Fachverband Türautomation tagt in Kassel Barrieren automatisch abbauen und Automation nutzen

Wie entwickelt sich der Markt für Automatiktüren, welche Normen beeinflussen die künftige Produktentwicklung und wie planen Fach betriebe barrierefreie Automatiktüranlagen? Diese Fragen beantworteten Experten auf dem FTA-Branchentag – sicht+sonnenschutz berichtet.

Im Tagungshotel zeigte sich die Bedeutung des Themas barrierefreier Zugang, den eine Automatiktür garantiert. - © Heiler

Der Markt für Handwerker wird wachsen und Hersteller von Automatiktüren und Komponenten sollten sich auf diese Entwicklung mit Schulungen und Hilfe beim Durchqueren des Nor mendschungels einstellen: Diese Botschaft gab Marktforscher Martin Langen von B+L Marktdaten den Besuchern des Branchentags des Fachverbands Türautomation FTA in Kassel mit auf den Weg. Die kinderreiche Generation der 60er Jahre kommt in den nächsten Jahren in die Phase mit ihrem höchsten verfügbaren Einkommen und wird laut Langen dieses Geld für mehr handwerkliche Leistungen investieren. „Es zeichnet sich klar ein Trend zum professionellen Bauen ab. Immer weniger Bauherren betätigen sich selbst als Heim -
werker, sondern geben die Aufträge an das Handwerk ab“, prognostiziert der Analyst. Unternehmen aus der Bau- und der Automatiktürbranche sollten sich die Frage stellen, wie sie diese Gruppe am besten ansprechen. Möglich keiten bieten Automation und das Thema Smart-Home.

Barrieren vermeiden und Normen erfüllen


Zudem spielt der Trend Barrierefreiheit der Branche in die Karten, weil eine moderne automatisierte und abgesicherte Tür immer Barrierefreiheit bietet. Dieser Trend werde durch die Megatrends des demografischen Wandels und das Wachstum der Städte noch gestärkt, bekräftigte Christian Grabitz, Pressesprecher des FTA. Günther Weizen höfer von Geze gab Tipps für die Umsetzung von Barrierefreiheit mit Türen. Die Schutzziele der aktuellen Normen lassen laut dem Experten viele Möglichkeiten zur passenden Planung von Türanlagen. Fachbetriebe sollten auf getestete Systeme und die individuellen Anforderungen des Nutzers ach ten. Grundsätzlich sei eine Automatiktür immer barrierefrei. Bei beweglichen
Türblättern mit Brandschutzfunk tion sei immer ein Antrieb nötig, weil die maximal vorgegebenen Bedienkräfte solcher Anlagen mit konventionellen Türschließern nicht zu erreichen
seien. Das ausführende Unternehmen sollte vertraglich klar mit dem Kunden regeln, was der Betrieb schuldet. Stand der EU-Normung Nach Ansicht der FTA-Experten Olaf
Heptner und Peter Rürup von Geze wur den die Inhalte der deutschen Nor men (z.B. DIN 18650) weitreichend in die europäische Norm DIN EN 16005 überführt und bieten einen hohen Sicherheitsstandard. Diese Norm formuliert die Sicherheitsanforderungen für Handbetätigung und automatische Betätigung, Vermeidung von Gefahrenstellen, Schutzeinrichtungen, Sicherheitsabstände und Kräfte. Aktuell läuft noch die Erstellung der zweiten relevanten Norm DIN EN 16361 für die Beschreibung der bauphysikalischen
Eigenschaften Schlagregen, Wärme durchgang, Schall und Dauerhaftigkeit. Der Verband formulierte das Ziel, alle für Türen und Automatiktüren relevanten Vorgaben in einer einzigen Norm, der EN 16005 zusammenzufassen. Zu dem arbeitet der FTA an Richt linien in einer Light-Version, mit der Mon teure auf der Baustelle Gefahrenpotenziale richtig einschätzen und entschärfen.

Umfrage

Auf dem Branchentag des Fachverbands Türautomation (FTA) trafen sich Hersteller, Lieferanten und Fachbetriebe zu Gedankenaustausch und Fachinformation. sicht+sonnenschutz
hat drei Teilnehmer nach ihrer Einschätzung der aktuellen Branchensituation gefragt.

Olaf Ulke ist Geschäftsführer von Zander Türautomation: „Das aktuelle Jahr läuft sehr gut. Wir haben bisher zirka 15 Prozent mehr Umsatz als im gleichen Zeitraum 2013 erwirtschaftet, vor allem mit der Umsetzung von Schiebetüren. Viele unserer Händlerkunden machen ein gutes Geschäft im Bestand, weil aktuell einige Anlagen in die Jahre gekommen sind und ersetzt oder repariert werden müssen. Wir bauen komplette Schiebetüranlagen und Drehtüren und liefern sie mit Ersatzteilen ausschließlich an Fachbetriebe. Das Geschäft konzentriert sich in diesem Jahr eher auf den Komplettaustausch der Türanlage. Der Tausch einzelner Komponenten macht eher den kleineren Teil aus. Viele der Anlagen gehen in den Einzelhandel, aber das kann nächstes Jahr schon wieder anders sein. Drehtürantriebe sind aktuell etwas rückläufig, während Sensorik sich sehr gut entwickelt.“-

Lars Weinand leitet den Service von Reko:.„Wartung und Service laufen in diesem Jahr gut und haben über unsere Erwartung zugelegt. Bei den Neuanlagen verzeichnen wir einen leichten Zuwachs, aber unter unseren Erwar tungen. Grundsätzlich stellen wir fest, dass der Bedarf an qualifiziertem Service bei Schiebe- und Drehtüren steigt. Die Themen Brandschutz und Sicherheit bei automatischen Türen schlagen sich im Bewusstsein von immer mehr Betreibern nieder und stimulieren die Nachfrage. Der Markt fordert mehr Nachrüstung von Sicherheitskomponenten, z.B .Glasschutzflügel bei Schie betüren und passende Sensorik. Dafür investieren die Auftrag geber. Ich denke, das liegt auch an den Forderun gen der Normen und die neue DIN EN 16005 wird weitere Veränderungen bringen.

Tobias Lauterbach führt die Geschäfte von Gilgen Door Systems Germany: „Das Geschäft 2014 läuft sehr gut bei unseren Partnern, die wir mit geprüften Komponenten beliefern. Viele haben volle Auftragsbücher und verzeichnen eine Steigerung zwischen zehn bis 20 Prozent beim Umsatz und auch die Marge entwickelt sich gut. Gut laufen Schiebetüren in allen Varianten, aber auch Schiebewände. Besonders Sonderelemente stehen aktuell nicht so unter Preisdruck wie andere Produkt bereiche. Diese Variante läuft vor allem in größeren
Objekten gut, die wir im Direkt vertrieb abwickeln. Die Marktsituation ist insgesamt gut und deshalb schulen wir unsere Partner, damit die Qualität von Service und Fertigung hoch bleibt.
2015 sollte die Entwic k lung weitergehen. „Wir suchen wei ter neue Partner mit Know-how und werden personell sicher aufstocken, vor allem bei den Fachmonteuren.“