Interview mit Philipp Bäuerlein "2025 entstehen ein Lager und neue Produktionsflächen."

Philipp Bäuerlein ist technischer Geschäftsführer bei Lämmermann. Bei einem Besuch am Hauptsitz des Insektenschutzspezialisten in Schwabach bei Nürnberg sprachen wir mit ihm über den geplanten Ausbau der Kapazitäten vor Ort, die Fertigung sowie die Vertriebspolitik und die Messeneuheiten zur R+T und FENSTERBAU FRONTALE.

Philipp Bäuerlein, technischer Geschäftsführer, Lämmermann Insektenschutzsysteme. - © Lämmermann

Herr Bäuerlein, Lämmermann ist bekannt für Insektenschutz. Weniger bekannt ist, dass das Unternehmen inzwischen rund 520 Produkte im Programm hat. Eine beachtliche Zahl. Es gibt bereits Pläne, den Hauptsitz in Schwabach um weitere Produktions- und Lagerkapazitäten zu erweitern.

Bäuerlein: Richtig. Die Anzahl an unterschiedlichen Aluminiumprofilen und Komponenten steigt stetig. Wir sehen, dass sich der Markt zunehmend diversifiziert.

Das heißt, dass ein Teil unserer Kunden sich durch den Corona-Boom noch mehr auf das Thema Insektenschutz spezialisiert hat. Die Ansprüche nach perfekten Produktionsabläufen in Form von neuer Anlagentechnik und der Wunsch, immer mehr in die Breite zu gehen, steigen weiter an.

Zum anderen gewinnt die Belieferung unserer Hersteller und Händler mit maßgefertigten Produkten ebenfalls an Bedeutung, um gleichzeitig die Flexibilität unserer Kunden zu erhöhen.

Kurzum, der Fokus liegt auf dem Produkt?

Bäuerlein: Ja. Insbesondere die Skalierbarkeit unseres Systems auf verschiedene Betriebsgrößen und ein regional abgestimmtes Variantenportfolio sind ein entscheidender Erfolgsfaktor unserer Expansion.

Entscheidend ist, dem Kunden aufgrund der vorhandenen Gegebenheiten die optimale Systemlösung an die Hand zu geben.

Wir führen dieses Gespräch im neuen Schulungszentrum, das zusammen mit einer Produktionserweiterung und Pulverbeschichtung errichtet wurde. Wenige Jahre zuvor erfolgte der Neubau der zentralen Langgutlogistik. Nun stocken Sie bereits wieder auf. In welchem Umfang?

Bäuerlein: Kommendes Jahr entstehen ein weiteres Hochregallager sowie Flächen für die Produktion. Insgesamt eine Fläche von 4.500 Quadratmeter. Damit entstehen weitere 1.400 Gestellplätze und eine hochmoderne Produktion im Linien-Layout.

"Kommendes Jahr entstehen ein weiteres Hochregallager sowie Flächen für die Produktion. Insgesamt eine Fläche von 4.500 Quadratmeter."

Philipp Bäuerlein, technischer Geschäftsführer, Lämmermann Insektenschutzsysteme

Individualisierung und Lieferzeiten bekommen immer größeren Stellenwert. Wie begegnen Sie der Herausforderung?

Bäuerlein: Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Um daraus einige Punkte zu nennen: Durch unsere hausinterne Pulverbeschichtung konnten wir die Lieferzeiten bei Sonderwünschen deutlich reduzieren. Im Zusammenspiel mit unserem Fuhrpark und festen Liefertouren in der Dachregion sind wir ein schlagfertiger Logistiker im Bereich Langgut und Stückgut bei sperrigen Elementen geworden. Unser Philosophieansatz: Insourcing statt Outsourcing.

Lämmermann fertigt klassische Fachhändlerprodukte.

Bäuerlein: Ja. Wir beliefern rund 600 Kunden. Ungefähr zehn Prozent von unserem Material verarbeiten wir selbst. 90 Prozent gehen in das Systemgeschäft bzw. den Wiederverkauf, die regionalen Händler und am Schluss an den Endkunden.

Wir führen dieses Gespräch in Schwabach, Sie haben noch weitere Standorte in Nürnberg und bei Dingolfing. Wie viele Mitarbeiter hat Lämmermann?

