Schadensfall -

Schadensfall Die Zeichen der Zeit nicht erkannt

Die neuen Klappläden waren gerade montiert, da traten die ersten Probleme auf. Da Nachweise, Unterlagen und Kennzeichnungen fehlten, gab es nur eine Lösung: den kompletten Austausch der Elemente. Die Kosten für die Nachbesserungsarbeiten beliefen sich auf fast 20.000 Euro.

Der Bauherr hatte an seinem privaten Anwesen von einem regional bekannten Herstellerbetrieb Klappläden montieren lassen. An den bodentiefen Fenstern im unteren Wohnbereich sind die pulverbeschichteten Alu-Läden mit einem Kurbelantrieb ausgestattet. Im oberen Bereich und an den restlichen Fenstern erfolgt die Bedienung per Hand. Mit der Ausführung war der Auftraggeber nicht zufrieden. Er beklagte nach kurzer Zeit Schäden an den Elementen sowie an den seitlichen Laibungen. Um die Ursache zu klären, zog er einen Sachverständigen hinzu.

SCHADENSBILD UND -ANALYSE

Beim Vor-Ort-Termin nahm der Sachverständige zunächst die mit Kurbel angetriebenen Klappläden in Augenschein. Er stellte fest, dass sämtliche Kurbelgetriebe an der Außenseite starke Verschleißspuren aufwiesen. Auch an den Beschlägen waren durchweg sehr starke Abriebspuren erkennbar – diese lagen nicht druckfrei auf dem Getriebe auf. Im Wohnzimmer war ein Beschlag sogar gebrochen. In geöffneter Stellung griff der Eigentümer auf einen Eimer zurück, um das Element in Position zu halten.
Des Weiteren vermerkte der Sachverständige in seinem Gutachten, dass bei den mit Kurbel angetriebenen Elementen kein fester Anschlag im oberen und unteren Bereich vorhanden ist. Dies führt dazu, dass die Klappläden beim Schließen mehr als 180 Grad nach innen drehen. Es entsteht enormer Druck auf das Kurbelgetriebe, die Kloben und die Klappladenbeschläge. An einem Element sind die Kloben nicht mehr richtig befestigt. Sie sind teils lose und der Putz ist ausgebrochen. Auch bei den manuell bedienbaren Fensterläden fehlt dem Sachverständigen zufolge oben und unten ein fester Anschlag. Hier lastet ebenfalls starker Druck auf den Kloben und den Bändern.

HINTERGRUND

Die Klappläden sind nach Analyse des Sachverständigen nicht fachgerecht eingebaut. Die festgestellten Schäden führt er insbesondere auf die übergroßen Elemente (710 mal 2.270 Millimeter) im Zusammenspiel mit den Kurbelgetrieben zurück. Ein Problem: Es fehlt der Nachweis für die Übergröße der mit Kurbel eingebauten Klappläden. Auch auf mehrmalige Nachfrage hatte sich der Herstellerbetrieb dazu nicht geäußert.
Was hinzu kommt: Ebenfalls fehlen für die Klappläden die CE-Zertifizierung und die für die DIN EN 13659 „Abschlüsse außen und Außenjalousien – Leistungs- und Sicherheitsanforderungen“ benötigten Unterlagen. Die angebrachten Aluminium-Klappläden entsprechen somit nicht der Norm.

LÖSUNG

Gemäß Bauproduktenverordnung (BauPVO) ist die CE-Kennzeichnung seit 1997 Pflicht. Da der Herstellerbetrieb die Klappläden ohne diese Kennzeichnung montiert bzw. in den Verkehr gebracht hat, sind diese zu entfernen. Die Kosten für die Entsorgung und Neumontage beziffert der Sachverständige auf knapp 16.000 Euro. Zusätzlich fallen zirka 3.500 Euro an, um die Montagelöcher durch einen Stuckateur-Fachbetrieb verschließen und die beschädigten Laibungen instand setzen zu lassen.

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