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Exklusivinterview mit Miroslav Jakubec und David Žabcík, Servis Climax „Wir kommen unseren Kunden entgegen."

Leben und leben lassen, das ist eine deutsche Wendung, die sich David Žabcík, Commercial Director des mährischen Komplettanbieters Servis Climax, zu eigen gemacht hat. Wir haben ihn am Unternehmenssitz in Vsetín zusammen mit Miroslav Jakubec, dem Eigentümer, getroffen.

sicht+sonnenschutz: Mr Jakubec, Ihnen gehören zwei Drittel der Unternehmensanteile. Ihr Mitgesellschafter, Jirí Jurecka, ist vor vier Jahren aus dem operativen Geschäft ausgeschieden – warum?

Jakubec: Es geschah nicht aus Altersgründen. Jirí Jurecka hat in technischer Hinsicht viel zur positiven Entwicklung beigetragen, gerade in der Anfangszeit. Aber unter ihm war es für gute Mitarbeiter schwierig, selbst zu wachsen.

Žabcík: Unsere Philosophie ist es, dass ein gutes Team immer mehr wert ist als ein Star.

Jakubec: Wenn gute Leute nicht die Möglichkeit haben, mitzuwachsen, kann das für das Unternehmen als Ganzes zur Bremse werden. Jirí Jurecka besitzt ungeachtet dessen aber weiterhin Anteile an der Gesellschaft.

sicht+sonnenschutz: Sie haben einmal gesagt, dass es Ihnen Freude bereitet, eine geeignete Organisationsform zu finden, um etwas aufzubauen. Die Strukturen bei Servis Climax sind sehr klar und recht einfach, nicht wahr?

Jakubec: Ja, ich denke, wir können das sagen.

Žabcík: Das Unternehmen hat als Aktiengesellschaft einen Verwaltungsrat, die Inhaber sind wie besprochen Jirí Jurecka und Miroslav Jakubec, der als CEO zugleich operativ verantwortlich ist.

Jakubec: Zu meiner Sektion zählen die Aufgaben Personal, Investitionen und Technologie. David Žabcík ist als Commercial Director verantwortlich für die Divisionen strategischer Einkauf, Verkauf, Marketing, Entwicklung und Tochtergesellschaften.

sicht+sonnenschutz: Sie haben eine Gesellschaft in der Schweiz gegründet, Climax Suisse – richtig?

Žabcík: Das hat sich gerade, am 1. Juni, zum ersten Mal gejährt. Als es mit der Firma Baumann Sonnenschutz, mit der wir partnerschaftlich zuvor verbunden waren, endgültig nicht mehr weiterging, sind wir hier neu angefangen, mit einer zu 100 Prozent eigenen Gesellschaft. Gerade kleinere und mittlere Händler in der Schweiz legen Wert darauf,
bei Schweizer Lieferanten zu kaufen. Dazu sind wir nun ganz neu mit einer Gesellschaft in Frankreich unterwegs, bei der wir mit 55 Prozent der Anteile Majoritätseigentümer sind. Frankreich ist für uns ein sehr wichtiger Markt, und auch dort haben unsere Aktivitäten eine Vorgeschichte. Zunächst über ein Sonderprodukt, den Verbundraffstore Z90
mit gebördelten C-Lamellen, sind wir nach und nach mit unserem Gesamtportfolio für Raffstores bei der französischen Gesellschaft Baumann Hüppe in Nizza gelistet gewesen, deren früherer Eigentümer Dr. Zwissler Holding nun 45 Prozent der neuen Gesellschaft hält.

sicht+sonnenschutz: Aber wir haben das Organigramm noch nicht abgeschlossen.

Žabcík: Sie haben recht. Member of the Board ist neben Miroslav Jakubec und mir außerdem Luboš Galeta, zu dessen Sektion die Divisionen Produktion, Einkauf, Verbesserungen, QM zählen.

sicht+sonnenschutz: Verbesserungen?

Žabcík (lacht): Ja, das Projekt haben wir vor zwei Jahren in Angriff genommen.

