mit vollen Auftragsbüchern nach Hause und müssen uns die übrigen Monate nicht mehr um Aufträge kümmern." Sein Betrieb bietet Fenster, Haustüren, Markisen, Terrassenüberdachungen und mehr; ein Schwerpunkt liegt explizit in der Montage. Dass die Besucherzahlen zunächst zu wünschen übriglassen, erklärt sich Spang damit, dass Verbraucher sich heute immer mehr über digitale Kanäle informierten.
Dachdecker Jörg Steinbach von Dachformers aus Braunschweig, der zusammen mit Kollegen auch weitere Gewerke rund um die Immobilie abdeckt, ist dennoch zufrieden mit der B.I.G.: "In Braunschweig haben wir keine solchen Messeplattformen mehr, die fehlen ganz einfach. Deshalb komme ich regelmäßig nach Hannover – auch in Zukunft."
Lange Wartezeiten bei Handwerksbetrieben
Die Begeisterung der anderen Aussteller ist jedoch deutlich verhaltener. Gerade die ersten beiden Messetage – Mittwoch und Donnerstag – seien besonders zäh, man hoffe auf mehr Publikumsverkehr am Wochenende, heißt es von vielen Ausstellern. Tatsächlich war die Messe an den Wochenendtagen besser besucht: Veranstalter Heckmann zählte zirka 94.000 Besucher auf dem Hannoverschen Messegelände – und damit 2000 mehr als im Vorjahr. Häuslebauer müssen sich auch in diesem Jahr wieder auf lange Wartezeiten bei Handwerksbetrieben einstellen: Die Auftragsbücher seien bei den meisten bereits vor Messebeginn gut gefüllt gewesen, hieß es einhellig vom Standpersonal der verschiedenen Aussteller. Um mittel- oder langfristige Strategien für den eigenen Betrieb machen sich die lokalen Handwerker keine Sorgen: Erst einmal gilt es abzuarbeiten, was ansteht – und das reicht bis zum nächsten Winter.
Ausstellerzahlen rückläufig
Vielleicht war das ja einer der Gründe, warum die Anzahl an ausstellenden Handwerksbetrieben auf der B.I.G. seit Jahren nachlässt – wozu werben, wenn es ohnehin nicht besser laufen könnte? Tatsächlich schrumpft die Messe, die Nachfrage nach Ausstellungsflächen ist seit Jahren rückläufig. Vor fünf Jahren noch als neues Flaggschiff für die regionale Bau- und Immobilienbranche und als eigenständige Veranstaltung gegründet, wurde die B.I.G. inzwischen mit zwei weiteren Messen – einer Freizeit- und Heimtierausstellung – zusammengelegt.
