Wie sich ein Familienunternehmen über den Zweifel am Holz hinwegsetzt

„Wir haben nie zuvor so viele Holzrollläden produziert“

Bernd (73) und Michael (34) Heydebreck führen gemeinsam das gleichnamige Familienunternehmen im oberbayerischen Forstern, das bundesweit als Rollladen-Qualitätsproduzent mit einem besonderen Fokus auf Holz und Sicherheit bekannt ist. Mittlerweile tragen im 36 Mitarbeiter zählenden Betrieb weitere Themen zur Entwicklung bei. - von Reinhold Kober

Bild: Pohlei/Heydebreck
Bernd Heydebreck (73; Mitte) hat das Unternehmen 1981 im Münchner Stadtteil Trudering gegründet, mit... mehr

Michael Heydebreck erscheint mit Anzug und Krawatte in seinem Büro. Dass er auch in einem anderen Outfit eine gute Figur macht, belegt das Foto, das ihn im Sattel eines Rennmotorrads zeigt und an seinem Rechner als Bildschirmschoner dient. Gelernt hat der 34-jährige Geschäftsführer Industriekaufmann, bei einem Elektrohersteller aus Österreich. Nach einem weiteren Intermezzo bei einem Unternehmen in der Versicherungsbranche arbeitet er vor den Toren Münchens daran, die PS im eigenen Betrieb auf die Straße zu bringen.

Bernd Heydebreck gründete 1981 im Münchner Stadtteil Trudering den gleich namigen Rollladenproduzenten. Der heute 73-Jährige, den Mitarbeiter beim sicht+sonnenschutz-Besuch in Abgrenzung zum Verkaufstalent des Sohnes fast ehrfurchtsvoll als „Wissenskoryphäe“ bezeichnen, strahlt vor allem eines aus: Seriosität. Im Gespräch schüttelt er ohne sichtbares Nachdenken die jeweils passende Norm aus dem Ärmel und positioniert sich sehr klar, als es darum geht, ob in Anbetracht der kriminalpolizeilich ausgesprochenen Empfehlungen für RC2-Produkte eine Orientierung an der Technischen Richtlinie (TR) 111 des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz (BVRS) sinnvoll ist. Zwar, so lautet das Credo des gebürtigen Berliners, der als Gesellschafter des von ihm gegründeten Herstellers firmiert, biete Heydebreck alle Zertifizierungen für Rollläden gemäß den Anforderungen von RC2 bzw. RC3 durch
das ift; doch seien TR 111-gemäße Produkte für Fachhandelspartner wichtig, um Kunden mit signifikant höherer Sicherheit zu versorgen, für die eine im Verhältnis zum Standardelement um das Fünffache teurere Anschaffung einer RC2-Ausrüstung anderenfalls ein K.-o.-Kriterium ist, überhaupt in Einbruchhemmung zu investieren. Zum Vergleich: Ein TR 111-Rollladen bewegt sich preislich etwa in der Mitte zwischen der Standard-Ausführung und Resistance Class 2.

"Wer Rollläden montieren lässt, die den Vorgaben der TR 111 entsprechen, der sorgt auf jeden Fall dafür, dass Einbrecher, die sich im Bereich der Beschaffungskriminalität bewegen, erheblich viel mehr Lärm verursachen und weitaus mehr Kraft aufwenden müssten, sich gewaltsam Zugang zu verschaffen“, ergänzt Michael Heydebreck. (Das Thema Einbruchhemmung und TR 111 vs. RC2 ist auch Bestandteil unseres vor Ort aufgezeichneten Videointerviews, das Sie nur auf www.sicht-sonnenschutz.com sehen.) Erkenntnis 1 beim Ortstermin: Sicherheit ist für einen Rollladenproduzenten wie die Firma Heydebreck ein Umsatztreiber, 20 Prozent des Geschäfts sind diesem Bereich zuzurechnen.