Jakubec: Wir haben 2013, als Sie das letzte Mal hier waren, 25 Millionen Euro umgesetzt und wollen bis Ende des Jahres – die ersten fünf Monate liegen wir über Plan – bei 40 Millionen Euro Umsatz angekommen sein. Das heißt, wir sind in der jüngsten Vergangenheit ziemlich viel gewachsen und haben vor zwei Jahren gemerkt, dass wir an Grenzen stoßen.

Žabcík: Also haben wir uns mit einer renommierten externen Beratungsfirma zusammengetan und seither die internen Prozesse komplett neu aufgestellt, ich nenne die bekannten Stichworte Lean, Kaizen, 5 S; also, das kennen Sie, es herrscht an jedem Arbeitsplatz Ordnung, in der Produktion genauso wie im Büro.

Jakubec: Im Zuge dieser Veränderungen, die uns bis heute begleiten, haben wir einen Verbesserungsprozess in Angriff genommen, dessen wichtigste Grundlage darin besteht, dass jeder unserer 430 Mitarbeiter laufend Verbesserungsvorschläge unterbreiten kann ...

Žabcík: ... und die absolute Sicherheit hat, dass jeder dieser Vorschläge auch vom Topmanagement auf seine Realisierbarkeit geprüft wird.

Jakubec: In den Monaten Januar bis April haben wir mehr als 160 Verbesserungsvorschläge gezählt. Das betrifft oft Kleinigkeiten, die sich aber à la longue summieren, und kann bis hin zu grundlegenden Dingen gehen. Und: Das Vorgehen ist vollkommen transparent, d.h. für jeden Kollegen ist sichtbar, welche Vorschläge es in jeder Abteilung gibt
und welchen Status – vorgeschlagen, in der Umsetzung, umgesetzt oder auch abgelehnt – die Themen haben. Und derjenige, der den Vorschlag eingereicht hat, kann sicher sein, dass er im Fall einer Ablehnung von seinem Vorgesetzten genau die Gründe erklärt bekommt.

sicht+sonnenschutz: Das erfordert auch vom Topmanagement, dass es sich ständig hinterfragt, in Bewegung bleibt.

Žabcík: Sonst wäre ich ehrlich gesagt nicht mehr hier. Für mich wäre es das Ende, wenn die Devise lauten würde: Das machen wir seit 15 Jahren so, also bleibt das so.

sicht+sonnenschutz: Das gilt auch zum Kunden hin?

Žabcík: Ich hoffe, dass es so ist – nein, im Ernst, wir haben bei einer neuen Anforderung nie gesagt, das haben wir nicht im Programm, Ende. Sondern es war immer unsere Philosophie, dass wir in einem solchen Fall geschaut haben, passt das zu uns und kriegen wir das für beide Seiten vernünftig umgesetzt. Wir kommen unseren Kunden entgegen, das meine ich wirklich so. Natürlich versuche ich bspw. im strategischen Einkauf den bestmöglichen Preis für uns rauszuholen. Aber es ist doch klar, dass das auf Dauer nicht für beide funktionieren wird, wenn der Lieferant gar nichts mehr verdient. Leben und leben lassen, das ist ein schöner deutscher Ausdruck, finde ich. Deshalb haben wir auch schon Kunden gesagt, die nur den Preis von uns wollten, das können und das wollen wir nicht mitmachen. Vielleicht auch, weil wir es nicht müssen.

Jakubec: Wir wollen unseren Kunden mehr bieten. Dazu zählt, dass wir bei entsprechenden Anforderungen immer prüfen, neue Ausführungen ins Portfolio aufzunehmen. Aber das wichtigste Ziel ist es, eine Lieferverlässlichkeit von 99 Prozent zu erreichen.

