Technik -

Rosenheimer Tür- und Tortage Automation und Absicherung im Fokus

"Läuft mit Automation alles wie von selbst?", fragte Andreas Matschi, Leiter Vertrieb des ift Rosenheim bei der Eröffnung der Rosenheimer Tür- und Tortage 2014. sicht+sonnenschutz verrät, wie Hersteller und Fachhändler den Anspruch vieler Kunden in ihren Produkten umsetzen.

Klaus Hein vom ift Rosenheim und Sachverständiger für Türen und Tore griff den Gedanken
Lichtgitter statt Lichtschranke in seinem Vortrag „Wenn Tore selbstständig werden" auf. „Hersteller müssen ihre kraftbetätigten Tore so konstruieren und Monteure die Anlage so planen, dass sie auch bei einer Fehlbedienung und unbewussten Handlungen des Nutzers ihre Aufgabe erfüllen und sicher funktionieren.“ Schnell, sicher, eindeutig lauten hier die Schlagworte.

Schließkante absichern

Grundsätzlich gilt: unbedingt die Schließkante absichern. Die berührungslose Absicherung werde mit den steigenden Schließgeschwindigkeiten und den höheren Sicherheitsanforderungen wichtiger. Eine Möglichkeit bieten hier voreilende Lichtschranken. Für die Nachrüstung von kraftbetätigten Toranlagen eignet sich laut Hein vor allem der Einsatz von Lichtgittern in der Schließebene als Variante innerhalb der Führungsschiene, auch bei Sektional- und Rolltoren. „Diese Technik bietet im vergleich zur einfachen Lichtschranke viele Vorteile und wird sich aus meiner Sicht als neuer Standard am Markt etablieren“, sagte Hein. Der Vorteil liege im Wegfall der verschließanfälligen Kabelführung, dem guten Anfahrschutz mit geringer Ausfallgefahr in der Hauptschließebene und im Vorfeld. Die Höhe des ersten Sensors muss bei 20 Zentimeter liegen um auch liegende Kinderköper zu erkennen. Gerade die Vorfeldabsicherung mit Anwesenheitssensor und Laserscanner bis zu zehn mal zehn Meter gewinnt an Bedeutung. So gesicherte Toranlagen erkennen Personen und Gegenstände im Gefahrenbereich frühzeitig und reagieren rechtzeitig mit der Reversierung des Behangs. Hein gab den Tipp, dass die aktuellen Normen im Bereich Automatiktore auf dem Stand vor 20 Jahren sind und wirkliche Sicherheit nur eine Risikobeurteilung durch den Hersteller/Fachbetrieb bringt.

Kein Patentrezept für die Torprüfung

Dipl.-Ing. Sonja Frieß von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigte die neuen Regelungen der Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) A1.7. Sie gab Tipps zur Sicherung gegen mechanische Gefährdung und der Sicherheit der Steuerung. „Betreiber und Hersteller sollten jedes Tor individuell analysieren und eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. Dann ergeben sich die nötigen Maßnahmen.“ Grundsätzlich müsse der Betreiber die ASR umsetzen, der Hersteller/Fachbetrieb habe aber eine Hinweispflicht. Ein Seilzug für die manuelle Notbedienung eignet sich laut Frieß nicht als Schutzeinrichtung. Bei der einmal jährlich verlangten Prüfung von kraftbetätigten Toren reiche die Schließkraftermittlung per Messkeule nicht aus. „Sie müssen mitdenken und weitere Risiken im Vorfeld und an der Schließkante der Toranlage als Fachmann erkennen und den Betreiber darauf hinweisen“, betonte die Expertin. Auf jeden Fall sollte der Torbauer schriftlich dokumentieren, dem Betreiber eine jährliche Prüfung empfohlen zu haben. „Damit sind Sie auf der sicheren Seite“, sagte Frieß. Der Austausch des Tores sei nur in Fällen nötig, in denen eine Nachrüstung oder Einstellung vorhandener Komponenten die Überschreitung der Schließkräfte von 400 Newton nicht mehr rückgängig machen könne.

Tore schützen vor Hochwasser

Dr.-Ing. Claus Schwenzer vom BVT – Verband Tore stellte Möglichkeiten für die Konstruktion und die Leistungsfähigkeit von Toren für den Hochwasserschutz vor. Aufgrund des enormen Drucks und der dynamisch wirkenden Kräfte von Wasser sei der Einsatz von Hohlkammerprofilen unmöglich. Mit seinem Unternehmen Effertz Tore habe er einen Prototypen als Hochwasserschutz-Hubstaffeltor als automatisierte Lösung entwickelt. Schwenzer glaubt an das Potenzial des Nischenthemas: „Diese Anforderung wird wichtiger, weil die Zahl der Starkregenereignisse steigt. Gerade in betroffenen Regionen sehen wir Marktpotenzial.“ sicht+sonnenschutz berichtet seiner Ausgabe 7-8/2014 ausführlicher über das Thema Hochwasserschutz mit Toren.

Stimmen aus der Branche

Ulrich Sieberath, Institutsleiter des ift Rosenheim, sieht das Thema Automation in der Torbranche angekommen: „Bei Torbauern ist der Betrieb und die Sicherung der Anlagen mit automatisierten Lösungen schon länger Alltag für die Firmen. Bei Türen und Fenstern fehlen hingegen aufeinander abgestimmte Gesamtlösungen aus Automation und Steuerung.“ In jedem Fall spiele die Verknüpfung von automatisierten Bauelementen und Steuerung durch den Nutzer eine große Rolle für die künftige Entwicklung.
Lutz Halbach, Produktentwickler von Peneder Bau-Elemente, bewertete die Tür- und Tortage des ift Rosenheim positiv: „Wenn man nur eine Anregung für die Praxis mitnimmt, hat sich der Besuch schon gelohnt. Ich nehme zum Beispiel mit, dass die Vorgaben zur Risikobewertung von Toranlagen lückenhaft sind und wir hier nachbessern müssen.“ Auch den Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart zum Cradle to Cradle-Prinzip wertete Halbach als gut, „weil hier neue Ansätze zum Nachdenken dabei waren.“
Heico Scheeff, Geschäftsführer von Nassau Tore, schätzt den Ausblick in die Zukunft und Trends an den Tür- und Tortagen: „Ich komme seit Jahren hierher und habe immer etwas mitgenommen, zum Beispiel die Notwendigkeit zur Schließkraftmessung an kraftbetätigten Toren.“ Er schaffte nach der Veranstaltung Messkeulen für sein Unternehmen an und betreibt das Geschäft mit der Prüfung seither gewinnbringend. Auch der Blick über den Tellerrand abseits des Betriebsalltags sei positiv und bringe Anregungen für die Praxis.

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