Heydebreck: Sicherheit in Holz

Doch jetzt ist Mathematik für Fortgeschrittene gefragt. Denn obschon Sicherheit im Augenblick ein bestimmender Aspekt ist, sofern es um Bauelemente geht, sagt der Geschäftsführer: "Wir haben nie zuvor so viele Holzrollläden produziert.“ Warum ist das überraschend? Das Naturmaterial – Heydebreck verarbeitet vorzugsweise Nordische Kiefer, der Firmengründer
trifft sich an diesem Tag vor dem Videointerview noch schnell mit einem potenziellen Lieferanten – ist in den Bearbeitungsmöglichkeiten flexibler als alle anderen Materialien, die Maserung des nach der Empfehlung von Michael Heydebreck am besten von einer Dickschicht geschützten, aber in seiner prägenden Charakteristik erkennbaren Holzes ist mit keinem anderen Werkstoff im Ansatz erreichbar. Aber RC2 oder gar RC3 – das funktioniert nicht. Nun hat Bernd Heydebreck hier Pionierarbeit geleistet, nämlich eine Hochschiebesicherung für seine Holzrollläden entwickelt und sich schon vor Jahren eine Sensorik patentieren lassen, mit der Fachhandwerker an der Gebäuderückseite die Behänge so präparieren, dass sie nach unten fahren, sobald sich ein Unbefugter der Immobilie nähert. Doch vor allem, das ist die klare Botschaft bei dem Produzenten im Münchner Umland, ist die "Geiz ist geil“-Mentalität doch zunehmend überwunden. So bringt Michael Heydebreck, der gewisse Reibereien zu Beginn der generationenübergreifenden Zusammenarbeit im Familienbetrieb nicht verschweigt, aber diese offenbar komplett überwunden hat, zum Ausdruck, was sich einem oft als Verdacht aufdrängt: Dass die vielfach geäußerten Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Werkstoffs Holz eher etwas über die Philosophie dessen aussagen, der die im Verhältnis zu vor allem Kunststoff höheren Materialpreise per se als nicht
durchsetzbar abtut. Für Heydebreck, das liegt bei einem Umsatzanteil der Holz-Range von 25 Prozent (Michael, der Geschäftsführer: "Wir kriegen auch Anfragen für Rollläden aus Mahagoni, haben wir alles schon gemacht“) nahe, wäre es ein Fehler gewesen, sich von dem Bereich zu verabschieden, der das Unternehmen groß gemacht hat.


1991 kommt Bernd Heydebreck mit seiner Rollladenfertigung nach Forstern (Lkrs. Erding). "Wir sind ein Münchner Unternehmen“, stellt der Sohn unter Verweis auf die Kennzeichenschilder an den Autos fest, die alle ein weiß-blaues Logo tragen und in der Landeshauptstadt zugelassen sind. Etwas anderes hat sich seit dem Umzug aber geändert,
schließlich kann man das eine tun, ohne das andere zu lassen: "Wir haben“, erklärt der 34-Jährige, "in den vergangenen Jahren in den Ausbau unserer Vorbaurollladen-Produktion in vestiert und den Aluminium-Bereich deutlich vergrößert.“ Das sei keine Absage an die Holzkompetenz, die bei Heydebreck zum Markenkern gehört; vielmehr sieht Michael Heydebreck hier Potenzial: "Der Markt wird größer“, sagt er zu sicht+ sonnenschutz; niedrige Zinsen lassen Ausgaben für die eigenen vier Wände so sinnvoll erscheinen wie nie zuvor.