Žabcík: Wir wissen, was es für den Fachpartner bedeutet, wenn er auf der Baustelle auf seine Ware warten muss. Das ist ärgerlich. Es kostet Geld, Zeit und Nerven. Natürlich gibt es auch für uns Faktoren, auf die es nicht einfach ist, Einfluss zu nehmen – so hängen wir unsererseits von Vorlieferanten ab. Aber wir haben vier große Lkw und 20 Sprinter selbst im Einsatz und bedienen uns externer Spediteure, um dem gesetzten Ziel so nahe wie möglich zu kommen.

sicht+sonnenschutz: Wir sprechen gleich noch darüber, wie Sie sich vertrieblich für den deutschen Markt aufgestellt haben. Wie lange braucht eine Raffstore-Bestellung, sagen wir für ein Einfamilienhaus, bis Sie die Ware in Deutschland auf der Baustelle haben?

Žabcík: Ich sage, drei Wochen. Die reine Produktion veranschlagen wir mit einer bis zwei Wochen; dazu kommen die Lackierung bei einem Dienstleister, der aber für Raffstores und Screens Kapazitäten auf unserem Gelände nutzt, und natürlich der Transport.

Jakubec: In dem Zusammenhang möchte ich Ihnen sagen, dass noch dieses Jahr bei uns die größte Investition der Firmengeschichte ansteht. Denn wir verdoppeln für sechs bis sieben Millionen Euro unsere Produktionskapazitäten um weitere 7.000 Quadratmeter hier am Standort in Vsetín; davon wird vor allem unsere Leistungsfähigkeit in den
Produktbereichen Raffstores, Screens, aber auch Markisen und innen liegende Stoffrollos profitieren. Dazu werden wir ein Testcenter und moderne Räumlichkeiten für Schulungen einrichten.

Žabcík: Natürlich haben wir jetzt schon unsere Partner permanent geschult; doch in Zukunft wird sich hier die Gewichtung noch mehr in Richtung des praktischen Teils verschieben. Und dafür haben wir bald alle Möglichkeiten.

sicht+sonnenschutz: Werden Sie im Zuge dieser Erweiterung auch neue Leute einstellen?

Žabcík: Sie wissen, dass es schwierig ist, fachlich gute Leute zu bekommen. Die absoluten Profis, wie sagt man, werden ja zwischenzeitlich praktisch mit Gold aufgewogen, und auch bei uns in der Tschechischen Republik sind die Löhne während der zurückliegenden fünf Jahre um beinahe 40 Prozent gestiegen. Aber ja, wir rechnen damit, 50
bis 100 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

sicht+sonnenschutz: Dagegen sind Sie künftig in Deutschland nicht mehr mit eigenen Vertriebsmitarbeitern unterwegs.

Žabcík: Ja, korrekt. Künftig betreut der Außendienst von Büscher bzw. Nova Hüppe unsere deutschen Kunden. Es ist einfach so, dass seit Jahren Nova Hüppe in Deutschland unser größter Raffstore-Kunde war – Büscher beliefern wir bei Rollläden und Innenjalousien. Umgekehrt kauft Servis Climax bei Hüppe Komponenten für Markisen und
Wintergartenbeschattungen, bei Büscher Plisses; vor diesem Hintergrund haben wir gesagt, es ist ein konsequenter Schritt, nun mit dem kompletten Sortiment aus einer Hand beim Kunden aufzutreten.

sicht+sonnenschutz: Was sich die deutschen Händler sicher fragen, ist, ob sie bei den Climax-Produkten keine Einbußen in der Beratung erwarten, wenn diese nicht mehr durch einen eignen Außendienst gewährleistet ist.

Žabcík: Dazu muss ich sagen, dass wir vor der Umstellung zum 1. Juni alle Kunden gemeinsam mit den Mitarbeitern der drei Partnerfirmen besucht haben, so dass die Betriebe vorbereitet sein sollten. Sowohl bei Hüppe in Oldenburg als auch bei Büscher in Göttingen sitzen ab sofort fünf ganz speziell auf unsere Produkte qualifizierte Mitarbeiter, die für die Servis Climax-Kunden in Zukunft eine hohe Qualität in der Betreuung gewährleisten. Denn der deutsche Markt gehört in den nächsten Jahren für uns weiterhin zu den wichtigsten Feldern, die wir bearbeiten.

sicht+sonnenschutz: Mr Jakubec, Mr Žabcík, danke für Ihre Zeit und bis zum nächsten Mal. Reinhold Kober

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