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Forscherteam tüftelt an Bauelement aus Biokunststoff So einen Fassadenladen gibt’s noch nicht

2018 soll es so weit sein: Dann will ein Forschungsverbund einen prototypischen Fassadenladen als Vorstufe zu einem marktreifen Pro dukt testen, welches eine Alternative zu konventionellen Sonnenschutzsystemen aus Aluminium oder Kunststoff sein könnte.

Das neue Bauteil soll unterschiedlichen Funktionen wie Sonnenschutz, Tageslichtnutzung, Sichtkontakt nach draußen gerecht werden und Zu-/Abluftöffnungen aufweisen. In Anlehnung an den klassischen Fensterladen nennen es die Forscher, koordiniert von der Fakultät Architektur der TU Nürnberg, „Fassaden la den“. Sie streben ein indus -
triell ge fertigtes, modulares Baukastensystem an, das wahlweise an die Anforderungen in Wohnungs- und Bürogebäuden beim Neubau und im Bestand angepasst und im gesamten Fassa denbereich eingesetzt werden kann. Der Fassaden laden soll bei verglasten Gebäudeöffnungen die Durchlässigkeit für Strahlung, Licht und Luft je nach wechselnden Witterungsbedingungen und Nutzerwünschen variieren. Beim Material haben die Forscher sich ambitionierte Ziele gesteckt: Es soll ein thermoplastischer
Biokunststoff mit hohem Anteil nachwachsender Rohstoffe zum Einsatz kommen.

Aus nachwachsenden Rohstoffen


Das moderne Fassadenelement soll aus Biopolymeren entwickelt werden. Dr. Michael Schweizer von der Firma Tecnaro, die das Granulat herstellt, erklärt auf unsere Nachfrage: „Die Witterungsbeständigkeit wurde an früher entwickelten Werkstoffen bereits getestet. Diese sollen im Projekt Fassadenladen weiterentwickelt werden.“ Auf
die Frage, was diesen biobasierten Kunst stoff auszeichne, antwortet der Experte: „Biobasierte Kunststoffe brauchen zur Herstellung keine fossilen Rohstoffe, sondern nutzen nachwachsende Ressourcen. Die Versorgung der immer schneller wachsenden Weltbevölkerung mit Trinkwasser, gesunder Nahrung, Rohstoffen und Energie, ohne
dabei die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts für die gesamte Menschheit.“ Die Materialentwicklung sei bereits angelaufen. Die Verarbeitungen erfolgen laut Schweizer in den nächsten beiden Monaten.

Verarbeitungsmethode Extrusion


Als Verarbeitungsmethode setzt das Entwickler-Team auf die Extrusion. Der Fassadenladen als gestalterisch prägendes Bauteil für Gebäude soll sich von bekannten Lösungen auf dem Markt absetzen und ästhetische Qualitäten neuartiger biogener thermoplastischer Werkstoffe zum Ausdruck bringen. Bed arf und Flächenanteile an
bzw. von Bau kom ponenten in der Fassade sind nach Auffassung der Wissenschaftler groß. Sie haben die Hoffnung und den Anspruch, dass sich die Forschungsergebnisse des Projekts Fassadenladen „voraussichtlich auf zusätzliche Funktionen und Komponenten der Gebäudehülle – weitere Sonnenschutzsysteme, Öffnungselemente, Bekleidun -
gen – übertragen lassen“. Wie die Forscher mitteilen, erhoffen sie sich deshalb von biobasierten Varianten „entsprechend große Effekte bei der Reduzierung der enormen Stoff- und Energieströme im Gebäudebereich“. Bau produkte aus Biokunststoffen speicherten nämlich ähnlich wie Holz den Kohlenstoff, den die Pflanzen beim Wachsen in Form von CO2 aufgenommen haben, für lange Zeit und tragen so zum Klimaschutz bei. Aber wann wird der neue Fassadenladen marktreif sein? Auf Nachfrage von sicht+sonnenschutz
wollen sich Prof. Dr.-Ing. Roland Krippner von der Technischen Hochschule Nürnberg und Georg Simon Ohm, der auch Dipl.-Ing. Architekt BDA ist, nicht festlegen. Immerhin startete das Projekt erst im Februar 2016: „Wir beginnen gerade mit den Projekt arbeiten. Daher ist eine Vorhersage, wann ein marktreifes Produkt vorliegen könnte, naturgemäß schwierig.“ Das Projekt – gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über den Projektträger, die Fachagentur Nach wachsende Rohstoffe (FNR) – ist in Phasen geplant. Am Ende der ersten, zweijährigen und nun be willigten Phase Entwicklung soll ein prototypischer Fassadenladen, mit um fangreich getes -
teter Leistungsfähig keit, als Vorstufe für ein marktgerechtes Produkt stehen. Am Ende der zweiten, dreijährigen und noch zu beantragenden Phase könnte laut Krippner ein marktreifes Produkt vorliegen. Mit Spannung beobachtet die Fortschritte wohl der ebenfalls involvierte Hersteller Roma. Auf unsere Nachfrage sagt Chris ian Könitzer,
Leiter Entwick lung/Konstruktion, zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nur: „Das Projekt befindet sich in einer sehr, sehr frühen Entwicklungsphase. Wir werden die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens erst vermarkten, wenn etwas Konkretes vor zeigbar ist.“


Kerstin Pätzold

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