Standortmodernisierung und Ausbau geplant

Überhaupt fällt auf, dass es bei jedem der während des Termins gestreiften Produktsegmente, wie Holzrollläden, Vorbaurollläden aus Alu, Sicherheitsrollläden aus Aluminium oder Stahl, Rolltore oder Brandschutzelemente, heißt: Die Entwicklung ist positiv, die Nachfrage steigt. Derzeit arbeiten Vater und Sohn Heydebreck, auf deren Grundstück das große Silo zur Verwertung der Holzreste ins Auge fällt, an der geplanten Standortmodernisierung – ein neues Bürogebäude sowie zusätzliche Produktionskapazitäten für den Bereich der Vorbaurollläden und insbesondere der Tore stehen im Lastenheft ganz vorne; die Tennishalle in Forstern, die wohl auch nicht mehr höchsten Ansprüchen genügt, soll mittelfristig weichen. Über allem aber, das bestätigt ein großer Kunde beim Mittagessen, sorgt neben der typischen Heydebreck-Qualität und einem intelligenten Einkauf, was die Rohstoffe betrifft, in allen Sortimentsbereichen die Liefergeschwindigkeit für Wettbewerbsvorteile – auf beiden Seiten: "Alle Standardprodukte, die die Kunden bis 12 Uhr mittags bei uns bestellen – das gilt insbesondere für die Panzer aus Aluminium – erhalten sie am Tag darauf. Es ist für die Betriebe in ihrem Markt ein wichtiges Verkaufsargument, dass damit auch sie schneller bei ihrem Kunden sind“, sagt Michael Heydebreck.

Auch sonst hat er die Philosophie von Vater Bernd in der insgesamt doch recht familiären R+S-Szene verinnerlicht: "Wir haben 300, vielleicht 400 Firmen, die regelmäßig bei uns bestellen. Die betreuen alle entweder mein Vater oder ich persönlich“, berichtet der 34-Jährige. Aus so viel Geschäft auf Augenhöhe entsteht zwangsläufig die Notwendigkeit zur Verlässlichkeit und Verbindlichkeit – da macht sich der Junior keine Illusionen: "Ein wirklich ärgerlicher Fehler kann schon einer zu viel sein, dann ist der Kunde erst mal weg“, macht er deutlich, die Dienstleistungs-Denke von klein auf vermittelt bekommen zu haben.

Ähnlich wie im Rennsport ist bei dem familiär geprägten Rollladenhersteller Teamarbeit Trumpf: "Freitag ist unser Hauptproduktionstag“, sagt Michael Heydebreck, "da muss alles fertig werden. Dazu nehmen wir zur Not auch mal den Samstag.“ Nur: Von nichts kommt nichts, das gilt auch für die Bereitschaft der Mitarbeiter – "wenn jemand mitzieht und seinerseits mal
ein Anliegen hat, etwa weil er frei braucht, dann machen wir das möglich“, verspricht der Chef. Schließlich soll Heydebreck auf der Pole-Position bleiben.

 
© sicht-sonnenschutz.com 2017
Alle Rechte vorbehalten

Abletshauser lädt zu GFF-Praxistagen ein

Video: Holzmann Medien
Heinrich Abletshauser, BVRS-Präsident und Geschäftsführer der Jakob Rottler KG, erläutert, warum für ihn als Sonnenschutz-Spezialisten die GFF-Praxistage einen Besuch wert sind.

Person des Monats

Renson verstärkt sein Vertriebsteam in Deutschland
Bild: Renson

Renson verstärkt sein Vertriebsteam in Deutschland

Rouven Marxcord (37) arbeitet bei Renson seit dem 1.2.2017 als Key Account Manager für Fertighaushersteller und die Wohnungswirtschaft. Sein Kollege Uwe Rhein (50) berät Architekten im Süden Deutschlands. mehr

Aboshop Probelesen

Termine

02.05.2017 - 02.05.2017
VdS-Infotage in Frankfurt
Details »
03.05.2017 - 03.05.2017
Velux Fachseminar in Bad DÜrkheim
Details »
09.05.2017 - 12.05.2017
17. Techtextil
Details »

Sonderpublikationen

Als weitere Fachpublikationen für Handwerk und Mittelstand erscheinen bei Holzmann Medien:
Deutsche Handwerks Zeitung, handwerk magazin, rationell reinigen, boden wand decke, RWTextilservice, Die Fleischerei, Fussbodenbau und GFF Magazin.
 Im Holzmann Medienshop finden Sie u. a. Fachinformationen zur Aus- und Weiterbildung.