Bäuerlein: Aktuell beschäftigen wir circa 130 Mitarbeiter. Jährlich entstehen aus unserem System ungefähr 600.000 maßgefertigte Insektenschutzelemente. Jedes einzelne davon ist letztlich auf ein individuelles Aufmaß zurückzuführen. Mittlerweile führen wir rund 3.100 Systemkomponenten auf Lager. Das ist schon eine Menge.

Noch mal zurück zur Vertriebspolitik. Wie ist das bei Lämmermann organisiert?

Bäuerlein: Am Kopf der Kette stehen die Lämmermann-Systeme, wo es darum geht, neue Ideen aufzugreifen und Komponenten zu entwickeln. Hierfür haben wir ein schlagkräftiges Entwicklungsteam mit einem breiten Kompetenzfeld reichend von klassischer Konstruktion, Betriebsmittelbau, bis hin zu eigener Softwareentwicklung. Anschließend vertreiben wir durch unser Herstellernetz.

Das ist wie groß?

Bäuerlein: Wir haben ungefähr 200 produzierende Hersteller in der Dach-Region, die unsere Komponenten kaufen. Unsere Herstellerbetriebe sind dann der Fachpartner für den regionalen Markt. Das ist eine klare Vertriebskaskade. Die richtet sich dementsprechend auch so aus, dass das Portfolio mit rund 520 Varianten regional so abgestimmt wird, dass es für den jeweiligen Markt gut passt. Am Schluss und im Zentrum steht der Endkunde.

Auf der R+T in Stuttgart und der Frontale in Nürnberg hat Lämmermann u.a. neue Lösungen im Bereich Plissee und Drehtüren vorgestellt.

Bäuerlein: Das Plissee ist heute das Boom-Produkt schlechthin. Deswegen haben wir uns das jetzt die letzten zwei Jahre gut angeschaut und ein Innovationsfeuerwerk gezündet. In Summe gibt es jetzt fünf neue Varianten für normale Türen und Dachflächenfenster. Neu ist auch innen liegender Sonnenschutz in Kombination mit Insektenschutz. Das Drehtürsystem stellt von Beginn an ein zentrales Standbein unseres Produktportfolios dar.

Die neu auf der Messe vorgestellten Varianten beinhalten zahlreiche Verbesserungen. Das Augenmerk liegt dabei auf der Verbesserung der Profilsteifigkeit bei gleichbleibender Einbautiefe von 14 Millimeter. Das neue Magnetsystem beruhigt zudem ebenfalls das Schließverhalten. Sämtliche innen liegende Beschläge wurden komplett überarbeitet und führen zudem zu effizienteren Herstellungsabläufen. Generell werden in der modernen Architektur die Fassadenöffnungen immer größer.

Wie haben Sie auf diese Entwicklung reagiert?

Bäuerlein: Standardmäßig weisen unsere Schiebetürprofile eine erhöhte Steifigkeit auf. Weswegen es uns leicht fällt, auch sehr großformatige Flügel herzustellen. Des Weiteren wurde die Beschlagtechnik in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt. Beispielsweise bietet unser Softclose-System eine angenehme Haptik beim Öffnen und Schließen des Flügels. Durch ein hängendes Schiebesystem sind auch barrierefreie Ausführungen möglich.

Im Sicht- und Sonnenschutzbereich entwickeln manche Unternehmen ihre Fertigungsmaschinen in Eigenregie, etwas MHZ und Hella. Gilt das auch für Lämmermann?

Bäuerlein: Ja. Neben den Produkten bieten wir auch die Maschinen dazu an, gerade Spezialmaschinen im Plisseebereich. Wir haben Kunden, die bauen 1000 Anlagen und mehr im Jahr selbst. Sie werden von uns mit Anlagen ausgerüstet, um diese Plissees herzustellen.

Die Branche hat in der Pandemie einen Nachfrage-Boom erlebt, Sie sprachen es bereits an. Einige Unternehmen meldeten Umsatzrekorde. Wie war das bei Lämmermann?

Bäuerlein: Insgesamt haben wir in den letzten fünf Jahren den Umsatz um 45 Prozent gesteigert. Die Pandemie war ein absoluter Ausreißer nach oben. Nachdem im vergangenen Jahr die Nachfrage deutlich verhaltener war, spüren wir nun wieder einen merkbaren Anstieg. Zum einen investieren private Konsumenten wieder mehr, zum anderen konnten wir in den letzten Jahren unser Profil als Experte im Bereich Insektenschutz schärfen. Dementsprechend kommen neue Kunden mit spannenden Projekten und gleichzeitig neuen Herausforderungen auf uns zu.